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am 07.07.2007 erschien
folgender Artikel im Lokalteil ´Werdohl´ der Westfälischen Rundschau
Das Blaue Kreuz ist in
Werdohl eine wichtige Anlaufstelle für Suchtkranke und deren Angehörige
“Sitzen da Kollegen oder Nachbarn?“
Von Stephanie Tatenhorst
Werdohl. Ein gutes Dutzend
Frauen und Männer trifft sich immer dienstags im Gemeindehaus an der Christuskirche.
Es ist eine
bunt gemischte Gruppe, meist mit unterschiedlicher Besetzung, die sowohl jedes Alter
als auch jeden
Kleidungsstil umfasst. Doch kaum sitzen sie zusammen, sind sie vor allem eines:
eine eingeschworene Gemeinschaft.
Hier, beim Blauen Kreuz,
weiß jeder, wovon der andere spricht. Verständnis ist vorhanden.
Vorwürfe hört man keine,
nur
vielleicht die vorsichtige, behutsame Frage nach dem Warum.
Denn eines
wissen die Gruppenteilnehmer inzwischen
aus
eigener Erfahrung:
Sucht hat immer eine Geschichte.
Dabei muss es sich nicht
zwangsläufig um die eigene Geschichte handeln. Viele Angehörige sind hier, die sich selbst als
„Co-abhängig“ bezeichnen. Sie leiden genauso unter der Tablettensucht oder dem Alkoholismus wie die Abhängigen selbst.
Die Frage nach dem Warum
fällt nicht immer, doch wenn sie fällt, dann wird dieses einfache und dennoch bedeutungsschwere Wort
sachlich in den Raum geworfen. Da schwingt keine Aufforderung zum Erklären mit,
es ist kein stiller, versteckter Seitenhieb. Es ist schlicht und einfach die
Aufforderung, laut über das eigene Handeln
nachzudenken. Wer die Ursache für sein Problem
erkennt, ist im Kampf gegen die Sucht schon ein ganzes Stück weitergekommen.
Doch der Weg dorthin ist lang - und vor allem steinig.
Da hilft die lockere
Atmosphäre in der Blau-Kreuz-Gruppe - hier ist nämlich auch wichtig: der Kaffee. Und vielleicht die
Plätzchen,
die in der
Mitte auf dem Tisch stehen. Alles andere ergibt sich von selbst. „Wie geht es
Dir?“ ist die Einstiegsfrage - und über
etwas anderes wird kaum gesprochen.
Das Aktuelle zählt hier. Wenn Neue dazukommen, ist bei denen die
Hemmschwelle in jedem Fall vorhanden.
„Ist das eine Schwelle?“, fragt eine Teilnehmerin. In
ihrem Empfinden war es eher ein Bergmassiv, das sie überwinden musste, um zu der
Gruppe zu kommen.
„Man schämt sich“, erklären
die Gruppenmitglieder unisono. Egal ob selbst betroffen oder Angehöriger, man verstecke die
Krankheit vor allem und jedem. „Mit dem Besuch einer Gruppe gibt man plötzlich
die Anonymität auf. Man begibt sich mit seinem Problem in eine
Teilöffentlichkeit. Und man weiß nicht,
wer dort sitzt. Ist es der Nachbar? Der Kollege? Man weiß gar nicht, was
auf
einen zukommt.
Doch dann ringt man sich durch, kommt her - und ich habe mich
sofort wie zu Hause gefühlt.“
Denn, so erzählen die
Mitglieder, es ist gar nicht schlimm. Man lacht, man flachst - und fragt nach
Kaffee.
Bevor der nicht
eingeschenkt ist, passiert gar nichts. „Wichtig ist, dass man sich wohl fühlt,
und dass man sich in der Gruppe verstanden fühlt.
Wenn man
dieses Gefühl nicht hat, bringt das alles nichts“, erklärt die Teilnehmerin, die
in der Truppe die
Dienstjüngste ist. Etwa
zehn Mal war sie erst da - doch ohne die Gruppe wäre es für sie viel, viel
schwerer.
„Da draußen sagt keiner
'Pass auf Dich auf' zu Dir. Hier schon. Das tut einfach gut.
Der Dienstag ist ein
Fixpunkt für mich geworden.
Die
Gruppe gibt Halt und hilft. Es ist inzwischen so, dass ich mich aufraffe
herzukommen, auch wenn ich eigentlich keine Lust habe.“
Denn die Gespräche laufen
ganz entspannt ab. Auf Tiefenpsychologie wird ebenso verzichtet wie auf Arzt-Patient-Gespräche.
Man sitzt
gemütlich auf dem Sofa - und spricht einfach miteinander.
Hier sitzen
alle in einem Boot, kämpfen mit ähnlichen Problemen, der eine ist vielleicht
schon weiter auf seinem
Weg als der andere, aber ein Davonlaufen gibt es nicht. Stattdessen wird
hilfreich im
übertragenen Sinne die Hand gehalten oder ein möglicher Weg aufgezeigt.
Dabei braucht man selbst gar
nichts zu erzählen, wenn man nicht will. Aber die meisten, die zur
Gruppe kommen, wollen reden.
„Man
will ja, dass das Problem gelöst wird“, erklärt ein Mann. „Wer hier herkommt,
will,
dass sich etwas ändert.“
Und wer die Geschichten der
langfristigen Teilnehmer hört, der schöpft Mut.
Ein Teilnehmer war jetzt auf
Mallorca, „auf Männertour“.
Ballermann und Co. waren Pflichtprogramm.
Doch ein Verlangen nach Alkohol, das spürte der Urlauber nicht. „Das war eine
ganz neue Erfahrung für mich.
Und dass ich jetzt als Fahrer fungiere, freut die anderen. Nur den Kontakt zu
der Gruppe hier,
den werde
ich nie
abreißen lassen. So gut es mir auch geht.“
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vom 09.04.2011 "110 Jahre Miteinander
gegen Sucht"
vom 12.04.2011 "Alkohol, Drogen --
Sucht ist immer gleich"
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KONTAKT
Das Blaue Kreuz ist für jeden ansprechbar
Das Blaue
Kreuz ist Ansprechpartner für Alkohol- und Medikamentenabhängige, Angehörige und
Interessierte.
Teilnehmen kann jeder, der von der Sucht loskommen möchte oder dies schon
erfahren hat.
Oberstes Gebot der wöchentlichen Gruppenstunden ist Verschwiegenheit.
Jede Lebensgeschichte wird respektiert, Hilfe wird ohne Bedingungen angeboten.
Beim Ortsverein Werdohl gibt es ehrenamtliche Suchtkrankenhelfer und
Gruppenleiter.
Die Gruppenstunden finden jeden Dienstag um 18 Uhr im Gemeindehaus der
Christuskirche, Freiheitstrasse 23, statt.
Das Beisammensein dauert rund 90 Minuten.
Erste Ansprechpartner sind:
Doris
Schönbrunn 02392 / 180116 , Olaf Kircher 02392 / 6549815
Wolfgang
Schmitz 02392 /71424
oder
Diethelm Eilers 02392 / 8053333
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