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Lebensbericht

Dietzhölztal

Lebensbericht

Durch Schicksalsschläge zum Blauen Kreuz
Als ich drei Jahre alt war, ließen sich meine Eltern scheiden und ich wurde im Alter von 5 Jahren in ein Kinderheim abgeschoben, da der neue Mann meiner Mutter mich ablehnte. Bis zu meiner Lehre wuchs ich in verschiedenen nach Alter gestuften Kinderheimen auf und verbrachte die Ferien abwechselnd bei meinem leiblichen Vater und zu Hause bei meiner Mutter. Mein leiblicher Vater, der ein Tanzlokal betrieb, trank regelmäßig Alkohol und zu Hause bei meiner Mutter wurde ich von meinem Stiefvater oft verprügelt. Die Zeit in den Kinderheimen war ebenfalls durch Bestrafungen geprägt, da stets die ganze Gruppe sanktioniert wurde.

Als ich mit 15 Jahren eine Lehre als Baufacharbeiter absolvierte, wohnte ich wieder bei meiner Mutter, zog aber dort wegen der ständigen Reibereien mit meinem Stiefvater aus, um mit meiner damaligen Freundin zusammen zu leben. Kurz vor meinem 18. Lebensjahr wurde ich Vater einer Tochter. Als ich mit 18 Jahren in die Armee berufen wurde und den Dienst verweigerte, musste ich für 9 Monate ins Militärgefängnis in Schwedt/Oder. Danach lebte ich 10 Monate in Freiheit, wurde aber gleich nach der zweiten Armeeverweigerung wieder für 18 Monate inhaftiert. Vor meiner ersten Einberufung zum Militärdienst hatte ich einen Studienplatz in Potsdam als Bauingenieur vertraglich gesichert, doch man erteilte mir umgehend wegen der Militärdienstverweigerung Studienverbot, da ich politisch nicht vertretbar war.

Schon während meiner Lehrzeit hatte ich begonnen, Alkohol zu trinken und mein Konsum steigerte sich allmählich. Abstinent lebte ich in meinen jungen Jahren nur während der Zeit im Militärgefängnis. Ich war ein Regimegegner, der sich nicht anpassen wollte, zeigte dies deutlich und rebellierte, so dass ich mehrfach von der Stasi inhaftiert wurde. Was ich dort durchmachen musste, hat mich nachhaltig traumatisiert. Im Mai 1989 wurde ich letztmalig wegen Zusammenrottung und versuchter Zerrüttung des Sozialismus angeklagt.

Als die Mauer fiel, ging ich gleich nach Westdeutschland und wohnte bei meiner Tante in Bad Dürkheim. Mein Alkoholkonsum war zu diesem Zeitpunkt sehr hoch und steigerte sich bis zum Delirium. Ein Antrag auf Entzug zu DDR-Zeiten war in den Vorjahren abgelehnt worden. Meine Tante machte mir den Vorschlag, mein Alkoholproblem in der Klinik in Bad Dürkheim behandeln zu lassen. So kam es, dass ich dort ab Ende 1989 eine sechsmonatige Langzeittherapie startete und danach 12  Jahre trocken blieb. Inzwischen hatte ich eine Mitpatientin aus der Langzeittherapie in Bad Dürkheim geheiratet und die Jahre meiner Abstinenz waren für mich sehr glückliche Jahre mit schönen Lebenserfahrungen, geprägt von positivem Denken, guten Bekanntschaften und Erfolg im Beruf. Ich steckte voller Energie und habe gearbeitet wie verrückt.

Dann kam der nächste Schicksalsschlag: Meine damalige Frau war sozusagen in einer „Nacht- und Nebelaktion“ aus unserer Wohnung ausgezogen und hatte mein bis dato gut gefülltes Bankkonto geräumt. Ich fühlte mich, als wäre mir der Boden unter den Füßen weggezogen worden, ich war fassungslos und unendlich wütend. Alle meine Erinnerungen aus dem Stasiknast kamen wieder hoch und ich begann in meiner Verzweiflung wieder zu trinken.

Es folgten weitere Schicksalsschläge. Durch meine Arbeit als Fliesenleger im Akkord musste ich mich mehreren Operationen an Halswirbel- und Lendenwirbelsäule unterziehen und verlor meine Arbeit. In 2006 hatte ich meine jetzige Ehefrau kennengelernt, doch auch sie zog wegen meines gesteigerten Alkoholkonsums aus unserer gemeinsamen Wohnung aus. In 2009 entschied ich mich zu einer erneuten Langzeittherapie und sprach diesbezüglich bei drei verschiedenen Kliniken vor.  Diese lehnten mich ab, weil sie angeblich nicht zuständig waren. Da ich in den Jahren zuvor schon zwei Suizidversuche unternommen hatte, rief ich die Polizei an und drohte mit Selbstmord, wenn ich nicht umgehend einen Therapieplatz bekomme. Ein Krankenwagen brachte mich zur kirchlichen Klinik in Bad Soden. Dort unterzog ich mich einer 4-wöchigen Entgiftung und kam danach zur Langzeittherapie und anschließender 3-monatiger Adaption in die Klinik Eschenburg. Ich hatte Glück und erhielt bereits in 2010 eine neue Festanstellung in einer Baufirma in Eschenburg.

Während meiner Zeit in der Klinik Eschenburg besuchte ich regelmäßig die Blaukreuz-Gruppe Dietzhölztal. Die Gruppenstunden waren sehr gut für mich. Hier konnte ich offen reden, fühlte mich verstanden und bin sogar zum Glauben gekommen.

Seit Oktober 2013 bin ich Mitglied im Blaukreuz-Verein. Inzwischen bin ich wieder glücklich verheiratet und auch meine Frau nimmt an den Gruppenstunden teil.

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