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Wir im Norden ...

Niedersachsen

Mein A & O beim Blauen-Kreuz

Am Ende erfüllte Freiheit!

Eine kleine Autobiografie von Doris Prothmann aus Cuxhaven

Meine längste trockene Phase hatte ich von Mai 1985 bis Juli 1997. Zwischenzeitlich lernte ich im Juni 1996 meinen jetzigen Mann Uli kennen und auch sehr bald lieben. Zur damaligen Zeit war ich seit sieben Jahre Witwe. Zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit erzählte ich ihm von meiner Suchtkrankheit. Er wusste nichts über Sucht und deren Folgen und konnte deshalb nichts damit anfangen. Wer konnte da schon ahnen, dass wir kurze Zeit später damit knallhart konfrontiert würden.

Plötzlich hing ich wieder voll drin in der Sucht! Im wahrsten Sinne des Wortes »voll«. Es begann nicht nur für mich die Hölle, sondern auch für Uli. Er lernte mich als Alkoholikerin kennen und wurde mit Wesenszügen konfrontiert, die er sich nie hätte vorstellen können. Ein Auf und Ab, mal trocken, mal nass, so zeichnete sich unsere gemeinsame Zeit aus. Es waren Trockenphasen von ein bis drei Jahren dabei, doch zur endgültigen Abstinenz schaffte ich es nicht. Zwischenzeitlich waren wir 1998 in Ulis Elternhaus nach Cuxhaven gezogen.

Ich versuchte, in Cuxhaven eine Selbsthilfegruppe zu finden und ging zu den Anonymen Alkoholikern. Doch es änderte sich nichts. Im Nachhinein war diese Zeit für mich ein langer Rückfall mit einigen Trockenphasen. Der 17. April 2008 war für mich dann der Tag, der letztlich alles veränderte! Ich schöpfte neuen Lebensmut und begann wieder zu leben. Wie es dazu kam? In unserer Tageszeitung »Cuxhavener Nachrichten« stand die Einladung zu einer neu gegründeten Selbsthilfegruppe – es war eine Begegnungsgruppe des Blauen Kreuzes in Deutschland.

Rückblick in die 1980er Jahre ...

Das Blaue Kreuz hatte mir einst geholfen, trocken zu werden. Von 1985 an lebte ich abstinent und hatte in Duisburg (NRW) selbst eine Blaukreuz-Gruppe in unserer Kirchengemeinde auf dem »Ostacker« gegründet. Sogar die Ausbildung zum freiwilligen Suchtkrankenhelfer hatte ich damals beim Blauen Kreuz in Holzhausen absolviert.

Bei diesem Seminar lernte ich Lore Karsten aus Duisburg kennen, die damals zum Ausbildungsteam gehörte. Da ich bei der Kirche fest angestellt war und zufällig eine Supervisorin suchte,  fragte ich Lore, ob sie mit mir arbeiten wollte. Ich hatte viel Glück, denn sie sagte zu. Wir legten gleich los und arbeiteten von 1991 bis 1997 zusammen. Auch mein Partner Uli nahm gelegentlich an Sitzungen teil. Sehr zufrieden war mein damaliger Chef, der Gemeindepfarrer. Er merkte, dass mir die Sitzungen bei Lore Karsten gut taten.

Zurück nach Cuxhaven:

Ich las nun an diesem Frühlingstag 2008 in der Zeitung, dass das Blaue Kreuz eine Gruppe für Suchtkranke und deren Angehörige in der Freien Ev. Gemeinde (FeG) gründet. Daraufhin kontaktierte ich den damaligen Pastor der FeG Herrn Holger Bungenberg. Er gab mir die Telefonnummer von Gerd Henrich, dem Gründer der neuen Gruppe. Nach einem Telefonat besuchte er uns am 15. April 2008 zu Hause. Wir tauschten uns aus und er fragte mich, ob ich ihn bei der Gruppenarbeit unterstützen könne.

Am gleichen Tag bat ich Uli, er möchte die letzten beiden Dosen Bier, die noch in der Garage waren, wegschütten. Ganz erstaunt, mit einem unverständlichen Ausdruck fragte er: »Und dann?«

Meine Antwort: »Tu es, denn jetzt werde ich gesund!«

Nun begann mein letzter, kalter Entzug. Zitternd, schwitzend und kaum ansprechbar nahm ich am ersten Gruppenabend teil. Aber, ich war da – und spielte mehr recht als schlecht Gitarre. »Bis hierher hat mich Gott gebracht, durch seine große Güte ….« Das war das Lied – ein Wunsch von Gert Henrich. Mit diesem Tag begann meine Gesundung!

Die Blaukreuz-Gruppe wurde ein wichtiger Bestandteil im Leben meines Mannes und mir. Inzwischen hatten Uli und ich geheiratet (29. Juni 2001). Nach und nach lernten wir bei Bibelfreizeiten oder Praxisbegleitungen neue Freunde kennen und es dauerte nicht lange, bis wir in der Blau-Kreuz-Familie integriert waren. Wir spürten es bei jeder Zusammenkunft: Jesus war überall dabei und stets in unserer Mitte.

Kurze Zeit nach der Gruppengründung erkrankte Gerd Henrich. Immer mehr gesundheitliche Einschränkungen folgten, sodass ich zunächst die Vertretung und letztendlich ab März 2011 die Gruppenleitung übernahm. Es fiel mir nicht schwer trocken zu bleiben – so reihten sich viele Jahre der Abstinenz aneinander.

Vor unserem 10-jährigen Gruppenbestehen in Cuxhaven feierte ich am 15. April 2018 meinen zehnten Abstinenzgeburtstag und gleichzeitig zusammen mit meinem Mann unsere Aussegnung. Mein Mann Uli unterstützte mich in der Blaukreuz-Arbeit weltmeisterlich! Ohne ihn hätte ich vieles nicht geschafft. Er war immer dabei ob bei Schulpräventionen, Klinikfahrten hin zur oder raus aus den Entgiftungen. Krankenhausbesuche, zu Praxisbegleitungen in Sandkrug, Seminare, Sitzungen und, und, und. Seit einigen Jahren ist auch Uli Mitglied des Blauen Kreuzes und trinkt seitdem keinen Tropfen Alkohol. Im November 2014 hatte ich einen Herzinfarkt. Uli hat daraufhin sogar mit dem Rauchen aufgehört – wie leicht ist es mir dadurch geworden, gesund zu bleiben.

Nun hatten wir am 6. Mai 2018 eine wunderschöne Jubiläumsfeier zum 10-jährigen Gruppen-Jubiläum. Obendrein kamen zahlreiche Blaukreuz-Freundinnen und -Freunde  zum niedersächsischen Landestreffen.

Feierliche Übergabe des Staffelstabes zum Landestreffen

Unser Abschied war erfüllt von Gedanken der Ruhe und des Friedens. Auch deshalb, weil wir Gewissheit haben, dass liebe, fähige Freunde da sind, die die Gruppe   weiter leiten und Jesus im Herzen und in ihrer Mitte haben. Es sind Freundinnen und Freunde dabei, die Jesus – als er bei ihnen angeklopft hatte – nicht nur hereingelassen haben, sondern ihm einen Platz angeboten haben. Jesus darf in Ihren Herzen wohnen. Das macht das Blaue Kreuz aus – von Jesus erzählen, um zu zeigen: Mit ihm ist das Leben so viel leichter.

Wir – mein Mann Uli und ich haben aber nur die Leitung an Jüngere abgegeben! Wir haben nicht das Blaue Kreuz verlassen!  Auch die Musikgruppe werden Uli und ich weiter begleiten. Wir machen jetzt eine Pause von ca. einem halben Jahr, damit der neue Mitarbeiterstab in Ruhe Laufen lernen kann und seinen Weg findet.

Liebe Blaukreuz-Familie, auf ein baldiges Wiedersehen irgendwann und irgendwo!

Herzliche Grüße – verpackt in der Liebe unseres treuen Heilandes Jesus Christus!

Uli und Doris Prothmann aus Cuxhaven


Erinnerungen an Bookholzberg

Die nachfolgenden Gedanken hat uns Kirsten Lafrentz aus Cuxhaven geschrieben. Es ist auch ein kleiner Rückblick auf das Haus Hohenböken / Bookholzberg bei Ganderkesee, das dem Blauen Kreuz viele Jahre als Domizil für Seminare und Treffen diente. 2017 hat sich der HVLG, ehemaliger Eigentümer des Landheimes, von dieser Immobilie getrennt, sodass dort auch ein Stück Blaukreuz-Geschichte zu Ende gegangen ist. Leider können wir diesen gelungenen Beitrag von Kirsten erst jetzt veröffentlichen, da es mit dem Support in Sachen Website-Relaunch beim Blauen Kreuz etwas länger gedauert hat:

Rückblick & Gedanken ...

02.11.17: Heute abend geht es nach Gut Ankelohe zum dritten Gruppenleiterlehrgang mit Hans-Jürgen Homann. Erinnerungen werden wach.

Suchtkrankenhelferlehrgang (»Sukrahe«) 2014

... mit Andrea Schmidt, Tjard Jacobs und Hans-Jürgen Homann. Das erste Wochenende im März 2014 war für mich der Start in ein befreites neues Leben in Cuxhaven – am Wasser. Wir waren die erste Gruppe, die drei Unterrichtsblöcke im ersten Jahr absolvierte und die letzte Gruppe unter der Leitung von drei Ausbildern.

Damals gehörte ich noch zum Blaukreuz Elmshorn – Martin Schmidt ermutigte mich zur Teilnahme, denn ich war ja erst anderthalb Jahre trocken und lebte bei meinem immer noch trinkenden Ehemann. Durch den »Sukrahe« und unsere wunderbaren Ausbilder habe ich sehr viel von mir – dem entwurzelten Schattenkind – kennengelernt. Ich habe mein Selbstwertgefühl wiedergefunden, bin achtsamer mit mir umgegangen. Habe wunderbare Menschen kennengelernt und Freunde gefunden.

Beim Durchblättern meines Sukrahe-Ordners (alles säuberlich abgeheftet), kam so manche Erinnerung. Hans-Jürgen Piepenburg (Bad Lauterberg) – am Anfang hat er mich genervt, zum Schluss waren wir Freunde und hatten sogar beim Seminarabschlussgespräch das gleiche Thema. Im Sommer 2017 war er der Erste, der von uns gegangen ist. In Bookholzberg habe ich mich wohlgefühlt, Zimmer mit Dusche, gutes Essen, schöner Seminarraum, tolle Umgebung zum Spazierengehen und Gedanken schweifen lassen.

Morgens um 7 Uhr der erste Kaffee, das Klönen in der »Raucherecke« – so manches schöne, wichtige Gespräch fand hier statt. Für mich mit Günther, Norbert, Hans, Reiner und vielen anderen. Der Spaß und das Rumalbern kamen auch nicht zu kurz. Die schwungvollen Kirchenlieder aus dem Liederheft Blaues Kreuz, begleitet von Andrea´s Gitarre, habe ich gern mitgesungen. Auch die Rollenspiele und so manche Jesusgeschichte, von Tjard sehr gut »rübergebracht« und auf die heutige Zeit übertragen, haben mir den christlichen Glauben sehr gut vermittelt und näher gebracht.

Unsere Abschlussfete, die mit einem super Wochenende für das Festkomitee zur Vorbereitung in Cuxhaven bei strahlendem Sonnenschein begann, hat uns allen gefallen. Am letzten Wochenende im Oktober 2015 war es dann soweit, alle Teilnehmer bestanden die Prüfung. Im Beisein unserer Gruppenleiter (Dank an Martin und Magret Schmidt) fand zum Abschluss ein festlicher Gottesdienst (Predigt Carsten Hesselbarth, Blaukreuz Uetersen) statt.

Zwei Wochen später bin ich mit Hilfe von Blaukreuz-Freunden auf die andere Seite der Elbe gezogen – nach Cuxhaven. Für mich war der Suchtkrankenhelferlehrgang ein Weg zum befreiten, selbstbestimmten Leben. Danke nochmal an »meine« drei Ausbilder. Heute wohne ich in meiner kleinen, kuscheligen 1-Zimmer-Wohnung in Cuxhaven gleich hinter dem Deich mit Blick auf die Schiffahrt. Ich habe zwei kleine Jobs, die mir Spaß machen und mir ein finanziell unabhängiges Leben ermöglichen. Die vielfältigen kulturellen Angebote einer Touristenstadt nutze ich gern – sie machen das Leben lebenswert, genauso wie die Spaziergänge am Strand.

Kirsten Lafrentz
Gesprächskreis für Suchtabhängige und Angehörige
Freundeskreis des Blauen Kreuzes


 

Interview mit Thomas aus Oldenburg

Thomas, Du lebst schon sehr lange abstinent. Die Wege aus der Sucht sind sehr individuell – wie war das bei Dir?

Von der Erkenntnis, dass ich nur total alkoholfrei (über-)leben kann, bis zur tatsächlichen Freiheit waren es noch einige bittere Jahre. Hilfreich war, dass ich dann drei Monate später auch mein süchtiges Kettenrauchen „an den Nagel gehängt“ und mein Fernsehgerät aus der Wohnung verbannt habe – das war dann tatsächlich ein völlig neues Leben, welches ich mir vorher nicht hätte vorstellen können.
Ich wollte nicht meine Suchtmittel austauschen, sondern wieder am wahren Leben teilnehmen. Inzwischen lebe ich längst gerne im Jetzt und träume nicht von irgendeiner „guten alten Zeit“, die in Wirklichkeit aus viel persönlicher Not und Elend bestand. 

Inwieweit hat Dir das Blaue Kreuz beim Ausstieg aus der Sucht geholfen?

Da, wo vorher meine Suchtmittel regierten, war mit meiner Abstinenz ein Vakuum entstanden. Aber aus dem Leerraum wurde ein Lernraum und heute zuweilen ein Lehrraum. Gottes Wort und die Blaukreuzgemeinschaft haben mich getragen, aufgerichtet und ich habe gespürt: hier steckt mehr dahinter, als nur Wille und Kraft von Menschen. 
 

Du bist bei der Vertreterversammlung 2017 in den Vorstand des Landesverbandes Niedersachsen gewählt worden. Was war für Dich ausschlaggebend, auf höherer Ebene aktiv mitzuarbeiten?

Schon seit einigen Jahren arbeite ich regelmäßig bei der Gestaltung und Durchführung von Seminaren mit. Insofern ist eine Arbeit im Landesvorstand nur ein Folgeschritt in dieselbe Richtung. Ich habe in meinem Leben in Sachen Sucht sehr viel Lehrgeld bezahlt. Das, was ich erfahren und erhalten habe, möchte ich weitergeben.
 

Du leitest in Oldenburg zwei Begegnungsgruppen. Was erwartet Besucher, die zum ersten Mal dabei sind?

Besucher erwartet ein klarer Rahmen mit liebevollem und achtsamen Umgang untereinander. Der „Neue“ darf sich Vorstellen, er braucht sich aber nicht (mehr) Verstellen, denn er darf sich (endlich) so geben, wie er ist. Ich betreibe kein „Umerziehungslager“! Die Erfahrung in den Gruppen zeigt allerdings, dass viele Gruppenfreunde das, was ihnen vorgelebt wurde, nach und nach gerne übernommen haben.

* Nachtrag von Thomas: 
Die Liebe, die wir an unsere Mitmenschen weitergeben, hat Bestand.

Herzlichen Dank für das Interview und weiterhin viel Freude bei Deinen Aufgaben in den Gruppen und beim Landesverband!

(Interview IAB)

Thomas Wendt

Heidi aus Elmshorn hatte uns im Jahr 2016 ein sehr persönliches Gedicht geschrieben. Es geht um die besondere Bedeutung, die das Blaue Kreuz in ihrem Leben hat. Diese Zeilen möchten wir auch auf die »neue« Website des Landesverbandes übernehmen.

 

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