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Niedersachsen

Suchtmittelabhängigkeit aus einer anderen Perspektive betrachtet

Blaues Kreuz Wolfsburg unterwegs – Seminar in der evangelischen Akademie Loccum

Ebenso, wie unser Körper nach Anstrengungen Ruhe und Erholung braucht, ist es sinnvoll, auch dem eigenen Geist und den eigenen Gefühlen gelegentlich eine Möglichkeit zum Durchatmen zu geben. Genau zu diesem Zweck war das Blaue Kreuz Wolfsburg im August 2021 wieder einmal unterwegs. In der evangelischen Akademie in Loccum, unweit des Steinhuder Meeres, Themen rund um die Suchtmittelabhängigkeit behandelt – allerdings auch aus einer anderen Perspektive.

Als Seminarleiter konnte Jürgen Naundorff, Geschäftsfeldverantwortlicher »Ideelles und Grundlagen« beim Bundesverband des Blauen Kreuzes in Wuppertal, gewonnen werden. Zusammen mit den 20 Teilnehmenden beleuchtete er das Thema vor dem Hintergrund von Beziehungsgeflechten.

»Die Betrachtung einer Suchterkrankung im Kontext des persönlichen Umfeldes mit all den Beteiligten gibt uns erst einen umfassenden Blick auf die gesamte Problematik der Krankheit. Wir wollen nicht nur dem einzelnen Abhängigen bei seiner Krankheit helfen, sondern müssen auch Angehörige und das gesamte soziale Umfeld in die Betrachtung einbeziehen. Insbesondere dürfen die Sorgen und Fragen der Angehörigen nicht unbeantwortet bleiben.« ergänzte Siegfried Neumann, Vorsitzender des Wolfsburger Ortsvereins.

Jürgen Naundorff vergleicht das Beziehungsgeflecht mit einem über lange Zeit gewobenen Teppich. Anhand des Beziehungsgeflechts einer Teilnehmerin über mehrere Generationen wurden die Einflüsse, aber auch die Verantwortlichkeiten der einzelnen Personen erläutert. Daraus ergaben sich spannende Diskussionen, da jeder Teilnehmer die Erkenntnisse auf seine eigene Lebenssituation übertragen konnte. Abgerundet wurde die Diskussion durch die Erläuterung der Wirkungsweise von persönlichen Eigenschaften auf das Gegenüber.

Auch die gemeinsam verbrachte Freizeit war wichtig. Die Besichtigung des Klosters Loccum, das gemeinsame Eisessen, der Waldspaziergang und die vielen persönlichen Gespräche förderten das Gemeinschaftsgefühl. Das Feedback im Abschlussgespräch fiel durchweg positiv aus, der Seminarleiter bedankte sich für die gute Zusammenarbeit. Mit dem gemeinsamen Mittagessen endete das Seminar.

Wer sich auch mal wieder »Freiraum für neue Gedanken« oder »eine neue Perspektive« wünscht, ist herzlich eingeladen, sich die Arbeit des Blauen Kreuzes anzusehen.
Alle Kontaktdaten sind auf www.blaues-kreuz-wob.de zu finden.

Die Wolfsburger waren dabei

gemeinsam. echt. frei.

... lautete das Motto für das diesjährige Bundestreffen des Blauen Kreuzes, das aufgrund der Pandemie zum ersten Mal online stattfand. Andreas Kempfert aus Wolfsburg berichtet vom gemeinsamen Event:

Eigentlich war alles klar und bereits organisiert beim Blauen Kreuz. Der Höhepunkt der Blaukreuz-Arbeit, das alle fünf Jahre stattfindende Bundestreffen, sollte bereits 2020 über die Bühne gehen. Dann kam die Corona-Pandemie und alles wurde anders. Aufgeben wollte aber niemand und so wurde das Bundestreffen am 19. Juni 2021 als Online-Event nachgeholt.

»Es ist natürlich sehr schade, dass diesmal nicht die Möglichkeit bestand, sich mit den vielen anderen Gruppen aus ganz Deutschland persönlich auszutauschen. Aber es galt, das Beste aus der gegenwärtigen Situation zu machen, und das haben wir getan«, erklärte Siegfried Neumann, 1. Vorsitzender des Wolfsburger Ortsvereins. Viele der fast 1100 Gruppen und Vereine, zusammengeschlossen im Blauen Kreuz in Deutschland e.V. um suchtkranken Menschen und deren Angehörigen zu helfen, nahmen an der zentralen Online-Veranstaltung teil. Mit von der Partie war auch die Wolfsburger Blaukreuzgruppe.

Die Michaelis-Kirchengemeinde in Fallersleben stellte Räumlichkeiten und die erforderliche Technik zur Verfügung. »Es ist insbesondere in solchen Zeiten wie diesen nicht selbstverständlich, dass eine Kirchengemeinde so großzügig handelt. Deshalb bedanken wir uns ganz herzlich bei der Michaelis-Kirchengemeinde«, führte Neumann aus.

Neben den Liveschaltungen zu verschiedenen Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland standen als Highlights Impulsvorträge auf dem Programm, die das Thema des Bundestreffens »gemeinsam. echt. frei.« aufnahmen. Jürgen Paschke, Bundesvorsitzender des Blauen Kreuzes, führte die Teilnehmer mit einem spannenden Interview durch 135 Jahre Geschichte des Blauen Kreuzes.

Nach dem offiziellen Teil schloss das Bundestreffen mit der Übertragung des Theaterstücks »Sinneswandel« aus dem Falkenroth-Haus Hagen und einem Livestream Konzert mit Judy Bailey.

Impressionen vom Online-Bundestreffen

Als Andenken an das erste »irgendwie andere« Bundestreffen durften sich die Teilnehmer der Wolfsburger Gruppe über das Buch »Lebenslinien« freuen. Mehr Infos über das Blaue Kreuz in Wolfsburg gibt es hier:
Website – Blaues Kreuz Wolfsburg




Liste aller Blaukreuzgruppen

in Niedersachsen und Bremen

Sie suchen eine Blaukreuzgruppe in Ihrer Nähe? Kein Problem! Die Liste aller Blaukreuz-Gruppen, -Treffen und -Ansprechpartner in Niedersachsen und Bremen wird regelmäig aktualisiert. Die Aufstellung in bewährter Form ist wahlweise sortiert nach Postleitzahlen oder Ortsnamen. Selbstverständlich sind sämtliche Adressen (bundesweit) auch über die interaktive Karte auf der Startseite des Bundesverbandes abrufbar
www.blaues-kreuz.de

Hier gehts zur Liste der Gruppen in Niedersachsen!

 

Sabine Göllnitz-Möbius ist Landesvorsitzende des Blauen Kreuzes in Niedersachsen

Sabine Göllnitz-Möbius ist die neue Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen im Blauen Kreuz. Sie ist 55 Jahre alt, verheiratet, hat eine erwachsene Tochter – in einem kleinen Interview stellt sie sich kurz vor und spricht über das, was sie sich vorgenommen hat.

Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zur Landesvorsitzenden des Blauen Kreuzes in Niedersachsen – was bedeutet das für Dich persönlich?
Es ist eine große Ehre für mich und ich bin sehr dankbar für das große Vertrauen, das mir entgegengebracht wird.

Liebe Sabine, zunächst möchten wir Dich ein wenig besser kennenlernen:

Wenn du eine berühmte Persönlichkeit – ganz gleich ob lebendig oder tot – treffen dürftest: Wer wäre es und warum?
Ich würde mich gerne mit Jesus unterhalten. Ich finde es beeindruckend, wie er mit den Menschen umgeht und all dem was sie ausmacht.

Wenn du ein Lebensmittel wärst: Welches wäre es?
Schokolade.

Wie oft schaust du am Tag auf dein Handy?
Viel zu oft.

Welchen Beruf haben sich deine Eltern für dich vorgestellt?
Das weiß ich gar nicht. Solange ich denken kann, wollte ich Lehrerin werden und meine Mutter hat nie etwas anderes vorgeschlagen. Hauptsache etwas Akademisches …

Wofür würdest du mitten in der Nacht aufstehen?
Wenn einer meiner Liebsten Hilfe braucht.

Kannst du beim Nichtstun nichts tun?
Das fällt mir sehr sehr schwer, auch beim Nichtstun macht zumindest mein Kopf immer irgendetwas. Ich kann das eigentlich nur, wenn ich am Meer sitze.

Wenn alle Tiere reden könnten, welches Tier, denkst Du, wäre am nervigsten?
Fliegen, weil die immer da sind – und alles mitbekommen.

Was erstaunt dich am meisten bei den Menschen?
Wie unterschiedlich und einzigartig sie sind. Ich bin neugierig auf die Menschen. Ich möchte wissen, warum sie so geworden sind, wie sie sind.

Was möchtest du, dass die Menschen in einigen Lebenslektionen lernen?
Jede Lektion/Krise birgt ein großes Potential um sich besser kennenzulernen. Und Fähigkeiten in sich zu entdecken, die noch in ihm/ihr schlummern.

Welche Ziele hast Du Dir als Landesvorsitzende für Deine Amtszeit gesetzt und was wird sich für die Blaukreuzfamilie in Niedersachsen ändern?
Ich wünsche mir eine bessere Vernetzung der Gruppen, wie es sie regional ja auch schon gibt. Dass wir voneinander profitieren und uns gegenseitig stärken. Wir werden auch Projekte aus »Sucht-Selbsthilfe geht neue Wege« kennenlernen mit neuen Ideen für ein neues Selbstverständnis der Selbsthilfegruppen .
Da ich seit 2006 in den Seminaren unterwegs bin, liegt mir die Seminararbeit besonders am Herzen. Wir haben wunderbare Seminarangebote, die noch mehr in Anspruch genommen werden könnten und somit auch ganz wertvolle neue Impulse in unsere Gruppen bringen können.

Inwieweit sind für Dich digitale Kommunikationswege im Blauen Kreuz von Bedeutung?
Ich denke, dass uns Corona gezeigt hat, dass wir auch andere Kommunikationswege nutzen können. Wir haben gute Erfahrungen mit dem BlueMeeting gemacht. Sicherlich ersetzen diese auf Dauer nicht den persönlichen Kontakt und Austausch, aber sie sind eine sehr sinnvolle Ergänzung. Gerade bei großen Entfernungen sind so zwischendurch kurzfristig digitale Treffen möglich, die zielführender sind, als viele Telefonate hin und her …
Regional haben etliche Betroffene auf diese Weise zum Blauen Kreuz gefunden. Vor allem jüngere Menschen werden durch digitale Kommunikation angesprochen.

Einige Blaukreuz-Gruppen im Lande haben Nachwuchssorgen.
Wie können zunehmend auch jüngere Menschen für die Mitarbeit im Blauen Kreuz begeistert werden?
Spezielle Angebote für jüngere Menschen haben wir in den Gruppen meist nicht, hier hoffe ich auf die Impulse aus dem Projekt »Sucht-Selbsthilfe geht neue Wege«. Das allein wird das Problem aber nicht lösen, denn neue Besucher in den Gruppen heißt noch nicht, dass dadurch auch Mitarbeiter gefunden werden. Diese Frage wird uns in der nächsten Zeit weiter begleiten und sicher intensiv beschäftigen.

Wie wirst Du Dich den aktuellen Herausforderungen (z. B. Corona-Pandemie etc.) stellen?
In meinem Job habe ich gelernt, lösungsorientiert zu denken und das scheint mir auch im Blauen Kreuz ein guter Weg zu sein. Auch in der Pandemie sehe ich nicht vordergründig das Problem – wir dürfen uns z. B. dem andern nicht wie gewohnt nähern und in den Arm nehmen, das fördert  jedoch unsere Achtsamkeit und das dürfen wir in dieser Zeit üben.

›Blick in die Glaskugel‹ – wie wird das Blaue Kreuz in Niedersachsen in 5 Jahren aufgestellt sein?
Innovativ, offen, Gemeinschaft.

Abschließend eine persönliche Frage – was hat Dich einst zum Blauen Kreuz geführt?
Ich habe am 21.05.1999 als Betroffene den Weg zum Blauen Kreuz gefunden, als ich selber nicht mehr weiterwusste. Dort habe ich Rückhalt erfahren auf meinem Weg aus der Sucht und habe mit Gottes Hilfe gelernt, befreit zu leben.

Kleines Wortspiel zum Abschluss – bitte ergänze die folgenden Sätze:

Das Blaue Kreuz bedeutet für mich …Familie und es ist eine ganz besondere Lebenseinstellung. Wir begegnen uns dort mit einer gegenseitigen Wertschätzung und Offenheit, was in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich ist und viele Menschen, die das als Gäste erleben, immer wieder in Staunen versetzt.

Suchtkrankenhilfe ist … mehr als ein Job. Und ich freue mich, dass bei uns der Mensch im Mittelpunkt steht, den wir dabei unterstützen dürfen, befreit leben zu lernen – das ist doch so viel mehr als mit Tipps oder Druck das Suchtmittel wegzulassen.

Die Selbsthilfegruppen in Niedersachsen sind … wichtig.

Die Zukunft des Blauen Kreuzes …ist ein Projekt, das wir alle gemeinsam gestalten können.

Herzlichen Dank, für das Interview.

Ich wünsche dir Gottes reichen Segen für dieses Ehrenamt und freue mich, dies an deiner Seite mit den anderen Mitgliedern aus dem Vorstand tun zu dürfen.

Ingeborg Jockenhöfer

Ilona Alice Bühring

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