Leseprobe Juli 2003 |
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„Ich wünsche dir vor allem Gesundheit“ – ein häufiger Wunsch. Gesundheit – ein wichtiges Gut. Aber was umfasst Gesundheit genau? Hat sie tatsächlich den größten Stellenwert?
Über diese Frage musste ich mir in meinem relativ kurzen Leben zwangsläufig viele Gedanken machen. Denn ich bin 35 Jahre jung – und körperbehindert. Mein linker Arm fehlt fast vollständig, mein rechter ist stark verkürzt, und an meinen deformierten Händen besitze ich je drei Finger.
Ich musste mich acht Operationen unterziehen, trage einen Herzschrittmacher, habe eine Wespenallergie, Heuschnupfen und Asthma, bin kurzsichtig mit linksseitiger Tendenz zum grauen Star, leide an starkem Bluthochdruck, habe X-Beine und bin meistens ausgesprochen glücklich.
Nein, ich habe noch keine masochistischen Züge an mir festgestellt, und ich war auch nicht immer ein von Herzen glücklicher Mensch.
Die Frage, ob Gesundheit wirklich die Hauptsache des Lebens ist, steht im Alltagsleben der Gesellschaft durchaus im Mittelpunkt. Wie nie zuvor gibt der Mensch Geld aus für Produkte, die topfit machen sollen. Man versucht, Gesundheit und Jugendlichkeit um jeden Preis zu erlangen und zwanghaft festzuhalten. Altern, Leid und Tod werden ignoriert und verbannt. Offensichtlich versuchen die Menschen, sich gegen nahezu alles zu versichern.
Nur über die Möglichkeit, sich über den Tod hinaus zu versichern, darüber machen sich viele wenig Gedanken. Immer mehr Menschen sehen dann in dem Moment, in dem sie krank und instabiler werden, keinen Sinn mehr und werden depressiv. Warum? Weil sie Jahre, vielleicht Jahrzehnte einer Lebenslüge auf den Leim gegangen sind: der Lüge, dass körperliche Unversehrtheit das allerhöchste Gut sei.
Ich wäre viel, viel lieber körperlich vollkommen gesund. Und doch ist Gesundheit nicht die Hauptsache des Lebens.
Ich bin Psychotherapeut. Meist ist keiner meiner Klienten körperlich ernsthaft krank. Trotzdem sind viele dieser Menschen unglücklich und oftmals voller Angst.
Lassen Sie mich noch einmal bei mir selbst beginnen. Ich liebe und genieße mein Leben sehr, was nicht jeder sofort nachvollziehen kann, wenn er mich nur äußerlich sieht.
Warum bin ich trotzdem froh und munter? Weil ich erkennen und erleben konnte, dass echte Lebensqualität nichts mit zehn Fingern, langen Armen, einem gesunden Herzen usw. zu tun hat. Dagegen kann ich Ihnen die Geburtsstunde meiner ganz persönlichen Lebensqualität nennen. Am Samstag, den 26. Oktober 1991 habe ich bei einer christlichen Veranstaltung Ja gesagt zum bewussten christlichen Glauben, zu einer persönlichen Beziehung mit Jesus Christus.
Als Psychotherapeut möchte ich behaupten, dass der Motor für das Handeln eines Menschen seine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens ist: „Wozu lebe ich, was ist mein Leben wert?“
Diese Frage steht sehr schnell bei den Gesprächen zwischen meinen Klienten und mir im Mittelpunkt. Und wer die Frage „Lohnt es sich zu leben, lohnt es sich für mich, zu leben?“ im Innern verneint oder schon lange mit Nein beantwortet hat, der wird sein Leben irgendwann leichtfertig durch verschiedene Methoden aufs Spiel setzen – oder sich eventuell sogar umbringen.
Wer dagegen auf die Frage nach dem Sinn des Lebens sagt: „Wenn ich mich gesund erhalte, bin ich leistungsfähig, dann erhalte ich auch Anerkennung, und erst dann geht es mir gut“, dessen Leben wird sich von morgens bis abends um die Gesundheit drehen. Und ein Dritter, der vielleicht sagt: „Die Zukunft sieht schwarz aus, darum will ich viel Spaß haben“, wird einfach in den Tag hineinleben.
Ich dagegen behaupte, dass nur einer die Frage nach dem Sinn unseres Lebens beantworten und unserem Selbstwertgefühl Heilung bringen kann. Das ist Gottes Sohn, Jesus Christus. Weil er auferstanden ist, hat er den Tod in eine endliche Grenze verwiesen.
Und wenn ich jetzt sage: „Gesundheit ist doch die Hauptsache“, dann meine ich nicht einen tollen Körper und ein Höchstmaß an Fitness. Nein, ich meine die Gesundheit, wie Gott sie versteht.
Unsere Gesellschaft suggeriert uns, dass der Mensch mit zunehmendem Alter an Wert verliert. Oder denken wir an Kranke und Behinderte. Heute werden behinderte Kinder bereits im Mutterleib abgetrieben, weil manche Ärzte meinen, beurteilen zu können, was lebenswert ist und was nicht.
Für Jesus aber waren auch diese Menschen wichtig. Er kümmerte sich um sie, er heilte sie, er half ihnen, ein neues Ja zu sich zu finden.
Aber oft ist da dieser geheimnisvolle Schmerz in unserem Herzen, gibt es nagende Schuldgefühle. Unser Unterbewusstsein sucht einen Ort, an dem es seine Schuld abgeben kann. Und nicht selten wenden sich Menschen dann an einen Psychotherapeuten.
Da kommt eine Frau zu mir, die eine Abtreibung hinter sich hat und Schuld empfindet. Sie wünscht sich so sehr, frei davon zu werden. Ich habe keine Möglichkeit, ihr zu vergeben, aber Gott kann es. Ich kann ihr die Last nicht abnehmen, aber ich kann ihr den zeigen, bei dem Vergebung möglich ist, nämlich Jesus Christus. Gott hat in Jesus eine Brücke zu den Menschen geschlagen, und es ist nun an uns, darüber zu gehen und die Vergebung anzunehmen.
Krankheiten und Leiden, die Menschen tragen, werden in dieser neuen Beziehung nicht gleich verschwinden, sie werden vielleicht auch bleiben, aber sie werden ein wenig nebensächlich.
Doch der innerer Friede wird erheblich größer. Menschen wissen plötzlich, was es heißt, bei Gott nach Hause zu kommen.
Die wichtigste Gesundheit ist die geheilte Beziehung zwischen Menschen und Gott. Und in diesem Sinne wünsche ich nun doch, und zwar von ganzem Herzen: Vor allem Gesundheit!
Bernd R. Hock
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