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Was will ich eigentlich?

Referent: Heinz Klement
Anlass:     
92. Jahresfest des Blauen Kreuzes, Ortsverein Memmingen, 8. April 2000
Mitgeschrieben und ausgearbeitet: Ulrike v. Le Suire, April 2000

 

Was will ich eigentlich?  Das weiß eigentlich ein jeder nur von sich selber. Ich weiß sehr genau, was ich will, - vielleicht findest du dich da wieder? Ich will mehr Zeit für mich, aber ich will auch mitmischen, an Anderem beteiligt sein. Daraus entsteht ein Konflikt: Zwei Punkte, die sich reiben, die sich nicht vertragen. Ich muss lernen, mit diesem Konflikt zu leben. Oft geht es mir so: Ich sage ganz schnell JA; aber dann entdecke ich, dass es eng wird in meinem Terminkalender. Vielleicht hast du auch diesen Konflikt? Ich merke plötzlich, ich habe zu schnell zugesagt, das habe ich ja gar nicht gewollt! Oder geht es mir so: Ich habe Sehnsucht nach mehr Leben, ich sehne mich nach mehr Kontakten!  

> Oft wissen wir gar nicht recht, was wir eigentlich wollen. Die Frage bleibt offen: Wie will ich mein Leben gestalten, meinen Lebenswünschen näher kommen? Da hilft uns vielleicht die Bibel. Die Bibel ist kein Rezeptbuch, nein, sie ist das Liebesbuch Gottes an uns, sie will uns erlösen aus der Verlorenheit. Aber aus der Bibel können wir lernen, wie Jesus, der Gottes Verkörperung war, das Leben gelebt hat. Aus dem Neuen Testament können wir sehen: Da ist einer der uns hilft, Ideen zu entwickeln, uns zu ändern, der uns Kraft gibt, der uns hilft, angefangenes durchzuziehen zu beenden. ER gibt uns Kraft entsprechend diesen Beispielen zu leben. 

Ich lese dazu Johannes-Evangelium Kapitel 5, Verse1-9: Jesus heilt am Teich Bethesda. Da war einer 38 Jahre gefangen in Jammer, Elend, Hilflosigkeit, kaputtmachender Hoffnung. Dieser Mann lebte in einem Umfeld des Elends. Er fragte sich immer wieder: Wie komme ich da raus? Es gibt keine Selbsthilfekräfte, ich kann mich nicht aus eigener Kraft am Schopfe herausziehen. 

Jesus begann das Gespräch alles andere als teilnahmsvoll, tröstend oder mitleidig; es war eher eine Frechheit: Willst Du gesund werden? Aber wir sehen daraus: Jesus behandelt jeden Menschen individuell und als Persönlichkeit. ER ist der Herr über alle Krankheit und Gebrechlichkeit. Es wäre ihm ein Leichtes gewesen, auf einen Schlag zu sagen, alle, die hier rumliegen, sind geheilt. Nein, das hat er nicht gemacht. Er fragt: Willst Du gesund werden? Jesus verfügt nicht über die Menschen, nein, er will jedem Menschen persönlich die Chance geben. Was willst Du eigentlich? Ganz individuell spricht er den Menschen an. Die Krankheit kann ja auch etwas für sich haben. Der Mann war ja aus aller Selbstverantwortung herausgelöst: Er brauchte sich nicht um eine Wohnung kümmern, denn sein zu Hause war der Liegefleck am Teich. Er brauchte sich nicht um Nahrung zu kümmern, die wurde ihm gebracht. Er übernahm keine soziale Verantwortung, denn er konnte ja nichts tun, er war ja in seiner Krankheit gefesselt. 

Jesu Frage trifft in eine Problematik, die wir heute immer noch haben: Willst du deinen Konflikt ändern? Wollen wir überhaupt etwas ändern? Will unser kranker Nachbar was ändern? Ist es nicht sehr praktisch so? Hören wir zu: Wie war die Antwort auf Jesu Frage? War sie JA oder NEIN? Beides ist möglich. Der Mann sagt: HERR, ich habe keinen, der mir hilft! Eine wahnsinnige Enttäuschung bricht da heraus. Auf schwäbisch: Ich bin so 'ne arme Sau! Die Weit ist so schlecht, alle denken nur an sich.

Viele Enttäuschungen und Niederlagen musste dieser Mann einstecken, - 38 Jahre lang! Der Mann dreht sich im Kreise, er dreht sich nur noch um sich selber. Er ist entscheidungsunfähig, er kann nicht JA oder NEIN sagen! Er kann nur noch klagen, anklagen, bedauern. Er ist gefangen in sich selbst. Er hat eine totale Fixierung auf die Heilquelle. Nur noch sie sieht er, keinen anderen Weg mehr. Seine Erwartung war, dass er es einmal schaffen wird, in die Quelle zu steigen, er hat keine andere Möglichkeit im Kopf. Wie oft geht es uns so? Wenn ich doch das und das hätte, dann ja, dann wäre alles besser; aber es klappt einfach nicht. Auch wir sind oft fixiert auf nur einen Weg. Wir kommen nicht heraus aus unseren einseitigen Gedanken. Unsere Bedürfnisse werden nicht gestillt. Wir sehen keinen anderen Weg. Jesus erkennt diesen Menschen ganz genau. Er maßregelt ihn nicht. Er korrigiert ihn nicht. Er bemitleidet ihn nicht. ER gibt einfach eine neue Richtung an: Steh auf! Du kannst mehr, als du dir zutraust. Du hast die Chance, jetzt. Da sitzen und jammern nützt nichts mehr. Kräfte von Gott kommen in dein Leben, sie führen dich heraus aus Selbstmitleid und Bedauern. Dann kannst du mehr, als du dir bisher gedacht hast. Ich zweifle nicht an Jesu Wunderwirken, aber: Wunder heute dauern oft ein bisschen länger. Ich muss mich aufmachen, ich muss Beratung und Hilfe annehmen. Ich muss eine Therapie machen, ich muss aussteigen aus der Rolle der Co-Abhängigkeit. Ich muss sagen: "Das mache ich nicht länger mit!" Ich muss konsequent sein, meinen Weg gehen. Steh auf! Nimm das, was dich bisher so als Last gedrückt hat, lege es ab und geh deinen Weg, weil Jesus dir Kraft gibt. Ich möchte dir Mut machen, Jesus will dir Mut machen, er sagt es ganz persönlich. Gib du der Kraft Jesu Christi Raum in dir. Lös dich von deinem Tunnelblick. Wo du nur einen Weg siehst, sehe die Möglichkeiten, die Gott dir gibt. Im Kölschen Dialekt gibt es so einen Spruch, der das sehr schön beschreibt (mit dem Computer kann ich leider nur die Übersetzung ins Hochdeutsche schreiben): Arsch hoch und Zähne auseinander! Das heißt: erhebe dich, steh auf und tue etwas, werde aktiv. (Anmerkung von mir: Bei uns in der Familie gibt es einen ähnlichen Spruch: Bei Depresse Arsch aus dem Bett! Auch das sagt: Lass dich nicht hängen, tue etwas, werde aktiv, nur so kommst du wieder heraus.)

 

 

 

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