Zum ersten Mal: Sommerfest der Duisburger Sucht-Selbsthilfe

Obwohl Zusammenarbeit in der Selbsthilfe wichtig ist, kommt sie oftmals zu kurz. Was die Selbsthilfe vom ersten „Sommerfest der Duisburger Sucht-Selbsthilfe” lernen kann.

„Gemeinsam sind wir stark” - Dieser Satz ist allzu oft auf den Internetseiten von
Selbsthilfeorganisationen zu lesen. Dennoch wünschen sich viele Mitglieder der
Sucht-Selbsthilfe eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Organisationen. „Was der

Bauer nicht kennt, frisst er nicht”, so beschreibt Rolf, Gruppenleiter der Kreuzbund-
Selbsthilfegruppe in Meiderich, die Skepsis, die teilweise zwischen den

Organisationen bestehe. Dabei könne jede Gruppe von den Erfahrungen anderer Gruppen
lernen, so der Duisburger.
Aufgrund der finanziellen Kürzungen im Sozialbereich ist die Bündelung von Ideen, Wissen
und Ressourcen wichtiger denn je. So sind die Mittel für die Suchtprävention aus dem
Bundeshaushalt von 13,2 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 9,2 Millionen Euro im Jahr 2024
gesunken. In NRW gibt es für 2025 Sozialkürzungen in Höhe von 43 Millionen Euro. Auch
die Zuweisungen an die Suchthilfe fallen geringer aus. Wobei an vielen Stellen
Sozialkürzungen zurückgenommen oder umgeschichtet werden konnten, wie Hartmut
Krabs-Höhler, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege NRW, erklärt.

Umso wichtiger ist es, dass es Veranstaltungen wie das „Sommerfest der Duisburger Sucht-
Selbsthilfe” gibt. Am 6. Juli haben sich zum ersten Mal 44 lokale Gruppen von den

Anonymen Alkoholikern, ALOS Freundeskreis, Blau Kreuz, FASD, Guttemplern und dem
Kreuzbund für eine gemeinsame Feier zusammengefunden. So wurde das Stapeltor, ein
soziokulturelles Zentrum in der Duisburger Innenstadt, zur Wohlfühloase für Suchtbetroffene.
Live-Musik und Lesungen bereiteten den Gästen großen Spaß. Doch abgesehen von dem
vielfältigen Bühnenprogramm und dem schmackhaften Fingerfood, zeigte sich an diesem
Sonntag einmal mehr, wie wichtig die Kooperation für die Sucht-Selbsthilfe ist.
Sei es in der Raucherecke oder bei einem Mocktail im Aufenthaltsraum - der
Erfahrungsaustausch an diesem Tag war enorm. Dagegen sei der Selbsthilfetag in den
2000er-Jahren nur „Selbstdarstellung” gewesen, erinnert sich Rolf, der seit 1990 bei den
Anonymen Alkoholikern ist. Veranstaltungen wie das Sommerfest würden zeigen, dass die
Organisationen - „Gott sei dank” - nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Dass es solche
Möglichkeiten zum gegenseitigen Kennenlernen gibt, weiß er sehr zu schätzen.
Auch Kendra Zwickler von der Selbsthilfekontaktstelle der Paritätischen in Duisburg sowie
Mitorganisatorin des Sommerfestes weiß, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen den
Organisationen ist. Im Jahr 2009 - zum Beginn ihrer Karriere - habe es noch wenig
Austausch gegeben. „Und das obwohl alle dasselbe Ziel hatten”, erinnert sie sich. Deshalb
organisiert die Selbsthilfekontaktstelle seit 2017 zweimal im Jahr gemeinsame Treffen mit
den Leitern der Duisburger Selbsthilfeorganisationen.

Das erste Ergebnis war ein Faltblatt mit allen relevanten Informationen zur Sucht-Selbsthilfe
im Stadtgebiet. “Es war ein kleiner, aber wichtiger Schritt”, erklärt Zwickler. Außerdem
ermöglichte die Selbsthilfekontaktstelle in Kooperation mit den Duisburger
Selbsthilfegruppen, dass das Rheinhauser Bertha-Krankenhaus in diesem Jahr als
“selbsthilfefreundliches Krankenhaus” zertifiziert wurde.
Vor wenigen Monaten machte Stephan Hander, Vorsitzender des Kreuzbunds Duisburg,
einen weiteren Vorschlag: Ein gemeinsames Sommerfest. Mit seiner Frau besuchte er vor
drei Jahren ein Sommerfest der Sucht-Selbsthilfe in Mülheim. Die Handers waren so
überzeugt von dem Konzept, dass sie sich dachten: „Warum gibt es so etwas nicht in
Duisburg?”.
Das Ziel sei gewesen, für einen Tag einen Ort zu schaffen, der auch für nicht unmittelbar
Suchtbetroffene offen ist und auf die Angebote der Sucht-Selbsthilfe aufmerksam macht.
Ersteres ist dem Organisator nicht gelungen. Vor allem erfahrene Mitglieder besuchten an
diesem Tag das Stapeltor. Jedoch ist es der Austausch der engagierten Ehrenamtler, der
richtungsweisend für die Zukunft der Sucht-Selbsthilfe ist. Und selbst wenn es für einige
Besucher nicht mehr als ein bisschen Gequatsche mit altbekannten Gesichtern war, hat das
erste „Sommerfest der Duisburger Sucht-Selbsthilfe” seinen Zweck erfüllt.

Marwin

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