sollen über die Gefahren der Sucht und über die Arbeit des Blauen Kreuzes informieren. Dazu verlegen wir die Zeitschrift „Blaues Kreuz“, Freundesbriefe und verschiedene Infobroschüren zum Thema Sucht.
Ganze Neubausiedlungen erblühen aus dem Wunsch heraus, mithalten zu wollen oder sich hervorzutun. Die Größe des Autos, der Besitz eines Wohnmobils, die Designerkrawatte – ja selbst der Sitzplatz in der Oper sind gern herangezogene Vergleichskriterien in der Erwachsenenwelt. Seinen Anfang nimmt dieses Denken jedoch schon in Kindertagen. Das kleine Mädchen im Buggy muss den gleichen Luftballon, vielleicht noch in derselben Farbe wie das ältere Geschwisterchen haben. Da gibt es nichts, was einen Vergleich nicht wert wäre: Eiskugeln werden abgezählt, Einkäufe überwacht, Taschengeld kontrolliert.
Ich erinnere mich an eine junge Frau, die fast wöchentlich in die Großstadt fuhr, um sich neu einzukleiden. Kaufen war für sie zur Sucht geworden, um schlimme familiäre Not abzureagieren. Kaufsucht tarnt sich mitunter intellektuell und vernünftig: Einer kann nicht am Bücherladen vorbeigehen, ein anderer investiert gewaltige Summen in Sport und Fitness. Das Verlangen, etwas haben zu müssen, entlädt sich nicht nur auf den Prachtstraßen unserer Städte, sondern auch auf Flohmärkten oder beim Sperrmüll. An unserem Haus geht regelmäßig ein Mann vorbei, der sich an unserer Mülltonne zu schaffen macht. Er hebt auf und nimmt mit, was für ihn vermeintlich brauchbar ist.
Warum häuft man sich Sachen auf, die man nicht wirklich braucht? Was will man damit erreichen? Angesichts der schrecklichen Bilder von Flüchtlingselend und Vertreibung lohnt sich die Frage: „Was bliebe in meinem Leben, wenn ich morgen alles verlöre?“ Wie recht hat die Bibel doch, wenn sie aussagt, dass ein Mensch nicht von der Fülle seiner Güter lebt! Es ist ein weiser Rat darüber nachzudenken, was dem Zerfall unterworfen ist und was bleibt. Selbstwert vom materiellen Besitz abhängig zu machen, ist trügerisch.
Falscher Ehrgeiz ist jedoch nicht auf diese Dinge beschränkt. Wir beneiden uns gegenseitig um eine gute Rhetorik, um musische Gaben, um sportliche Gewandtheit. Ich erinnere mich an den Leiter einer theologischen Ausbildungsstätte, der uns unermüdlich davor warnte, uns von dem Virus der Beschäftigung mit den Vorzügen anderer lähmen zu lassen. Wie leicht wird daraus eine Anklage gegen Gott, der uns aus gutem Grund unterschiedlich ausgestattet hat: Nur so können wir einander ergänzen.
Unzufriedenheit mit der jeweiligen Lebenssituation und gesunde Selbstkritik müssen durchaus nichts Schlechtes sein, wenn sie uns dahin bringen, Dinge zu verändern. Sich ohne Lebensziele treiben zu lassen, ist genauso falsch wie ständiges Vergleichen. Und eine neue Garderobe hat bestimmt schon manchem den Arbeitsplatz oder die Ehe gerettet.
Wenn uns allerdings nur Gier und Wettbewerb vorwärts treiben, können wir schnell zum Opfer der eigenen Dynamik werden. Dankbarkeit und Anteilnahme am Schicksal anderer tut der Freude an den schönen Dingen in unserem Leben keinen Abbruch. Gott hat uns ausdrücklich alles zum Guten geschenkt, wenn wir mit dem, was wir besitzen, verantwortlich umgehen.
Wer um die Vergänglichkeit von Reichtum, Schönheit und Anerkennung weiß, wird nicht daran zerbrechen, wenn sie heute oder morgen wegfallen. Oft zwingt uns erst eine Grenzerfahrung zum Umdenken und dazu, neue Wertmaßstäbe zu setzen. Genießen wir daher an jedem Tag, was Gott uns geschenkt hat: Das Zusammensein mit unserer Familie, den Wechsel der Jahreszeiten und vieles mehr. Wir werden entdecken, dass Zufriedenheit ein Luxus ist, der sich sehr gewinnbringend auf unser ganzes Leben auswirkt.
Die meisten werden diese Touristikwerbung kennen. Es ist herrlich, Eindrücke in fremden Ländern zu sammeln. Dennoch kommen viele Menschen unzufriedener nach Hause als sie weggefahren sind. In jungen Jahren habe ich sehr stark von Auslandseinsätzen profitiert, in denen es galt, junge Gemeinden zu unterstützen. Das Leben fand dort unter sehr einfachen Bedingungen statt. Diese Erfahrungen waren später von unschätzbarem Wert. Jugendlichen geht heute viel verloren, wenn nur noch teure Abenteuerreisen zählen.
Geben ist grundsätzlich seliger als nehmen. Wenn unser Leben von dem Gedanken durchdrungen ist, dass Materielles nur Mittel zum Zweck ist und uns zum verantwortungsvollen Umgang verpflichtet, ist das eine stille Abgrenzung gegen die verzehrende Krankheit Gier.
Wem kann ich durch mein Leben – nicht unbedingt nur durch mein Geld, sondern auch durch meine Zuwendung – eine Perspektive geben? Diese Frage kann unserem Leben eine neue Ausrichtung schenken. Nichts ist langweiliger, als sich ständig mit unserer Kleidung, unserem Einkaufszettel, unserem Wagen und unserer nächsten Reise zu beschäftigen. Gönnen wir ihn uns doch einfach: Den Luxus der Zufriedenheit.
Hildegard Beimdieke
Aus: Die Christus-Post, Abdruck mit freundlicher Genehmigung