Leseprobe März 2008


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Mit dem Sterben konfrontiert

„Als wäre ich halbiert“
– Eine Blaukreuzlerin spricht über den Tod ihres Mannes

Sie haben alles miteinander geteilt, miteinander gelacht und gebetet, gemeinsam ehrenamtlich die Blaukreuz-Gruppe geleitet. Nach 38 Jahren Ehe stirbt der Ehemann von Monika (Name von der Redaktion geändert) unerwartet. Mit Gottes Trost und durch Freunde aus der Blaukreuz-Gruppe schöpft Monika neue Hoffnung für die Zukunft. Nach wie vor hat sie die Kraft, sich ehrenamtlich im Blauen Kreuz zu engagieren.

Aber natürlich fehlt mir mein Mann. Manchmal denke ich, die Tür müsste gleich aufgehen und er kommt rein“, sagt Monika. Zu Hause und in der Blaukreuz-Gruppe hat das Ehepaar alles gemeinsam gemacht, sie haben sich abgesprochen und sich aufeinander verlassen. „Wir haben zu zweit gedacht. Ich komme mir vor, als wäre ich halbiert.“

In bestimmten Momenten trifft sie der Gedanke an den Tod ihres Mannes besonders schmerzlich. Zum Beispiel als sie selbst seinen Namen aus der Kontaktliste der Blaukreuz-Gruppe streichen musste. Oder als vor einiger Zeit auf einer Blaukreuz-Konferenz drei gute Freunde ihres Mannes nebeneinander saßen und ein Stuhl zwischen ihnen leer blieb. „Dieser Anblick, dieser freie Platz hat mich unendlich traurig gemacht.“

Bis zum Schluss gehofft

Auch nach fast einem Jahr ist der Tod ihres Mannes für Monika noch keine Normalität. Es gibt immer wieder Situationen, in denen sie plötzlich mit den Gedanken an seinen Tod konfrontiert wird und sie die Traurigkeit überkommt.

Der Tod ihres Mannes kam unerwartet. Es waren Spätfolgen seiner früheren Sucht. Er hatte viele Gelenkschmerzen im Knie, auch war er immer wieder stark erkältet. Der Hausarzt hat ihn ins Krankenhaus einliefern lassen, weil seine Blutwerte sehr schlecht waren. „Wir haben beide verdrängt, dass er sterben könnte. Bis zum Schluss hat mein Herz gehofft, dass es besser wird“, erinnert sie sich.

Kurz bevor er starb, haben sie im Krankenhaus die Losung aus der Bibel miteinander gelesen. „Er war bei klarem Verstand, seine Stimme und sein Händedruck waren kräftig. Wir haben uns voneinander verabschiedet – wie an jedem Tag. Dann haben seine Organe versagt und er ist eingeschlafen.“

Monika hat sich nicht auf den eventuellen Tod ihres Mannes vorbereitet. Auch in der Blaukreuz-Gruppe wurden keine Vorkehrungen getroffen für den Fall der Fälle. „Alle aus unserer Gruppe hat es sehr schwer getroffen, viele haben einen sehr guten Freund verloren. Er war der Ruhepol in der Gruppe.“

Menschen machen Mut

Die Gespräche mit ihren Kindern, mit Freunden vom Blauen Kreuz und mit einer anderen Witwe helfen ihr. „Ich bin nicht jemand, der sich zu Hause vergräbt. Es tut mir gut zu wissen, dass ich nicht allein bin. Viele Menschen machen mir Mut. Und Gott hat einen Plan, er weiß einen Weg für mich und wird mir zeigen, was er vorhat“, ist Monika zuversichtlich.

Bei der Blaukreuz-Arbeit erfährt sie viel Unterstützung. Viele freiwillige Helfer übernehmen bereitwillig Aufgaben. „Zum Beispiel hat mein Mann die Patienten nach der Entgiftung im Krankenhaus besucht und die Blaukreuz-Gruppe vorgestellt. Für diesen Besuchsdienst haben sich sofort ehrenamtliche Helfer gefunden, wir mussten nicht lange bitten und suchen.“

Erfahrungen weitergeben

Doch manchmal wird es Monika auch zu viel. Sie möchte nicht, dass Aufgaben allein an ihr hängen. Also gibt sie an verschiedenen Stellen Verantwortungen ab.

Trotz allem will sie sich weiterhin für das Blaue Kreuz einsetzen: „Mein Mann und ich haben die Grundausbildung zur ehrenamtlichen Mitarbeit in der Suchtkrankenhilfe absolviert und schließlich zehn Jahre lang die Begegnungsgruppe gemeinsam geleitet. Diese Jahre haben nicht nur meinen Mann verändert, sondern sie waren auch sehr bereichernd für mich. Ich habe viel gelernt und neue Blickwinkel bekommen. Das Blaue Kreuz hat mich geprägt. Also will ich auch weiterhin von meinen Erfahrungen weitergeben und andere Menschen begleiten. Außerdem bekomme ich dabei unheimlich viel zurück.“

Kerstin Rudolph

Fragen zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe „Mit dem Sterben konfrontiert“:

  1. Gibt es in Ihrem Umfeld Menschen, die gerade mit einer lebensbedrohlichen Krankheit oder sogar mit dem Tod eines Angehörigen konfrontiert sind?
  2. Ein tröstendes Gespräch, ein gemeinsames Gebet oder ganz praktische Hilfe bei den alltäglichen Aufgaben – was könnte der- oder diejenige in der jetzigen Situation wohl gut gebrauchen?
  3. Jesu Sterben und seine Auferstehung zeigen, dass der Tod nicht das Ende ist. Welche Hoffnungen und Bilder entstehen in Ihrer Fantasie, wenn Sie sich das Leben in der Ewigkeit vorstellen?



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