Angebote in Ihrer
Umgebung

Selbsthilfegruppen
Beratungsstellen
Einrichtungen
spezielle Angebote
Briefmarken die uns helfen!

Neues Suchtmittel der Kinder und Jugendlichen: Virtuelle Welt der Computerspiele

vom 22.02.12, 09:51 Uhr

Pressemitteilung des Blauen Kreuzes in Deutschland vom 22. Februar 2012

Wuppertal. Die aktuellen Zahlen der neusten Studienergebnisse der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum Alkohol-, Tabak- und Cannabiskonsum Jugendlicher und junger Erwachsener, die in der gemeinsamen Pressemitteilung der BZgA und der Drogenbeauftragten der Bundesregierung vom 10.2.2012 (http://www.drogenbeauftragte.de/presse/pressemitteilungen/2012-01/pm-drogenaffinitaet.html) veröffentlicht wurden, wirken auf den ersten Blick erfreulich. Erfreulich ist, dass der Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis in der Gruppe der Jugendlichen im Alter von 12-17 Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist. Bei den älteren Konsumenten hat sich dagegen nur unwesentlich etwas am Konsumverhalten verändert.

Für die Suchthilfe bedeutet dies erst einmal nicht weniger Arbeit. Ganz im Gegenteil! Das Kriminologische Institut Niedersachsen veröffentlichte 2007 eine Studie mit dem Thema „Die PISA-Verlierer – Opfer ihres Medienkonsums“. Deutlich wurde der Zusammenhang zwischen Medienkonsum und „PISA“ dargestellt. Die aktuelle KIM-Studie beschreibt, dass das am häufigsten anzutreffende Medium im Kinderzimmer der 6- bis 13-jährigen Studienteilnehmer die Spielekonsole, dicht gefolgt von Handy und Fernseher ist. PCs dagegen sind eher selten vertreten, wobei die Tendenz hierzu sogar leicht abnimmt (Vgl. http://www.mpfs.de/fileadmin/KIM-pdf10/KIM2010.pdf).

Zahlreiche Untersuchungen und Berichte aus der Jugend- und Suchthilfe zeigen: Das Suchtmittel der heutigen Kinder und Jugendlichen ist die virtuelle Welt der Computerspiele. Laut PINTA-Studie sind in der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen 2,4 Prozent mediensüchtig und 13,6 Prozent zeigen einen problematischen Medienkonsum (Vgl. drogenbeauftragte.de/presse/pressemitteilungen/2011-03/pinta-studie.html). Um Hilfsmöglichkeiten zu organisieren hat sich in der Stadt Wuppertal aktuell eine Arbeitsgruppe konstituiert. Fachleute aus der Jugend- und Suchthilfe wollen ihre Erfahrungen zusammentragen und gemeinsame Strategien entwickeln.

War vor Jahren noch der Alkohol für Kinder und Jugendliche der Einstieg in eine Scheinwelt aus Protest, Entspannung und Abenteuer, sind es heute die vielfältigen Medienangebote, die eine Flucht aus der realen Welt ermöglichen. Nicht die Drogen- und Alkoholprävention haben aus meiner Sicht zu einem Rückgang des Konsums geführt, sondern der Reiz der neuen Medien. Jugendliche finden in der (Spiele-) Computerwelt Orte, zu denen ihre Eltern und Lehrer keinen Zugang haben.

Jugend- und Suchthilfeträger werden sich in den nächsten Jahren darauf einstellen müssen, dass viele Jugendliche aus dem gesellschaftlichen Leben entflohen sind. Vereinsamte Computerspieler fallen im gesellschaftlichen Alltag nicht auf.

Prof. Dr. Peter Olm,
Blaukreuz-Beratungsstelle Wuppertal