Begegnungsgruppe Darmstadt-Mitte  

 

 

Erfahrungen von Gruppenmitgliedern

 
 

     

Bericht eines Gruppenmitgliedes aus dem Rhein-Main-Gebiet

Was ich mitgenommen habe

In meine Alkoholabhängigkeit geriet ich nach und nach ohne mir bewusst zu sein, was mit mir passierte. Zuerst trank ich Alkohol wie alle anderen auch, in Gesellschaft, bei besonderen Angelegenheiten, an Wochenenden, dann zunehmend gewohnheitsgemäß. Auch Schwierigkeiten und unangenehme Situationen ließen sich mit Alkohol scheinbar besser bewältigen. Bald war ich der Meinung meine Probleme nicht mehr ohne Alkohol aushalten zu können, ein Leben ohne Alkohol konnte ich mir nicht mehr vorstellen. Später verlor ich auch meine Arbeit, zum Schluss lebte ich mit meiner Familie von Harz IV. Eines Morgens, als ich mich bereits um 07.00 Uhr mit einem Bier und einem Flachmann eindeckte, merkte ich, dass der Punkt erreicht ist, so nicht weitermachen zu können. Ich ging zu meiner Frau und habe mich ihr mitgeteilt. Sie veranlasste mich, mit ihr zum Hausarzt zu gehen. Dieser fiel aus allen Wolken, weil er mich kannte, eine Alkoholkrankheit aber nicht vermutet hat. Neben den ärztlichen Untersuchungen und Blutproben, die erhöhte Leberwerte auswiesen, machte er zwei folgenschwere Feststellungen. Er sagte zu mir: „Trinken Sie nichts mehr!“ und „Suchen Sie sich eine Selbsthilfegruppe, die können Ihnen besser helfen!“

So rief ich verunsichert eine Selbsthilfegruppe an und erzählte meine Story. Als ich zu hören bekam, wir verstehen Dich, Du bist nicht alleine mit diesem Problem, fühlte ich eine Erleichterung, hatte ich doch bis dahin gemeint, alleine mit meinem Alkoholproblem dazustehen. In der nächsten Zeit suchte ich das Gespräch mit der Selbsthilfegruppe und konnte auch mit ihrer Hilfe schnell einen Entzug beginnen. Denn, durch das abrupte Absetzen des Alkoholkonsums erlebte ich regelrecht einen kalten Entzug. Ich konnte nicht mehr schlafen und war ständig aufgedreht. In der Entzugsklinik konnte ich endlich wieder durchschlafen und fand damit auch zur Ruhe.

Im Anschluss führte mein Weg nach Haus Burgwald zur Entwöhnungsbehandlung. Wenn mir die Frage gestellt wird, was besonders wichtig für mich war, was ich denn mitgenommen habe, dann an erster Stelle ganz bestimmt die Einzelgespräche mit meinem Bezugstherapeuten, Herrn Losch. Die Zeit in Haus Burgwald gab mir die Möglichkeit in mich hinein zu schauen und auch zu beobachten, wie das Leben ohne Alkohol funktioniert. Jetzt im nüchternen Zustand kamen viele Fragen in mir hoch, die meine Vergangenheit, mein Verhalten und meine Krankheit betreffen. Unangenehme Situationen und Empfindungen entstanden, die ich während der Therapie lernte, zu ertragen und durchzuhalten. Die wöchentlichen Einzelgespräche haben mir dabei sehr geholfen. Dort erhielt ich auch wichtige Anregungen, um mir einen strukturierten Tagesablauf anzueignen. Mit meiner Suchtkrankheit verbunden hatte ich keine aktive Freizeitgestaltung mehr gehabt. Es fehlte mir an Konzentration und Kraft. Die Tage verbrachte ich eher passiv mit Fernsehen oder Ablenkungen. In der Therapie begann ich das erste Mal nach langer Zeit wieder Bücher zu lesen, das war für mich ein wichtiger Baustein für meine Gesundung. Daneben habe ich viel über meine Krankheit durch die Erzählungen und Lebensgeschichten der Mitpatienten und dem Austausch mit ihnen in der Bezugsgruppe erfahren.

Nach meiner Therapiezeit in Haus Burgwald habe ich eine Selbsthilfegruppe aufgesucht, in der ich jetzt aktiv mitarbeite. Haus Burgwald besuchte ich dann wieder als Teilnehmer der Suchtkrankenhelferausbildung, seit einigen Monaten auch als Gruppenvertreter um meine Selbsthilfegruppe vorzustellen. Beruflich habe ich über einen 1 Euro Job wieder einen Beginn ins Arbeitsleben geschafft. Die Arbeit hat mir auch bei der Tagesstrukturierung geholfen. Von dort habe ich einen Zweijahresvertrag erhalten, der allerdings im Sommer ausläuft. Wie es weitergeht weiß ich noch nicht, aber ich bin zuversichtlich, dass es weitergeht und bin dankbar für die erfahrene Hilfe.

Den wichtigsten Baustein neben der Therapie möchte ich nicht unerwähnt lassen: Meine Familie, insbesondere meine Frau, die mich in jeder Phase meiner Alkoholsucht und deren Überwindung, liebe- und verständnisvoll unterstützt und uneingeschränkt zu mir gestanden hat.

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Letzte Aktualisierung: 15/01/2014