Ab in den Urlaub – unbeschwert oder schwer beladen?
Wahre Freiheit
Hoch über den Wolken beginnt die Chartermaschine bedenklich zu wackeln.
Da ertönt auch schon die Stimme des Flugkapitäns: „Verehrte Fluggäste, wir durchfliegen den Rand einer Gewitterfront. Es wird schwere Turbulenzen geben. Aber keine Sorge! Die Maschine steht das locker durch. Ich komme jetzt zu Ihnen hinaus und gebe jedem noch einmal die Hand!“
Die hochgestimmten Urlauber packt das Entsetzen. – Gott sei Dank landet der Jet dann doch sicher. Trotz der ungeschickten Ansage lag der Chefpilot richtig. Auf das persönliche Verhältnis zwischen der Besatzung und den Passagieren kommt es an.
Nur wenige ahnen, wie ausschlaggebend das auch für den Urlaub ist. Urlaub ist die Erlaubnis, der Arbeit für eine festgelegte Zeit fernzubleiben. Freiheit von der täglichen Abhängigkeit!
Das Verlangen, die Freiheit bis zur Neige auszukosten, treibt gerade in den Urlaubswochen in die Ferne. Wächst die Freiheit etwa mit der Zahl der zurückgelegten Flugstunden? Unverzollt, weil unsichtbar, nehmen wir immer Schwergewichtiges mit, so weit wir auch reisen: die Menschen, mit denen wir immer verbunden sind und neu zu tun haben und auch die hellen und dunklen Etagen unserer selbst. Das unsichtbare Gepäck bestimmt den Wert des Urlaubs. Das beginnt mit der freundlichen oder mürrischen Dame an der Rezeption und endet bei dem glücklichen oder missgestimmten Partner.
Mit dem eigenen Innenleben ist es ähnlich. Der eine kann die Sorge um den Erhalt des Arbeitsplatzes nicht abstreifen, die andere schmiegt sich an den jungen Ehemann.
Ganz unterschiedlich wird der Sonnenuntergang über dem weiten Meer erlebt. Der eine muss das Bild unterbringen im Gestrüpp seiner Ängste, der anderen fällt es mitten in die Seele, weil sie es zusammen mit dem Geliebten schaut.
Das unsichtbar Mitgeführte gibt einen Hinweis: Nicht nur uns selbst und die menschlichen Bindungen haben wir immer und überall dabei. Wir nehmen auch Gott mit. Oder besser gesagt: Er ist immer schon vor uns an Ort und Stelle.
Der Sinn des Urlaubs, das spürt unsere Seele, erfüllt sich in der Nähe Gottes. Der Horizont weitet sich in neue Bereiche. Freiheit leuchtet auf gegenüber Mitmach-Zwängen. Einer sieht uns freundlich an trotz der dunklen Flecken auf unserer Visitenkarte. Gottes Sohn steht für uns ein. Gott freut sich mit uns über die Freiheit, die der Urlaub mit sich bringt.
Göttlicher Beistand
„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“, fragt uns die Bibel in Matthäus 16, 26. Überall lässt sich der tiefste Sinn des Urlaubs erfahren. Gott wartet auf uns in den Gottesdiensten in der Ferne und in der Heimat. Und er hat auch die verschämten Gebete gehört, die nach jahrelanger Gottesferne im geschüttelten Airbus gesprochen wurden.
Die Nähe Gottes können die Reiselustigen und die zu Hause Gebliebenen wahrnehmen. Letztere gibt es ja auch in großer Zahl. „Ich fahre nicht weg“, sagt eine junge Frau, „ich kann meine kranke Mutter nicht allein lassen.“ Für behinderte Mitmenschen kann Reisen zur Qual werden, und bei anderen stimmt das Konto nicht, auch nicht für günstige Last-Minute-Angebote. Dennoch können sie alle den Segen des Urlaubs erfahren.
Gott steht das locker mit uns durch! Lassen Sie sich alle, liebe Leser, noch einmal die Hand geben: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch. Ich kann sie nicht begreifen“, betet ein Psalmsänger (139, 5.6). Begreifen gewiss nicht, aber darauf vertrauen! Dazu lade ich Noch-Urlauber unter den Lesern ein: Gesegnete Urlaubstage!
Werner Leich
Fragen zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe "Endlich Urlaub!":
- Was bedeutet Urlaub für Sie?
- Wie verbringen Sie am liebsten Ihren Urlaub?
- Können Sie sich im Urlaub gut erholen?
- Was war Ihr schönster Urlaub?
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