BK-Logo    
 Begegnungsgruppen in Dresden 
 

Geschichte der Blaukreuzvereine in Deutschland 

Arnold Bovet, ein Schweizer Prediger der Freien Evangelischen Gemeinde in Bern, gründete am 5. Oktober 1885 in Hagen den ersten Blaukreuz-Verein in Deutschland. Am 6. Oktober 1887 trat der preußische Offizier Curt von Knobelsdorff bei, der selbst zuvor Probleme mit Alkohol gehabt hatte und nun ein begeisterter Agitator dieser Bewegung wurde. In den Folgejahren erlebte das Blaue Kreuz einen erheblichen Aufschwung. in vielen Gemeinden und Städten gründeten sich Blaue-Kreuz Gruppen.

In der DDR war das Blaue Kreuz als Verein verboten. Darum wurde am 1. Januar 1960 die „Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Abwehr der Suchtgefahren (AGAS)“ unter dem Dach der Inneren Mission gegründet. Nach dem Fall der Mauer schlossen sich das Blaue Kreuz und die AGAS 1991 zusammen.

Das Blaue Kreuz heute ist Mitglied des Diakonischen Werkes, der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste der EKD, des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und gehört dem Internationalen Blauen Kreuz (International Federation of the Blue Cross – IFBC) an. 

Zum Blauen Kreuz in Sachsen gehören u. a. ca. 92 Begegnungsgruppen, drei Jugendcafes, eine Sucht- und Behandlungsstelle sowie ein Heim für alkoholkranke Frauen. Umfassende Hilfe in besonderen und akuten Situationen des Suchtkranken im Alltag sind eine wichtige Grundlage des diakonischen Auftrages vom Blauen Kreuz in Deutschland.

 

Die Geschichte der Suchtkrankenarbeit in Dresden und Sachsen  

23.11.1874  Gründung „Dresdner Stadtverein für Innere Mission“

Im Jahre 1874 wurde der "Dresdner Stadtverein für Innere Mission" mit dem Zweck gegründet, innerhalb Dresdens der Entfremdung der Menschen vom christlichen Glauben und der Kirche zu begegnen. Den vielen Menschen in der schnell wachsenden Großstadt, die an Leib und Seele Not litten, sollte sowohl tatkräftig geholfen als auch die Botschaft des Evangeliums von Jesus Christus weiter gegeben werden.

Seit 1885    gab es ein Landesverband Sachsen des Deutschen Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getränke Mäßigkeits- und Enthaltsamkeitsvereine als Nachfolge des Landesverbandes Sachsen des Deutschen Vereins gegen den Alkoholismus“ 

05.02.1900    Gründung des Blaukreuzvereins in Dresden durch Stadtmissionar August Wujanz

Martin Wujanz (1893-1978, selbst Blau-Kreuz-Mitarbeiter) über seinen Vater und dessen Arbeit (3.4.1970):     „Unter Hinzuziehung einiger gläubiger Brüder ... wurde am 5. Februar 1900 der Blaukreuzverein Dresden gegründet. Mein Vater wendete sich fortan zielbewusst denen in unserem Volke zu, die von der Masse verächtlich beiseite gestoßen werden und opferte ihnen wohl seine meiste Zeit.  

31.10.1903 Gründung Landesverband Sachsen d. Blauen Kreuzes Halbjährlich haben sich die Mitarbeiter aus Sachsen getroffen und über die Arbeit beraten. Wir haben noch alte Protokolle davon. Unter anderem wurden Flugblätter für die Kinderprävention gedruckt unter dem Motto: „Vorbeugen ist besser als heilen.“ Es wurde die Zusammenarbeit mit anderen Abstinenzvereinen besprochen und eine Plakataktion auf 65 Bahnhöfen der königlichen sächsischen Eisenbahn (13.11.1904).

1915            wurde die Trunksucht im Sinne der Reichsversicherungsordnung als Krankheit anerkannt, wobei die Behandlung selten durch Ärzte erfolgt, sondern „die eigentlich heilsame Beeinflussung durch Geistliche Hausväter, Angestellte kirchlicher Organisationen stattfindet“ (Fränkel, 1931, S. 1519)

ab 1922         wurde die „Sächsische Landeshauptstelle gegen den Alkoholismus“  (vergleichbar mit der heutigen SLS) gegründet und gilt als Nachfolger des Landesverbandes Sachsen des Deutschen Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getränke Mäßigkeits- und Enthaltsamkeitsvereine. Es gab Beratungsstellen („Trinkerfürsorgestellen“) und in Moritzburg gab es  eine Trinkerheilstätte betrieben von der Brüderanstalt Moritzburg mit Namen „Seefrieden“ (belegt von der Landesversicherungsanstalt).  

1933 -1945 In der Zeit des Nationalsozialismus gingen die bisherigen Errungenschaften im Kampf gegen den Alkoholismus                        verloren. Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ (1933) sah den schweren Alkoholismus als Indikationsbereich für die Sterilisierung vor. Viele wurden sterilisiert, interniert oder sogar getötet. Behandlung wurde nicht mehr finanziert.

Erst 1968 sollte Alkoholismus wieder offiziell als Krankheit anerkannt werden.

1941                hatte der Landesverband Sachsen des Blauen Kreuzes 1288Mitglieder, allerdings fehlte das Geld für Schriftenmaterial. 1942 und 1943 fiel die Trinitatis Tagung aus, weil der Reichskriegsminister kurz vorher anordnete, mit Rücksicht auf die Bahn von Tagungen und Kongressen abzusehen, 1944 fand sie wieder statt.

 

1945 wurde die Blaukreuz-Arbeit in Ostdeutschland verboten. Der Inneren Mission (heute Stadtmission Dresden e.V.) aber                         wurde die Trinkerrettungsarbeit von der zuständigen Regierungsstelle ausdrücklich gestattet.  

Am 01.01.1951 wurde Dr. Siegfried Stark (1906-1986) zum Stadtmissionar in Dresden für die Blinden- und Suchtarbeit berufen.  

1957                wurden auf Allianzgrundlage die Brüder und Schwestern, die imRaum der Ev.-Luth. Landeskirchen, der Landeskirchlichen Gemeinschaften und der Ev. Freikirchen praktische Trinkerrettungsarbeit in der DDR treiben, zusammengeschlossen zu einer „EV. Arbeitsgemeinschaft zur Abwehr der Suchtgefahren“. (Aufgaben waren Aufklärungsarbeit, Schriftenerstellung, Koordinierung der Hilfsangebote mit staatlichen Stellen und aufgeschlossenen Ärzten.)  Da wir in der DDR keine christlichen Trinkerheilstätten haben, hat sich in den letzten Jahren allmählich die Praxis der Besinnungswochen für Trinker entwickelt, die sich sehr bewährt haben und deshalb immer mehr von den Hilfesuchenden in Anspruch genommen werden.

 1968 wurde In der BRD Alkoholismus erneut als Krankheit durch das Bundessozialgericht anerkannt                                                  (in der DDR bereits 1959 – aber ohne nennenswerte konkrete Folgen).

In der Bevölkerung und auch unter Medizinern wurde der Süchtige weiterhin als willensschwach, charakterlos, verlogen, unzuverlässig, kriminell, aggressiv und belastend angesehen – nicht als krank.  Bis in die siebziger Jahre bestand unter Fachleuten (auch im Westen) kaum Interesse an der Alkoholproblematik. Es erfolgte über lange Zeit kein Aufbau eines Behandlungssystems, dass der Größe der Problematik gerecht geworden wäre.

Erst seit 1991 gibt es die Möglichkeit einer ambulanten Rehabilitation und Prävention seit den 80ger Jahren.

Heute gibt es ein Netz von Beratungsstellen, Fachkliniken zur Entgiftung und Entwöhnungsbehandlung. Die Hilfesuchende haben diese Möglichkeiten, um ihre Missbrauchs- und Suchtproblematik erfolgreich zu lösen.                                                                                                 Dieses Netz von professioneller Behandlung auf psychischer und physischer Ebene wird unterstützt durch die Selbsthilfegruppen. Sie basieren auf der Verantwortung des Menschen für sich selbst und entsteht immer dort, wo Menschen versuchen, ihre Lebensprobleme zu meistern. Dieser Zusammenschluss von Menschen mit der gleichen Problematik ist der Selbsthilfe, der Eigenverantwortlichkeit und auch der gegenseitigen Hilfe verpflichtet.

Damit übernehmen die Selbsthilfegruppen die Aufgabe die Behandlung der Therapeuten und Ärzte für den Hilfesuchenden nachhaltiger zu gestalten.  

 

(Erstellt mit freundlicher Unterstützung der Mitarbeiter der Suchtberatungsstelle der Diakonie in Dresden)