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Blaukreuz-Historie in Hamburg

Ursprünge des Blauen Kreuzes

Am 21. September 1877 wurde der erste Blaukreuz-Verein in Genf durch den Schweizer Pfarrer Louis-Lucien Rochat mit weiteren 27 Personen gegründet. Alle verpflichteten sich durch Unterschrift zur Alkoholenthaltsamkeit.

Am 16. Januar 1881 beschließt die schweizer Generalversammlung auf Vorschlag von Rochat, als Zeichen ein blaues Kreuz auf weißem Grund auf der Fahne zu gebrauchen. Da einige Jahre vorher schon Henri Dunant das rote Kreuz als Zeichen für sein Hilfswerk gewählt hatte, wurde diese Wahl so begründet:

Wo das rote Kreuz weht, da erwacht die Hoffnung in der Brust des Verwundeten. 
Er erblickt schon Erquickung und Heilung.
So zeige sich unser kleines Rettungskorps mit dem blauen Kreuz überall, wo die Verwundeten der Trunksucht und des Wirtshauslebens liegen. 
In ihrem Herzen wird auch die Hoffnung erwachen und glücklich ist der zu nennen, dem es gegeben wird nach Kräften sich an dieser Arbeit zu beteiligen...

Dieses Zeichen, nun allerdings in der Farbe blau, wurde unser Symbol - Blau, da von jeher die angelsächsischen Abstinenten ein blaues Band als Symbol ihrer Enthaltsamkeit trugen.

Christen helfen Suchtkranken

Hamburg gehörte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den deutschen Großstädten, die unter dem Massenelend, den katastrophalen Wohnverhältnissen und den erschreckenden Auswirkungen des steigenden Alkoholmissbrauchs besonders litten.

Nun gab es in Hamburg und Altona in dieser Zeit engagierte Christen, die nicht rat-und tatenlos zusahen und dies als unabwendbares Übel hinnahmen, sondern individuell und anfangs vereinzelt dagegen ankämpften. Hauptsächlich ging es ihnen darum, die durch die Trinksucht gebundenen Seelen mit Gottes Hilfe vom ewigen Verderben zu erretten. Deshalb sprach man auch von „Trinkerrettungsarbeit" anstatt wie heute von Suchtkrankenhilfe.

Ende des 19. Jahrhunderts

Die heutige Hamburger Blaukreuz-Arbeit hat zwei Wurzeln, und zwar die Trinkerrettungsarbeit der „Christlichen Gemeinschaft Philadelphia" (heute: Freie evangelische Gemeinde Hamburg-Holstenwall) und die Trinkerrettungsarbeit der „Christlichen Gemeinschaft Altona", die auch heute noch so heißt. Manche Hamburger werden sich sicherlich erinnern, dass damals Hamburg und Altona nicht zusammengehörten, sondern eigenständige Städte bildeten.

Der Beginn der Blaukreuz-Arbeit in Hamburg ist eng verknüpft mit zwei Persönlichkeiten in einer Bewegung: Pastor Johannes Röschmann (1862 - 1901), Gründer der „Christlichen Gemeinschaft Philadelphia" und Hauptlehrer Friedrich Lindemann (1850 - 1916), Mitbegründer der Christlichen Gemeinschaft Altona.

Beide gehörten der Gemeinschaftsbewegung an - heute bekannt unter der Bezeichnung „Gnadauer Verband". Durch diese Tätigkeit lernte Pastor Röschmann einen wichtigen Streiter des Blauen Kreuzes, den Oberstleutnant Curt von Knobelsdorff kennen. Mit ihm führte er in den Jahren 1893 und 1894 mehrwöchige Evangelisationen in Hamburg durch. Daraus ergab sich notwendigerweise, dass im Oktober 1893 ein zentral gelegener Versammlungsraum (Holstenwall) angemietet wurde, in dem Pastor Röschmann regelmäßig Veranstaltungen abhielt.

So entstand die Christliche Gemeinschaft Philadelphia. Daneben entwickelte sich im Mai 1894 der Beginn der ersten offiziellen Blaukreuz-Arbeit. Regelmäßige Blaukreuz-Abende fanden einmal wöchentlich am Holstenwall im sogenannten Blaukreuz-Saal, statt. Diese Veranstaltungen waren über Jahrzehnte reich gesegnet und haben wesentlich zum Bekanntwerden und zur Ausbreitung der Christlichen Gemeinschaft beigetragen. So zählte der Blaukreuz-Verein Hamburg bei seinem 6. Jahresfest 1900 bereits 450 Mitglieder. Es existierte außerdem ein Hoffnungsbund (Kinderarbeit des Blauen Kreuzes).

Ebenfalls hielt Pastor Röschmann 1893 im Hause von Friedrich Lindemann regelmäßig Bibelstunden. Aus diesen Versammlungen entstand die Christliche Gemeinschaft Altona in der Löfflerstraße. Auch im Hause Lindemann wurde „Trinkern" geholfen. Einige der Altonaer Gemeinschaftsmitglieder hatten sich dem Blaukreuz-Verein Hamburg (Holstenwall) angeschlossen. Die räumliche Entfernung gab jedoch 1910 den Ausschlag, in Altona einen eigenständigen Blaukreuz-Verein zu gründen.

Die prägende und tragende Persönlichkeit dieses Blaukreuz-Vereins war über Jahrzehnte der Schwiegersohn von Friedrich Lindemann, der Lehrer Wilhelm Halver (1878 - 1961). Gemeinsam mit seiner Ehefrau Magdalena (geb. Lindemann) leitete er regelmäßig Blaukreuz-Versammlungen in der Christlichen Gemeinschaft Altona. Er beherbergte in seinem Hause Blaukreuz-Sekretäre und Evangelisten, nahm immer wieder "Trinker" bei sich auf, die dafür in seinem Garten arbeiten mussten. Auch half er deren Frauen, indem sie sich etwas hinzuverdienen konnten. Diese „Trinkerrettungsarbeit" kümmerte sich schon damals um die gesamte vom Alkohol betroffene Familie.

In den umliegenden Straßen und Häusern verteilten die Mitarbeiter des Vereins Schriften („Rettung" und „Bewahrung"). Damit luden sie in ihre Versammlungen ein. „Trinker-Familien" wurden auf diese Weise oft jahrelang besucht und betreut in dem Bemühen, sie unter Gottes Wort zu bringen. Von 1910 - 1916 war Wilhelm Halver Schriftführer und von 1916 - 1958 Vorsitzender des Blaukreuz-Vereins Altona.

Vollständigkeitshalber seien hier neben diesen beiden Blaukreuz-Vereinen der „Hamburgische Verband evangelisch-kirchlicher Blaukreuz-Vereine" (Vorsitzender: Pastor Isenberg) und der „Freie Bund des Blauen Kreuzes" (Vorsitzender: Robert Pusch) erwähnt.

Wandel der Blaukreuz-Arbeit

Die damaligen Blaukreuz-Versammlungen sind nicht vergleichbar mit der heutigen Blaukreuz-Gruppenarbeit. Sie ähnelten mehr Evangelisationsveranstaltungen mit Predigt und persönlichen Lebensberichten. Darüberhinaus gab es Sonderveranstaltungen, die von allen Blaukreuz-Organisationen in Hamburg und Altona durchgeführt wurden, bei denen bis zu 600 Personen pro Abend zusammenkamen.

Durch die Nazi-Zeit und den Zweiten Weltkrieg litt die offizielle Blaukreuz-Arbeit sehr, sowohl in Hamburg als auch in Altona. Nur einzelne Personen in Altona hielten am Blaukreuz-Gedanken fest. So wirkte Wilhelm Halver bis 1958. Er wurde unterstützt von den Familien Christian Rathje und Heinrich Stuhlmann. Die Blaukreuz-Zentrale in Wuppertal entsandte 1960 zeitweilig den Reisesekretär Paul Müller zum Aufbau der Blaukreuz-Arbeit nach Hamburg. Danach wirkte der Blaukreuz-Sekretär Harder. Anschließend übernahm Paul Faak ehrenamtlich die Verantwortung für die weitere Entwicklung. Den Kontakt zu dieser Arbeit erhielt er über seine Schwester, Frau Ewert.

Paul Faak besuchte die Pastoren der Kirchengemeinden und verkaufte Schriften und Kalender des Blauen Kreuzes in großer Zahl. Diesen Dienst tat er in aller Treue mit seiner Frau bis zuletzt. Er gründete die Blaukreuz-Begegnungsgruppe in der „Düppelstraße", die sich im Gemeinderaum der Pauluskirche traf, später die Gruppe „Stiftstraße". Aus diesen beiden entstanden alle weiteren Begegnungsgruppen.

Mit Genehmigung der Bundesgeschäftsstelle des Blauen Kreuzes (ehemals Deutscher Hauptverein) sammelte Paul Faak ein ehrenamtliches Beraterteam um sich und führte mit ihnen Arbeitstagungen durch. Erst am 9. Februar 1974 konstituierte sich daraus das „Blaue Kreuz in Deutschland e.V. - Ortsverein Hamburg", dessen 1. Vorsitzender Paul Faak bis 1983 war.

Im Frühjahr 1983 erkrankte er und wurde am 02.08.1984 im Alter von 83 Jahren heimgerufen. Frau Hildegard Kraus übernahm als 2. Vorsitzende die Vereinsführung. 1993/1994 übernahm Pastor Richard Tresse als 1. Vorsitzender die Verantwortung für das Blaue Kreuz in Hamburg. Seit 2000/01 ist Wolfgang Meyer 1. Vorsitzender. Die segensreiche Arbeit wuchs, so dass die Anstellung eines hauptamtlichen Mitarbeiters dringend erforderlich wurde. 1980/81 übte Kurt Riedel diesen Dienst aus. In den Jahren 1986 - 1989 folgte Harald Seeger, 1993 Hartmut Runde, 2000 Ingrid Vogt und seit 2007 leitet Tobias Hoffmann die Blaukreuz-Beratungsstelle in Hamburg.

 

Erstellt von Harald Seeger (Diplom-Sozialwissenschaftler und ehemaliger Leiter der Beratungsstelle) anlässlich des 100jährigen Jubiläums des Blauen Kreuz in Hamburg, 1994. (Auszugsweise leicht geändert)