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Neuigkeiten im Überblick

 

 

Freitag, 17.2.2012
20 Uhr

Herzliche Einladung zur

Mitgliederjahresversammlung
Freitag, 17. Februar 2012, 20 Uhr, in der Bodenseestraße 1.

Hier sind außer den Mitgliedern und Freunden des Blauen Kreuzes Memmingen auch Interessierte willkommen.

 

 

 

Jeden Dienstag
20 Uhr

Bodenseestr. 1
Am Lindauer Tor

... sowie weitere Veranstaltungen

 

Sie sind herzlich eingeladen

zu unseren Gruppen und Treffen.
Hier erfahren Sie Hilfe und Veränderung.
Wir informieren - unterstützen - begleiten Sie.

Hilfe ist möglich, - Gott sei Dank!
 

 

Eine heiter-besinnliche (Neujahrs-) Geschichte 

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Heertaah!

Der Vormittag war für mich gut gelaufen. Ich hatte mir sogar Zeit für eine Brotzeit gönnen können. Jetzt war es schon kurz nach ein Uhr und ich hatte wieder Appetit bekommen. „Ich geh zum Karstadt und ess‘ noch einen Happen“, entschloss ich mich, war ich doch ganz in der Nähe.

In der Gaststube war gleich ganz angetan von der angenehmen Atmosphäre. Die meisten Tische waren  besetzt. Viele Gäste saßen aber bereits zufrieden zurückgelehnt vor ihren leeren Tellern. Ich betrat die ‚Futterkrippe‘, so nannte ich den Selbstbedienungsteil, in welchem die Esswaren hinter blank geputzten Scheiben darauf warteten, ausgesucht zu werden. Nudeln und Kartoffeln dampften unter den Wärmelampen, die Soßen waren bereits abgedeckt.

Es waren vor mir nur zwei Gäste. Die schoben auf ihren zu groß wirkenden Tabletts kleine Gefäße mit Gulaschsuppe und einem Glas Cola vor sich her, Besteck und Servietten gab es erst an der Kasse. Jetzt fiel mir die Vitrine hinter den Teigwaren auf. Torte!! Sofort ging ich zwei Schritte darauf zu. ‚Ja, ich esse einfach ein schönes Stück Torte und trinke ein Haferl Kaffee dazu‘. Der Entschluss war in mir gefasst, so lecker sah die Torte aus. Nüsse waren auf einer rosafarbenen Glasur zu sehen, innen einige Cremeschichten auf lockerem Boden und das Ganze zeigte sich als prächtig und großzügig geschnittene Tortenstücke. Ich schaute zu meinen beiden Vorgängern. Sie trollten sich nur langsam zur Kasse. So setzte ich eine bedächtige Miene auf und zeigte mich in meiner Wahl noch unentschlossen. Gleichzeitig vergewisserte ich mich, dass nach mir noch kein anderer Gast an der Futterkrippe nachgekommen war. Ich wartete mit leicht gesenktem Kopf auf die Bedienung auf der anderen Seite der Krippe. Die hatte noch den Gulaschtopf abgedeckt, sah auf und fragte mit gelernter Freundlichkeit: “Was darf ’s bei ihnen sein?“

„Aach“, gab ich mich noch unentschlossen, ging wieder einen Schritt entlang der Glasvitrinen auf die Tortenstücke zu. Ich blickte  einen Moment in die wartenden Augen der Bedienung. „Öh“, ließ ich wieder Zeit und fragte möglichst gelangweilt: „Ja, da die Torte.“ Im gleichen Augenblick griff die Bedienung nach einem bereitstehenden Tortenheber um wie ein Roboter mir mein Stück Torte auf einen bereitstehenden Teller zu geben. Sie hatte einen eher unbeteiligten Gesichtsausdruck. Wahrscheinlich hat sie schon die übrige Torte an Kunden wie mich ausgegeben. Kunden wie mich? Das sicher nicht. Ein bisschen anders war ich wohl als die meisten Kunden vor mir. Mir wurde heiß. Wie kriegt das mein Körper hin, so schnell kleine Schweißperlen auf meine Stirn zu treiben? Hoffentlich bemerkte die Bedienung im grell grünen Kunststoffkittel nichts. Kurz bevor die Kuchenschaufel das Ziel erreichte fragte ich mit betont unauffälliger Stimme: „Ist da Alkohol in der Torte?“ Irgendwie fiel es mir immer noch schwer, dies zu fragen. Deshalb auch meine ausgeklügelte Strategie, erst Abstand zu anderen Kunden zu gewinnen. Mussten die doch nicht meine Frage mitkriegen. Aber die Verkäuferin wollte ich diskret befragen, wusste ich doch, dass Torten oft mit Alkohol getränkt sind oder dass auch in der Creme Alkohol oder Aromen sein könnten. Aber Alkohol wollte ich nicht. Vor mehr als 10 Jahren habe ich meinen letzten Alkohol getrunken. Seitdem bin ich trocken. ‚Trocken‘, auch wieder so ein Wort. Doch ich bin alkoholkrank und kann Alkohol nicht „normal“ konsumieren. ‚Normal‘, noch so ein Wort. Was hatte ich damals nicht alles ausprobiert um ‚normal‘ zu trinken, so wie die anderen eben auch. Doch bei mir hat es immer wieder in einer Katastrophe geendet. Ich kriegte es einfach nicht fertig, rechtzeitig mit dem Trinken aufzuhören. Alles war vor die Hunde gegangen: die Beziehung zu meiner Frau, meinen Kindern und Eltern. Meine Gesundheit war total angeschlagen, meinen Arbeitsplatz hatte ich oft wechseln müssen. Zum Schluss war auch der weg, wie mein Führerschein. Alles hin, nur wegen der scheiß Sauferei.

Ich hatte damals viele gute Vorsätze, es half aber alles nichts.
Meine Frau ging damals ins Blaue Kreuz. Sie lud mich immer wieder ein mitzukommen. „Ich kann es auch gut für den Führerschein gebrauchen“, sagte ich mir, und ging mal mit. Ich merkte bald, dass ich dort wie ein lieber Gast aufgenommen wurde. Ich erzählte meine Geschichten, anfangs immer sehr geschönt, doch ich durfte es. Ich hatte das Gefühl, hier interessieren sich die Menschen wirklich für mich und verurteilen mich nicht. Verurteilen, das kannte ich von vielen, vor allem von mir selbst.

„Was haben Sie gesagt?“, erst jetzt merkte ich, dass die Bedienung mit dem grünen Kittel wohl schon auf meine Antwort gewartet hatte. Sollte ich jetzt nochmals fragen? Doch ich hatte schon so oft Kuchen stehen lassen, weil ich zu spät merkte, dass Alkohol darinnen war. Und einen Rückfall, - nein, auf gar keinen Fall wollte ich den für ein Stück Torte riskieren. „Ist da“, so hörte ich mich mit verhaltener Stimme wieder fragen „Ist da Alkohol im Kuchen?“ Der Tortenheber senkte sich, ein Moment der ratlosen Stille glitt über das Gesicht der Bedienung mit dem grünen Kittel. Dann wurde ihre Gesichtsfarbe schlagartig rot. Ihr Mund formte sich zu einer Vuvuzela, wie man sie zur Fußballweltmeisterschaft hatte. Wie aus einem Kompressor tönte eine messerscharfe alles übertönende Stimme: „Hertaah!“ Ihre Augen suchten die Kassiererin, die gerade Kassenbonds sortierte. „Hertaah“, durchschlug wieder das Organ der grün bekittelten Frau die angeregte Ruhe im Restaurant, … nach einer wohlgesetzten Pause dann die Solostimme: „Is‘ in der Torte Alkohooohl?“

Alles stand still. Die Gäste im Restaurant hatten blitzartig ihre Unterhaltungen abgebrochen. Unzählige Augenpaare durchbohrten meinen Rücken um zu erforschen, wer wohl der ist, der Interesse an der Antwort haben könnte. Die Espressomaschine zischte nicht mehr. Ich fühlte, wie alle Scheinwerfer des Restaurants schlagartig auf mich gerichtet waren. Sie schienen heller als je zuvor. Angespannte Stille stand für unendliche Sekunden im Raum. Die Kassiererin hatte sich wieder auf ihren zu kleinen Stuhl hinter die Kasse gezwängt, alle Augen hingen an ihrem großen Mund, den ein leichter Lippenbart zierte. Was würde uns Herta verkünden? „Neiiin“, sang die Sirene ebenso laut wie deutlich, „da is kein Alkohol drin!!“ „Nein“, erwiderte die Verkäuferin, um auch jeden Zweifel auszuräumen.
Ich strahlte über den ganzen Körper, obwohl ich mich zugleich auch  für mein Geplänkel schämte. Ich kannte dieses beglückende Gefühl, nicht nur wegen der schönen Torte; nein, ich hatte wieder einmal eine dieser Situationen durchstanden, die mir früher so schwer fielen, naja, nicht nur früher. Ich hatte es wieder geschafft. Ich wuchs auf der Stelle um einige Zentimeter, jetzt oder nie, dachte ich drehte mich demonstrativ halbschräg zur Kassenfrau und irgendwie auch zu allen Restaurantbesuchern. So laut ich konnte rief ich: „Ja, dann geben sie mir ein Stück!“ Das war meine Botschaft, ja dann, eben wenn kein Alkohol drin ist. Ja, alle Gäste sollten es jetzt verstehen, ja, nur ohne Alkohol esse ich den Kuchen, weil ich leben will. Ich drehte mich nun vollends zu den übrigen Gästen. Ich wollte ihnen jetzt die Zusammenhänge erzählen, wie es mir früher mit Alkohol so furchtbar schlecht gegangen war, und wie ich jetzt seit über 10 Jahren ohne Alkohol glücklich und befreit leben kann. Meine Frau und ich lieben uns wieder, mit meinen Kindern ist wieder viel Vertrauen entstanden. Ich bin ein zuverlässiger Mitarbeiter in einer Firma und ich engagiere mich seit Jahren schon als Mitarbeiter im Blauen Kreuz. Nach meiner Ausbildung als Suchtkrankenhelfer kann ich nun auch anderen Menschen helfen, ganz auf Alkohol zu verzichten. Viele finden das kleinlich, mir bringt es das Leben. Ich wollte dies und noch viel mehr den Gästen erzählen. Auf meinem Weg zur Kasse merkte ich jedoch, dass nicht alle Gäste mich anschauten. Auch zischte die Espressomaschine wider, jemand hatte das Licht wieder auf „normal“ geschaltet. Hab ich mir das alles nur eingebildet? Herta kassierte freundlich wie immer. „Ein Kuchen … ohne Alkohol“, und lächelte sympathisch. Auf dem Weg zu meinem Tisch schauten wie zufällig einige Gäste auf. Ach, das ist der mit dem Kuchen ohne Alkohol. Aber ich spürte keine Verachtung sondern eher Anerkennung und Lob so nach dem Motto, der hat es geschafft.

Stolz und zufrieden setzte ich mich an einen Tisch und aß diese wunderbare Torte …ohne Alkohol.

Frei erzählt von Wilfried Bager
Dezember 2010

Ihre Meinungen zur Geschichte gern auch unter wilfried.bager@t-online.de

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Stand:  30. Januar 2012

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