Leseprobe Januar 2007 |
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„Finden Sie immer den richtigen Weg zum Ziel?“, fragt ein Fahrgast den Taxifahrer. „Meistens finde ich das Ziel“, antwortet dieser. „Aber manchmal auf Umwegen. Außerdem ist der kürzeste Weg nicht immer der schnellste. Wenn viele Kreuzungen und Ampeln die Fahrt verzögern, wird sogar manche Abkürzung letztlich zu einem Umweg. Und Umwege kosten Zeit – und Geld.“ Beim Taxifahrer jedenfalls.
Nicht nur der Fahrgast im Taxi hat ein Ziel, auch jeder Mensch hat Ziele, die er gern erreichen möchte – je nach dem in welcher Lebensphase er sich gerade befindet. Der Jahreswechsel ist eine gute Gelegenheit, um zurück und nach vorn zu blicken. Welche Wünsche und Hoffnungen haben sich im vergangenen Jahr erfüllt, welche Schritte sind Sie gegangen? Mit welchen Erwartungen beginnen Sie das neue Jahr und welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Der kürzeste Weg ist offensichtlich nicht immer der beste. Das gilt nicht nur im Großstadtverkehr, sondern auch im Leben. Maria erwartet, dass Gott einen guten Lebensweg für sie entworfen hat und dass er sie diesen Weg auch führt. Und plötzlich steckt sie in einer Sackgasse. Sie muss zurückfahren und sogar einen Umweg in Kauf nehmen. Das gefällt ihr gar nicht. Sie zweifelt an Gottes Führung und fragt sich: „Hätte das nicht lieber so kommen können? Hätte ich mich damals besser anders entschieden? War dieses Jahr nicht vergeudete Zeit?“
Matthias hat drei Jahre lang Tischler gelernt. Auf seinem Zeugnis steht ein „sehr gut“. Doch die Unternehmen, bei denen er sich bewirbt, scheinen das nicht zu würdigen. Eine Absage folgt der nächsten. Matthias ist deprimiert. Sollte die Ausbildung, all das Lernen und Arbeiten, umsonst gewesen sein? In verschiedenen Praktika versucht er, seine Begabungen zu testen und seine praktischen Erfahrungen zu erweitern. Insgeheim hofft er, dass eine Firma seine Fähigkeiten erkennt und ihm eine Stelle anbietet. Ein Jahr lang „vertrödelt“ er nun schon seine Zeit als Praktikant oder Ein-Euro-Jobber, so empfindet er es jedenfalls.
Die Wende in seinem Leben kommt, als einer seiner ehemaligen Chefs anruft und meint, er habe jetzt doch einen Job für Matthias. Prompt stellt der Möbelbauer ihn ein. Ein Traum geht für Matthias in Erfüllung. Er baut Tische und Schränke und restauriert alte Möbel. Im Nachhinein sagt er: „Wer weiß, für was es gut war, dass ich so lange suchen musste. Hätte ich schon eher eine Stelle gefunden, würde ich jetzt vielleicht am Fließband stehen und Fenster herstellen. Dann hätte ich zwar nicht so lange nach einer Arbeitsstelle suchen müssen, hätte aber auch nicht diese tolle Stelle bekommen.“
Manchmal müssen Menschen Umwege in Kauf nehmen, ehe sich die Richtung für den weiteren Lebensweg abzeichnet. Manchmal ist sogar ein Umweg nötig, damit Menschen für die kommenden Schritte vorbereitet werden. Und manchmal haben Menschen das Gefühl, im Stau zu stehen und nicht vorwärts zu kommen. Dabei hat Gott bereits alles für den weiteren Weg vorbereitet – wie zum Beispiel bei den Blaukreuzlern aus Berg.
Zunächst hatten sich Helga Bachmann und ihr Mann Heinrich nicht getraut, zu zweit die Leitung der Blaukreuz-Begegnungsgruppe in Berg zu übernehmen. „Waren wir dafür eigentlich begabt genug?“, zweifelten sie an sich selbst. Freunde schafften es, ihre Bedenken zu entkräften, und das Ehepaar übernahm 1996 die Gruppenleitung. Doch nur zähfließend entwickelte sich das Gruppenleben. Es fehlte an ehrenamtlichen Mitarbeitern. Helga und Heinrich Bachmann beten für Menschen, die sie unterstützen können bei der Blaukreuz-Arbeit.
Im Rückblick sagt Helga Bachmann: „Mit den Aufgaben gibt uns Gott die Ausrüstung.“ Im Nachhinein kann sie nur staunen, wie Gott durchgetragen hat. Anfang des Jahres 1998 hatte sie ein Gespräch mit Ulrike Knauf, Blaukreuz-Mitarbeiterin in der Beratungsstelle Coburg, und klagte darüber, keine Mitarbeiter zu haben. Ulrike Knauf meinte: „Ihr werdet euch noch wundern, welche tollen Mitarbeiter euch Gott schickt!“
Darauf kam Doris Stracke im Sommer 1998 nach Berg. Neben ihrem kaufmännischen Wissen als Bilanzbuchhalterin ist ihr zweiter Beruf Gemeindediakonin. Nach kurzer Zeit war sie bereit, im Blauen Kreuz mitzuarbeiten. Im Jahr 1999 kam Heinrich Edelmann, der mit seiner ehrenamtlichen Ausbildung für die Suchtkrankenhilfe ebenso ein wertvoller Mitarbeiter wurde. Daneben gibt es viele in der Gruppe, die kleine Dienste tun.
Dankbar ist Helga Bachmann für die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die herbeigebetet wurden und mit der Zeit einen Blick für die Nöte der Sucht bei anderen entwickelten. Auch für die Betroffenen und Angehörigen beteten die Blaukreuzler, dass sie den Weg zur Gruppe finden. „So manche ‚blaue Wunder‘ sitzen bei uns und sind trocken geworden“, sagte Helga Bachmann zum zehnjährigen Bestehen der Blaukreuz-Gruppe in Berg; und sie ist gespannt, welche Wege und Wunder Gott noch mit den Blaukreuzlern aus Berg vorhat.
BK