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Leseprobe füreinander September/Oktober 2017

Angesehen sein

Wie ein Erlebnis im Klettergarten Andrea Schmidt eine neue Sichtweise bescherte

Ich beschäftige mich gerne mit Wörtern. Klar, muss ich ja auch – aber ich meine so Wörter, die wir so sagen und gar nicht mehr darüber nachdenken, was sie eigentlich mal bedeutet haben. „Angesehensein“ z. B. Angesehen werden hat für mich eine große Bedeutung. Nicht das, was jetzt ist: Ich rede und alle starren mich an – oder auch nicht. Sondern das Ansehen, wenn sich zwei begegnen und wirklich wahrnehmen. Jemandem in die Augen sehen und wirkliches Interesse finden.

Als Teenie habe ich mir manchmal eingebildet, mich sieht jemand an. Also in einem Konzert, vor der Bühne und der Bassgitarrist hat mich bemerkt. WHAM! Er schaut mich direkt an! Und ich war selig.

Kann bei dem Licht gar nicht sein, aber das wusste ich damals nicht …

„Gott wende dir sein Angesicht zu. Er hat dein Leid gesehen und deine Stimme gehört. Er heile und tröste dich und gebe dir Frieden, das Wohl des Leibes und das Wohl der Seele und er lasse diesen Frieden in deinem Körper sein und in jedem Teil deines Lebens.“ Jörg Zink

Vor einiger Zeit bin ich von der Arbeit nach Hause gefahren, stand an einer Ampel und sah direkt in eine Bushaltestelle hinein. Da saß ein ca. 10-jähriger dunkelhäutiger Junge und starrte so gedankenverloren vor sich hin. Und ich starrte ihn an, weil ich ihn so nett fand. Dann schaute er mich direkt an und nach einem kurzen Moment der Irritation musste ich grinsen. Und da schenkte er mir ein so strahlendes Lächeln, dass ich die ganze Rückfahrt vergnügt war. Gesehen werden, angesehen werden.

Früher hat man oft gesagt: Das ist ein angesehener Mensch und meinte damit: bekannt, erfolgreich, beliebt, respektiert, anerkannt, angesehen eben. Jemand, der das Wohlwollen anderer Menschen besitzt. Wie wird man ein angesehener Mensch? Braucht es vielleicht vorher Menschen, die ihn angesehen haben, als er noch nicht erfolgreich war? Menschen, die ihn von Kindheit an wahrgenommen, gesehen und ernst genommen haben? Menschen, die in ihm schon ganz viel Potenzial gesehen haben, als er selbst noch auf der Suche war nach seiner eigenen Identität? Und haben ihn diese Menschen vielleicht gefordert und gefördert, damit er seinen Weg gehen konnte?

Gott wende dir sein Angesicht zu

In einem christlichen Segen heißt es: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“ Es gibt viele Bibelstellen, aus denen hervorgeht, dass Gott uns sieht – ja, dass er uns schon im Blick hatte, als wir selbst noch nicht mal geboren waren, dass er auf uns schaut, dass wir ihm nicht egal sind.

Ob wir uns darüber freuen oder es uns Angst macht, dass hängt natürlich von unserem Gottesbild ab und davon, wie wir ihn vermittelt bekommen haben. Vielleicht als verlängerter Arm der Erziehungsgewalt unserer Eltern: „Pass auf kleines Auge, was du siehst, pass auf, was du hörst. Kleines Ich, wird nicht groß. Denn der Vater in dem Himmel schaut herab auf dich – drum pass auf!“

Im Text von Jörg Zink geht es um ein anderes angesehen werden. Ich habe mal eine wunderschöne Definition von „Beten“ gehört: „Beten heißt, sich ansehen lassen von den gütigen Augen Gottes!“ Gott sieht uns an. Können wir glauben, dass Gottes Augen liebevoll und gütig auf uns ruhen? Dass er sich uns zuwendet, heilend, tröstend, voll konzentriert, voll da – mit dem Ziel, Frieden, Ruhe und seinen Segen in unser Leben zu bringen?

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Die "füreinander" ist das Impulsblatt des Blauen Kreuzes und erscheint alle zwei Monate mit einer Auflage von 7.200 Exemplaren.