Was will ich eigentlich? Das weiß
eigentlich ein jeder nur von sich selber. Ich weiß sehr genau, was ich
will, - vielleicht findest du dich da wieder? Ich will mehr Zeit für
mich, aber ich will auch mitmischen, an Anderem beteiligt sein. Daraus
entsteht ein Konflikt: Zwei Punkte, die sich reiben, die sich nicht
vertragen. Ich muss lernen, mit diesem Konflikt zu leben. Oft geht es
mir so: Ich sage ganz schnell JA; aber dann entdecke ich, dass es eng
wird in meinem Terminkalender. Vielleicht hast du auch diesen Konflikt?
Ich merke plötzlich, ich habe zu schnell zugesagt, das habe ich ja gar
nicht gewollt! Oder geht es mir so: Ich habe Sehnsucht nach mehr Leben,
ich sehne mich nach mehr Kontakten!
> Oft wissen wir gar nicht
recht, was wir eigentlich wollen. Die Frage bleibt offen: Wie will ich
mein Leben gestalten, meinen Lebenswünschen näher kommen? Da hilft uns
vielleicht die Bibel. Die Bibel ist kein Rezeptbuch, nein, sie ist das
Liebesbuch Gottes an uns, sie will uns erlösen aus der Verlorenheit.
Aber aus der Bibel können wir lernen, wie Jesus, der Gottes Verkörperung
war, das Leben gelebt hat. Aus dem Neuen
Testament können wir sehen: Da ist einer der uns hilft, Ideen zu
entwickeln, uns zu ändern, der uns Kraft gibt, der uns hilft,
angefangenes durchzuziehen zu beenden. ER gibt uns Kraft entsprechend
diesen Beispielen zu leben.
Ich lese dazu Johannes-Evangelium Kapitel 5,
Verse1-9: Jesus heilt
am Teich Bethesda. Da war einer 38 Jahre gefangen in Jammer, Elend, Hilflosigkeit,
kaputtmachender Hoffnung. Dieser Mann lebte in einem Umfeld des Elends.
Er fragte sich immer wieder: Wie komme ich da raus? Es gibt keine
Selbsthilfekräfte, ich kann mich nicht aus eigener Kraft am Schopfe
herausziehen.
Jesus begann das Gespräch alles andere als teilnahmsvoll, tröstend oder
mitleidig; es war eher eine Frechheit: Willst Du
gesund werden? Aber wir sehen daraus: Jesus behandelt jeden Menschen
individuell und als Persönlichkeit. ER ist der Herr über alle
Krankheit und Gebrechlichkeit. Es wäre ihm ein Leichtes gewesen, auf
einen Schlag zu sagen, alle, die hier rumliegen, sind geheilt. Nein, das
hat er nicht gemacht. Er fragt: Willst Du gesund werden? Jesus verfügt
nicht über die Menschen, nein, er will jedem Menschen persönlich die
Chance geben. Was willst Du eigentlich? Ganz individuell spricht er den
Menschen an. Die Krankheit kann ja auch etwas für sich haben. Der Mann
war ja aus aller Selbstverantwortung herausgelöst: Er brauchte sich
nicht um eine Wohnung kümmern, denn sein zu Hause war der Liegefleck am
Teich. Er brauchte sich nicht um Nahrung zu kümmern, die wurde ihm
gebracht. Er übernahm keine soziale Verantwortung, denn er konnte ja
nichts tun, er war ja in seiner Krankheit gefesselt.
Jesu Frage trifft
in eine Problematik, die wir heute immer noch haben: Willst du deinen
Konflikt ändern? Wollen wir überhaupt etwas ändern? Will unser
kranker Nachbar was ändern? Ist es nicht sehr praktisch so? Hören wir
zu: Wie war die Antwort auf Jesu Frage? War sie JA oder NEIN? Beides ist
möglich. Der Mann sagt: HERR, ich habe keinen, der mir hilft! Eine wahnsinnige Enttäuschung bricht da heraus. Auf schwäbisch: Ich
bin so 'ne arme Sau! Die Weit ist so schlecht, alle denken nur an sich.
Viele
Enttäuschungen und Niederlagen musste dieser Mann einstecken, - 38 Jahre
lang! Der Mann dreht sich im Kreise, er dreht sich nur noch um sich
selber. Er ist entscheidungsunfähig, er kann nicht JA oder NEIN sagen!
Er kann nur noch klagen, anklagen, bedauern. Er ist gefangen in sich
selbst. Er hat eine totale Fixierung auf die Heilquelle. Nur noch sie
sieht er, keinen anderen Weg mehr. Seine Erwartung war, dass er es
einmal schaffen wird, in die Quelle zu steigen, er hat keine andere Möglichkeit
im Kopf. Wie oft geht es uns so? Wenn ich doch das und das hätte, dann
ja, dann wäre alles besser; aber es klappt einfach nicht. Auch wir sind
oft fixiert auf nur einen Weg. Wir kommen nicht heraus aus unseren
einseitigen Gedanken. Unsere Bedürfnisse werden nicht gestillt. Wir
sehen keinen anderen Weg. Jesus erkennt diesen Menschen ganz genau. Er
maßregelt ihn nicht. Er korrigiert ihn nicht. Er bemitleidet ihn nicht.
ER gibt einfach eine neue Richtung an: Steh auf! Du kannst mehr, als du
dir zutraust. Du hast die Chance, jetzt. Da sitzen und jammern nützt
nichts mehr. Kräfte von Gott kommen in dein Leben, sie führen dich
heraus aus Selbstmitleid und Bedauern. Dann kannst du mehr, als du dir
bisher gedacht hast. Ich zweifle nicht an Jesu Wunderwirken, aber:
Wunder heute dauern oft ein bisschen länger. Ich muss mich aufmachen,
ich muss Beratung und Hilfe annehmen. Ich muss eine Therapie machen, ich
muss aussteigen aus der Rolle der Co-Abhängigkeit. Ich muss sagen: "Das mache ich nicht länger
mit!" Ich muss konsequent sein,
meinen Weg gehen. Steh auf! Nimm das, was dich bisher so als Last gedrückt
hat, lege es ab und geh deinen Weg, weil Jesus dir Kraft gibt. Ich möchte
dir Mut machen, Jesus will dir Mut machen, er sagt es ganz persönlich.
Gib du der Kraft Jesu Christi Raum in dir. Lös dich von deinem
Tunnelblick. Wo du nur einen Weg siehst, sehe die Möglichkeiten, die
Gott dir gibt. Im Kölschen Dialekt gibt es so einen Spruch, der das
sehr schön beschreibt (mit dem Computer kann ich leider nur die Übersetzung
ins Hochdeutsche schreiben): Arsch hoch und Zähne auseinander! Das heißt:
erhebe dich, steh auf und tue etwas, werde aktiv. (Anmerkung von mir:
Bei uns in der Familie gibt es einen ähnlichen Spruch: Bei Depresse
Arsch aus dem Bett! Auch das sagt: Lass dich nicht hängen, tue etwas,
werde aktiv, nur so kommst du wieder heraus.)