(K) Ein Ziel vor Augen
Das Blaue Kreuz in Wattenscheid feiert seinen 114. Geburtstag
Unter dem Motto „(K)Ein Ziel vor Augen“ feierte das Blaue Kreuz in Wattenscheid sein 114. Jahresfest im Ludwig-Steil-Haus, wo es seit über 50 Jahre mit ihrer Arbeit in der Sucht-Selbsthilfe, ihren Gruppen und Kreisen zuhause ist.
Der Ortsvorsitzende Matthias Vollgrebe unterstrich in seiner Begrüßungsrede die Wichtigkeit der Blaukreuzarbeit, Menschen, die in ihrer Alkoholsucht ihre Lebensziele aus den Augen verloren haben, nicht aufzugeben. Das Blaue Kreuz in Wattenscheid versucht seit ihrer Gründung 1895 mit suchtkranken Menschen nach lohnenden Zielen ohne das Suchtmittel Alkohol zu suchen und bietet mit ihren Gruppen und Veranstaltungen einen alkoholfreien Begegnungsraum für Menschen mit und ohne Suchtgeschichte.
Der Einladung folgten ca. 170 Besucherinnen und Besucher, darunter Vereinsvertreter der benachbarten Ruhrstädte und Ulrike Wortmann, Leiterin des Kontakt- und Beratungszentrums der Suchtkrankenhilfe „Pavillon“ der Diakonie Ruhr. Für musikalische Höhepunkte sorgte an diesem Nachmittag der Wattenscheider Vereinschor unter der Leitung von Kirchenmusiker Torsten Heine.
Als Gastredner konnte der Blaukreuz-Bundesjugendreferent gewonnen werden. Einem breiten Fernsehpublikum ist er bekannt geworden, als ein RTL-Team im Sommer 2008 Dirk Höllerhage und zwei drogenabhängige Jugendliche zwei Wochen lang nach Spanien auf eine Jugendfreizeit begleitet hatten. In den letzten 5 Jahren seiner Präventionsarbeit in vorwiegend Schulen ist er mit über 8000 Schülerinnen und Schülern über Suchterfahrungen, über "Komasaufen" und "Flatrate-Partys" ins Gespräch gekommen.
Höllerhage warb in seiner Festansprache für den mutigen Schritt, ein Ziel im Leben zu formulieren, jenes Ziel nicht nur theoretisch in seinen Vorstellungen zu pflegen, sondern auf dieses tatsächlich und beherzt zuzugehen. Er verglich diesen Schritt eindrucksvoll mit dem Absprung des Paragleiters, der mutig auf den Abhang zulaufen und trotz Angst abspringen muss, um tatsächlich zu fliegen. Wer vor dem Absprung anhält und stehen bleibt, wird die Erfahrung dieser mächtigen Kraft des Windes nicht machen, die den Fallschirmspringer wie von unsichtbarer Hand nach oben zieht. Wer sich in seinem Leben an dieser Stelle des Abgrunds an Jesus Christus hält, wird die Erfahrung machen, dass er gehalten ist. Gerade alkoholkranke Menschen haben im Blauen Kreuz Halt im christlichen Glauben gefunden und den Absprung von ihrer Suchterkrankung geschafft. Dieser Sprung bedeutet, sich selbst loszulassen, zu kapitulieren, sein Versteckspiel aufzugeben, aufzuhören mit dem Selbstbetrug, es alleine schaffen zu können. An diese Stelle tritt das zaghafte Vertrauen in Gott und in Menschen, die einem helfen wollen.
Von dieser Erfahrung berichtete die 50 Teilnehmer starke Begegnungsgruppe in ihrem Beitrag. Die Selbsthilfegruppe ist für viele suchtkranke Menschen in Wattenscheid und Bochum zu einem wichtigen Anker in ihrem Leben geworden, in der sie über ihre Probleme, Alltagssituationen, aber auch über Sinn- und Glaubensfragen offen sprechen können.
Manfred Langheit stellte die Sportarbeit im Wattenscheider Verein am Beispiel der erfolgreichen Tischtennismannschaften vor, die in der CVJM-Bezirksliga und in der CVJM-Bezirksklasse jeweils auf den ersten Plätzen rangieren. Zwei Mannschaftsspieler erzählten von ihren sehr unterschiedlichen Zugängen zur Tischtennismannschaft. Darunter der Bochumer Schulrektor Ulrich Wiezoreck von der Matthias-Claudius-Schule, der im Tischtennis einen Ausgleich zum Berufsalltag, aber auch eine ihm wichtig geworden christliche Sportgemeinschaft seit 20 Jahren gefunden hat. Sein Mitspieler, Jürgen Rose, ist selbst Betroffener und von Beruf Programmierer. Der Sport im Blauen Kreuz wurde ihm eine wichtige Hilfe auf seinem Weg aus der Sucht und ins Leben, zurück in den Beruf und in die Familie.
Abgerundet wurde der Nachmittag mit einem breit sortierten Büchertisch und dem mittlerweile traditionellen Basar mit zum Teil von den Vereinsmitgliedern handgefertigten und gewerkten Unikarten aus Stoffen und Holz.
Burghad Boyke










