Leseprobe Juli 2005 |
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Wie viele Sehnsüchte, wie viele Hoffnungen und Erwartungen richten sich auf die „schönste Zeit des Jahres“ – den Urlaub. Man lebt darauf zu im Alltagstrott, zählt die Wochen und Tage, bis es endlich so weit ist. Zu allem Überfluss wird alles völlig überfrachtet durch traumhafte Werbesendungen oder wunderschöne Landschaftsbilder in Reisekatalogen, in denen glückliche Familien in vollendeter Harmonie und Liebe miteinander umgehen.
Und wenn man selbst in die Ferien starten will, gibt es schon vorher jede Menge Nerverei und handfesten Streit. Auch am Urlaubsort ist sich die Familie längst nicht so einig, wie man sich das wünschen würde. Aus eigener Erfahrung haben wir ein paar Tipps zusammengestellt, wie die Ferien zu einem wirklich schönen Erlebnis für die ganze Familie werden können:
Egal, ob mit dem Auto, dem Bus, dem Flugzeug – vorher muss sorgfältig geplant werden, was unbedingt mit in den Koffer soll. Eine Liste mit einer grundsätzlichen Aufstellung kann dabei helfen, damit nichts Wesentliches vergessen wird. Und wenn man mit Kindern und Jugendlichen verreist, ist es günstig, rechtzeitig auf den letzten Waschtermin hinzuweisen, damit man nicht noch einen Tag vorher das heiß geliebte T-Shirt oder die einzige richtig gut sitzende Jeans mit der Hand waschen muss (bei all dem, was sonst noch dringend zu tun ist).
Schön ist, wenn nach dem Ausladen der Koffer und dem Einräumen des Urlaubsdomizils die ganze Familie die nähere Umgebung erkunden kann. Egal, ob es sich um hübsche Häuser und einladende Restaurants, Pferde im Stall, sandigen Strand und blaues Meer oder gewaltige Bergmassive, verschlungene Wanderwege oder auch imposante Naturdenkmäler handelt – das gemeinsame Entdecken des Ferienortes weckt Vorfreude auf all das, was man in den nächsten Wochen miteinander erleben kann. Und dabei entstehen auch meist die ersten konkreten Wünsche, was man unbedingt morgen oder übermorgen tun möchte.
Oft unterscheiden sich die Vorstellungen der einzelnen Familienmitglieder über den Verlauf des Urlaubs sehr. So möchte zum Beispiel die Mutter vor allem ausruhen, viel lesen und endlich mal lange schlafen; der Vater will seinem Hobby nachgehen und möglichst viele Eisenbahnen fotografieren; die Tochter legt viel Wert darauf, dass sie jeden Tag reiten kann, und der Sohn möchte hauptsächlich schwimmen und Fußball spielen.
Es hilft, wenn man die unterschiedlichen Bedürfnisse entweder schon vor dem Urlaub oder an einem der ersten Tage im Ferienort in einer Familienkonferenz bespricht: Jeder sagt deutlich, was er mag und welche Erwartungen er an die anderen Familienmitglieder hat. So muss die Tochter eventuell zum Reiten gebracht und wieder abgeholt werden. Der Sohn kann nicht allein schwimmen gehen und braucht mindestens ein Elternteil als Begleitung. Und vor allem gemeinsame Unternehmungen der ganzen Familie müssen abgestimmt werden.
Es gibt nichts Schlimmeres, als mit maulenden, unzufriedenen Kindern einen Museumsbesuch zu machen. Weder Eltern noch Kinder haben etwas davon, und zum Schluss sind alle völlig genervt. „Und das nennt sich Urlaub!“ hat schon manche gestresste Mutter am Ende eines solchen Tages geseufzt. Oder der Vater lässt die Tochter deutlich spüren, dass ihm die Hin- und Herfahrerei zu ihren Reitstunden ausgesprochen lästig ist, ohne konkret mit ihr darüber zu reden.
Die unterschwellig miese Stimmung kann auch an den schönsten Urlaubsorten zu einem deftigen Familienkrach führen, weil jeder sich nicht ernst genommen, benachteiligt und gegängelt fühlt. Deshalb ist es eine große Hilfe, miteinander verschiedene Tagespläne aufzustellen, die – je nach Wetter – verwirklicht werden können.
Vor einigen Jahren haben wir auf einer Tagung mit dem Titel „Werkstatt Familie“ eine tolle Möglichkeit kennen gelernt, wie man Familienunternehmungen zur Zufriedenheit aller planen kann. Dabei bekommt jedes Familienmitglied fünf weiße und fünf schwarze „Muggelsteine“ (Farbkärtchen oder Spielsteine eignen sich genauso gut). Mit den weißen Steinen kann jeder Vorschläge bringen, was er gern gemeinsam mit den anderen erleben würde. Und mit den schwarzen Steinen kann jeder sagen, was er auf keinen Fall tun möchte. Dabei kristallisieren sich ganz schnell die Dinge heraus, an denen alle Spaß haben – und es wird leichter, Kompromisse zu finden.
Erstaunlicherweise geschieht es dann oft, dass einer, der auf gar keinen Fall wandern gehen wollte, sich durch ein interessantes Ausflugsziel umstimmen lässt. Oder er sagt zu, ohne Meckern diesmal mit zu wandern, wenn am nächsten Tag sein sehnlichster Wunsch nach einer Serie Kicker-Spielen berücksichtigt wird, wozu eigentlich der Rest der Familie ursprünglich keine Lust hatte.
Mit diesem einfachen Prinzip lässt sich schon mit ganz kleinen Kindern lernen, dass jeder mal zurückstecken muss. Umso größer ist die Freude, wenn dann der eigene „Wunsch-Tag“ kommt und alle begeistert mitmachen, statt an dem „blöden Vorschlag“ des Jüngsten rumzunörgeln. Alle wissen: Jeder ist mal dran – und das hilft, aufeinander Rücksicht zu nehmen.
Die Urlaubszeit soll entspannen, neue Kraft für den Alltag geben, Anregungen bringen, interessante Begegnungen ermöglichen und und und … Jedes Familienmitglied hat andere Bedürfnisse. Damit möglichst viele davon abgedeckt werden können, helfen einfache Absprachen. Wenn zum Beispiel der Vater einen Vormittag mit den Kindern schwimmen geht, kann die Mutter genüsslich vier Stunden an einem Stück lesen oder einen Einkaufsbummel nur für sich machen. Oder während die Mutter mit den Kindern eine Wanderung zu einer Höhle in der Umgebung macht und dort mit ihnen picknickt, kann der Vater in Ruhe die Oldtimer-Ausstellung besuchen, die sonst niemanden in der Familie interessiert.
Während die ständige Erwartung der Ehepartner aneinander („Du könntest dich jetzt endlich auch mal um die Kinder kümmern, immer muss ich aufpassen und mit ihnen spielen!“) nur nervt und jeder sich zu kurz gekommen fühlt, sind solche vereinbarten Freiräume ein Geschenk, das jeder dankbar vom anderen annehmen kann (besonders für Mütter und Väter mit ganz kleinen Kindern!). Und der Ausgleich ist ja schon vorprogrammiert.
Mein Mann und ich haben uns bisher oft im Urlaub auf diese Art und Weise gegenseitig entlastet. Besonders intensiv habe ich die „stillen Vormittage“ in Erinnerung, die wir uns manchmal geschenkt haben. Angeregt durch eine Freizeit, die wir gemeinsam besucht hatten, gaben wir uns jeweils vier Stunden frei, um Stille zu haben, Bibel zu lesen, auf Gott zu hören, zu beten, neue Perspektiven zu gewinnen.
Der Partner beschäftigte sich in der Zwischenzeit so intensiv mit den Kindern, dass der andere wirklich ungestört war. Diese „stillen Stunden“ haben uns innerlich aufgebaut, wichtige Erkenntnisse geschenkt und geholfen, neue Prioritäten zu setzen. Versuchen Sie es doch auch einmal! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schöne, erholsame Ferien, in denen Sie auftanken können mit Leib, Seele und Geist!