Blaues Kreuz Intern
Login-Bereich

Abbrechen

Impulsblatt füreinander

füreinander November/Dezember 2019

Der alte Zweifler

Überraschung am Heiligen Abend

Der alte Zweifler hatte sich überwunden. Nach Jahrzehnten traute er sich wieder in die Kirche. Einige Male war er schon sonntags im Gottesdienst gewesen. Getrieben von einer tief sitzenden Sehnsucht.

Abrupt war sie damals gewesen, seine Trennung vom Glauben. Seinen Kinderglauben hatte er verloren. Äußerungen von Kollegen und Freunden hatten ihn auf die Seite der Spötter getrieben. Frei hatte er sich dadurch gefühlt, jahre- und jahrzehntelang. Hätte da nicht irgendwann die Sehnsucht an seine Herzenstür geklopft. Erst leise, dann stärker und häufiger.

Lähmende Einsamkeit

Als Junge, in der Jungschar seiner Gemeinde, hatte die Liebe zu Jesus sein Herz erfüllt. Dann hatte er diese Erfahrung über Bord gekippt. Anderes wurde wichtiger, vor allem die berufliche Karriere. Er jagte Umsatzsteigerungen und Boni nach. Auch der Hang zu immer neuen, schönen, fremden Frauen nahm zu.

Schließlich starb seine Frau, seine dritte. Immerhin achtzig Jahre war er nun alt. Seine Frauen hatten immer für Haus und Hof und alles, was es für den Alltag zu regeln und zu tun gab, gesorgt; er hatte eher den weltläufigen Herrn des Hauses gegeben.

Nun war er einsam geworden, lebte allein im großen Anwesen. Vieles hatte sich verändert. Doch eines war gleich geblieben: Haushalt und Alltagsdinge lagen ihm gar nicht. Nach dem Tod seiner Frau hatte er sich immer mehr gehen lassen. Bis zum Mittag oder Nachmittag hatte er im Bett gelegen. Die Körperpflege fiel immer sparsamer aus. Auch das Rasieren geschah nur nach Lust und Laune. Auf Äußerlichkeiten legte er kaum noch Wert. Verließ er einmal die Wohnung, um das Nötigste einzukaufen, schauten ihn die Nachbarn von der Seite an. Zuerst kümmerte es ihn nicht. Denn niemand sorgte sich um ihn. Kinder hatte er keine, mit Verwandten hatte er, arrogant wie er streckenweise war, gebrochen.

Ein zarter Hoffnungsschimmer

Dann kam eines Tages ein Brief. Doch, Post bekam er hin und wieder. Zumeist aber Behörden- oder Firmenschreiben. Keine Privatpost. Dieser Brief aber bestand aus einem farbigen, freundlich wirkenden Umschlag, auf dem seine Adresse in schöner Handschrift geschrieben stand. Der Absender war seine Kirchengemeinde. Erst wollte er ihn nicht öffnen, dann hatte ihn aber die Neugier getrieben. Es war ein Gruß zu seinem achtzigsten Geburtstag, mit einem Segenswort und der Einladung, doch einmal zum Gottesdienst vorbeizuschauen.

Mehr lesen in der füreinander 6/2019. Zur Bestellung

Die "füreinander" ist das Impulsblatt des Blauen Kreuzes und erscheint alle zwei Monate mit einer Auflage von 7.200 Exemplaren. Die füreinander behandelt Suchtthemen, legt aber auch großen Wert auf die Vermittlung christlicher Inhalte und wird gerne als Anregung für die Gruppenarbeit genutzt.

Ältere Ausgaben

Selbsthilfe: Die Brückenbauer in der Suchthilfe!?

füreinander September/Oktober 2019

Gedanken von Jürgen Naundorff

| Bestellen

Gemeinsam echt sein!

füreinander Juli/August 2019

Wie können wir echt sein als Mensch, als Suchtkranke, Angehörige und Mitarbeitende?

| Bestellen

Die Welt ein bisschen schöner machen ...

füreinander Mai/Juni 2019

Gedanken von Andrea Schmidt

| Bestellen

Der Jubel des Ostermorgens

füreinander März/April 2019

Impulse von Ute Mayer

| Bestellen

Mit leichtem Gepäck und Kompetenz durchs neue Jahr

füreinander Januar/Februar 2019

Tipps von Monika Bylitza

| Bestellen

Was macht mich stark?

füreinander November/Dezember 2018

Mit belastenden Lebensumständen umgehen lernen

| Bestellen

Der Herzschlag des Blauen Kreuzes

füreinander September/Oktober 2018

Auch nach 140 Jahren noch spürbar

| Bestellen

Stärke ist kein Zufall

füreinander Juli/August 2018

Schaue Scheinriesen keck in die Augen

| Bestellen