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Lebensberichte

Lebensberichte

Das Dankeschön von Thorsten zum 120. Jahresfest

Sehr geehrte Damen und Herren,  Als erstes möchte ich mich vorstellen. Ich heiße Thorsten, bin 21 Jahre alt und seit März 2012 Jugendstrafgefangener der JSA Regis-  Breitingen.  Seit meinen 13. Lebensjahr sind Drogen und Alkohol mein Alltag.  Mit 16 kam ich zur Droge Heroin, ein Gefühl von Wärme, Geborgenheit, Liebe usw.…  In diesem Rausch hat es mir an nichts gefehlt, konnte negative Erlebnisse verdrängen einfach nur da sein und nichts weiter. Der Entzug war geprägt von Krämpfen, Schmerzen die bis ins Unerträgliche gingen.  Meine Kriminelle Laufbahn begann.  Machte mich auf den Weg Geld zu besorgen mit Einbrüchen Diebstählen und Raub.  Arbeiten gehen hab ich es immer genannt, und es war auch so etwas wie Arbeit,  bloß das ich auch Weihnachten, Neujahr und auch an Wochenenden arbeiten gehen musste. Die Konsequenzen waren mir egal, hauptsache ich konnte mich wieder im nächsten Rausch verlieren, mir das Glück in die Vene spritzen, mich in Watte packen lassen, fühlen wie ein Gott.  Nichts desto trotz ging mein Leben bergab… Freunde wanden sich von mir ab wollten nichts mit einem Junkie zu tun haben. Bin nur noch zu meiner Mutter wenn ich etwas brauchte.  Jetzt fühlte ich mich echt einsam zumindest in den Momenten wo ich klar bei Verstand war.  Ich selbst hab gar nicht mitbekommen wie sehr ich mich verändert habe, mein Handeln, mein Denken, meine komplette Persönlichkeit hatte sich um 180 Grad gedreht.  Alles drehte sich nur noch um Stoff und Geld.   Nach einiger Zeit habe ich den Mut gehabt meiner Mutter zu erzählen dass ich heroinsüchtig bin. Aber sie wandte sich nicht ab hat mich unterstützt in den Höhen und Tiefen meiner Abhängigkeit.  Letztendlich hat mich die Inhaftierung vor meinem totalen Absturz bewahrt.  Hier habe ich gelernt anders über meine Abhängigkeit zu denken. Habe wieder einen geregelten Tagesablauf und sogar eine Ausbildung begonnen. Und hier habe ich das Blaue Kreuz kennengelernt. Anlässlich des 120. Geburtstags des Blauen Kreuzes möchte ich in Namen aller Jugendstrafgefangener Danke sagen. Danke dafür, dass jemand da ist und sich zusammen mit den Jugendstrafgefangenen und ihren Problemen beschäftigt. Danke dafür dass sie sich die  Zeit nehmen um mit uns über Gott und die Welt zu sprechen.  Und vor allem für die Unterstützung in diesem schweren Lebensabschnitt. Ich denke durch ihnen haben viele von uns Begriffen das es wichtigeres im Leben gibt als Drogen und Alkohol und das es sich lohnt für ein Suchmittelfreies leben zu kämpfen.

Danke Blaues Kreuz 

Mirko berichtet aus der JVA

Mein FreundesbriefDie letzten Wochen in meinem Leben vor meiner Inhaftierung waren sehr „krass“ gewesen.Ich habe die ganze Zeit gewusst,dass ich in den Knast muss,und das für eine lange Zeit.Alles lief drunter und drüber.Ich war ein außer Kontrolle geratener Idiot.Jeden Tag habe ich mich mit Alkohol und Drogen weggemacht.Um ehrlich zu sein,ging das fast sechs Jahre lang,seit dem Tod meines Vaters!Es war zwar mein Stiefvater,aber für mich war er der Größte.Ich habe ihn immer als meinen Papa angesehen,ich habe ihm schließlich viel zu verdanken.Als Beispiel hierfür gilt meine abgeschlossene Lehre als Elektriker,auf die ich sehr stolz bin.Na ja, zu guter Letzt bin ich auch noch mit meiner Mutter total zerstritten.Das war für mich schon Grund genug zur Flasche zu greifen.Hier drinnen in Haft wurde ich wiederbelebt,oder besser gesagt wachgerüttelt!Durch meinen Chef,der in meinen Augen ein sehr guter Mensch istund durch die Hilfe des „Blauen Kreuzes“ habe ich endlich wieder Lust aufs Leben bekommen.Auch durch andere Menschen,die ich hier kennenlernen durfte.Es sind nun zwei Jahre vergangen,und mir wird immer mehr klar,dass nicht die anderen schuld an meinem „verkorksten“ Leben sind,sondern dass ich an mir was ändern muss.Meine Mutter hat mich nach langer Zeit wieder besucht,die Sprachlosigkeit ist zum Glück vorbei.Es geht auch ohne Drogen und Alkohol!!!Mit Hilfe des „Blauen Kreuzes“ will ich versuchen,ein anderer,besserer Mensch zu werden.Vielen Dank an alle,die mir die Augen öffnetenund versucht haben mich auf die richtige Bahn zu bringen.

Das Zeugniss von Andrea zu ihrer Taufe

Der Wendepunkt in meinem LebenAls Kind hat mir meine Oma immer wieder aus der Bibel vorgelesen. So wusste ich das es Gott gibt, dachte aber, dass es ausreichend ist als Baby getauft zu sein und an besonderen Feiertagen zur Kirche zu gehen.  Dieses war mir wie eine Art Lebensversicherung. Trotzdem blieb in mir das Gefühl auf der Suche zu sein. Heute weiß ich, es war die Suche nach Gott. Der frühe Tod meiner Mutti sowie meine eigene Erkrankung ließen mich Gottes große Liebe und Nähe ganz intensiv erleben. Als jedoch der Schmerz leidvoller Erfahrungen nachließ, war ich schnell wieder auf dem falschen Weg. Ich wollte mein Leben selbst in die Hand nehmen und drängte Gott an den Rand meines.Als mich den beruflichen Anforderungen nicht mehr gewachsen fühlte, griff ich zu Suchtmitteln. Anfang 2011 verursachte ich deshalb einen schweren Verkehrsunfall unter Alkoholeinfluß.  Gott bewahrte andere, meine Familie und mich vor Schlimmeren. Das wurde zum Wendepunkt in meinem Leben. Ich ging zur Langzeitreha nach Elbingerode. Gebete der Gemeinde und die Begleitung meiner Familie, Freunde und Therapeuten ließen mich zu der Entscheidung kommen, mein Leben im Dezember 2011  Jesus zu geben. So konnte ich frei werden. Mit meiner Taufe möchte ich bezeugen, dass Jesus mein Herr ist und das ich fortan nur noch mit ihm und für ihn leben möchte.

Christina erzählt wie sie frei wurde

Mein Name ist Christina und ich bin alkohol-  und drogenabhängig.20 Jahre war ich in der Hölle. Zuerst ging es mir noch gut, wenn die Flasche  voll war. Aber der Entzug kam immer schneller  und ich musste immer schneller „nachtanken“.  Das war wirklich höllisch. Dann begann die  Talfahrt, zuerst langsam, dann immer schneller. Erst war die Arbeit,  dann die Wohnung weg … Freunde hatte ich schon lange keine mehr. Ich war obdachlos,lebte auf der Straße und aus der Mülltonne.  So war mein „Leben“ … immer mit der Angst zu  wenig Alkohol und zu wenig Drogen zu haben und woher das Geld zu nehmen? Es war ein höllischer Kreislauf. 1981 war ich endlich so  kaputt, dass ich aufhören konnte. Da war ich 27 Jahre alt und fast tot. Meine Mutter hatte die Zwangseinweisung und Entmündigung beantragt. Sie konnte es nicht mehr aushalten, mir beim Sterben zu zusehen. Nach einer 18monatigen stationären Therapie und mit Hilfe der Freunde aus den Selbsthilfegruppen lernte ich zu leben „ohne“. Am Anfang war es sehr mühsam. Der Schuldenberg blieb und der Gerichtsvollzieher kam noch sehr oft zu mir, elf Jahre um genau zu sein. Alles was ich in der Saufzeit nicht getan hatte, fiel mir jetzt nüchtern auf die Füße und doch wusste ich inzwischen schon, dass Saufen und Drogen nehmen keine Lösung ist und dass der Alkohol und die Drogen nicht meine Freunde sind.  Dann 1981 lernte ich jemanden kennen, der mir half neu anzufangen. Der mich annahm, so wie ich war. Der mir half, auch wenn ich betrunken war. Der bei mir war im Entzug. Sein Name ist Jesus Christus.Heute bin ich 31 Jahre trocken und clean und dankbar, dass ich leben darf. Alles, was am Anfang so hoffnungslos aussah, ist erledigt. Kein Gericht, kein Gerichtsvollzieher wollen noch etwas von mir.  Mein Leben ist leicht und hell geworden. Ich bin  gesegnet und in einer Gemeinde, die mich liebt und die ich liebe. Im August 2007 war meine Taufe und ich bin jetzt Mitglied beim Blauen Kreuz und darauf bin ich sehr stolz. Aber das Größte ist und bleibt, dass Gott mich liebt und Dich auch.  In diesem Sinne trockene 24h und Gottes Segen und seine Bewahrung für jeden, der heute aufhören will mit dem Alkohol und den Drogen und neu anfangen möchte.

An dem Tag meiner Konfirmation habe ich das erste Mal Alkohol getrunken, da war ich 14. Es war ein Glas Sekt, das mich von innen erwärmte, und ich merkte, dass es mir schmeckt und es eine positive Wirkung auf mich hat. Immer öfter probierten wir jetzt auch im Freundeskreis wie viel wir vertragen können. Zu dieser Zeit habe ich aufgrund meines Rückenproblems ein Korsett getragen, ich hatte eine Sportbefreiung. In der Schule wurde ich gehänselt, hatte Minderwertigkeitsgefühle und habe mich nie wirklich wahrgenommen gefühlt… und dann kam der Alkohol, der mir all diese schlechten Gefühle weggenommen hat. Ich habe zu der Zeit mit meiner Familie auf dem Land im Gemeindehaus eines kleinen Dorfes gewohnt, und musste zur Christenlehre gehen. Eigentlich war meine Kindheit sehr schön, es war ein großer Garten direkt am Haus, mit einem Fluss als Begrenzung und einigen Obstbäumen, in dem ich alle Freiheiten genießen konnte.  Umso mehr habe ich unter dem Korsett und der damit verbundenen Bewegungsunfähigkeit gelitten. Da ich immer schon sehr dünn war, habe ich nicht viel Alkohol vertragen, jedoch konnte ich damit vor meinen Freunden protzen, da ich immer sehr schnell ziemlich angeheitert war, ohne viel Geld dafür ausgeben zu müssen. Es kam wie es kommen musste, die Leistungen in der Schule sanken, und Bier und Schnaps wurden immer wichtiger. Da das Korsett mein Rückenleiden nicht lindern konnte, wurde ich im Alter von 15 Jahren operiert. Nach der Operation war ich froh: statt des Korsetts hatte ich nun einen Stab zum Halten des Rückens in mir, leider half auch das nicht lange. Die Verkrümmung meines Rückens war so schlimm, dass der Stab gebrochen war und eine zweite OP anstand. Im Krankenhaus lernte ich Menschen kennen, die kifften, auch gegen ihre Schmerzen. Ich sah das als gute Alternative zu Tabletten und habe meinen ersten Joint geraucht.   Am Anfang war es sehr unregelmäßig, ich hatte noch keine Kontakte und wusste nicht woher ich das Zeug bekommen konnte. In der Schule musste ich dann die 10. Klasse wiederholen und kam so in Kontakt mit Mitschülern, die regelmäßig kifften. Nun bot sich mir öfters die Gelegenheit nach der Schule ein Joint zu rauchen und vorerst trank ich weniger Alkohol, da ich zu dieser Zeit die Mischung von Alkohol und Kiffen noch nicht so gut vertrug. Irgendwann musste ich mich auf meinem Dorf zwischen den Säufern (mein alter Freundeskreis) und den Kiffern entscheiden. Leider entschied ich mich für die Kiffer und verlor dadurch einen guten Freund – was ich bis heute bereue. Schon in den Anfängen schaffte es die Droge Freundschaften zu zerstören. Für meine Ausbildung zog ich nach Thüringen in ein kleines Dorf und begann dort eine Ausbildung. In der Berufsschule saß zufällig ein Dealer gleich neben mir. Mit der Zeit kamen die ersten Kontakte zur linken Szene, in der ich immer besser lernte, beide Drogen (Alkohol und Kiffe) zu kombinieren. Mein Leben stand auf der Kippe, mein Eltern lebten in Scheidung, ich fühlte mich vogelfrei. Mit 17 erwachte ich mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus.  Nach nicht einmal 1,5 Jahren habe ich diese Ausbildung beendet. Ich sehe das heute als großes Glück, wer weiß wo ich mit der Szene noch hingeraten wäre. Mein Weg führte mich zurück in das Dorf meiner Schulzeit. Ich besuchte 2001 zum ersten Mal eine Suchtberatungsstelle. Bis zur ersten Entgiftung in Elbingerode dauerte es jedoch noch fünf Jahre. Durch die Kontakte meines Vaters begann ich in einem Betrieb als Minijobber zu arbeiten, das schaffte mir genug Zeit und Geld, um mich jeden Tag abzufüllen und zu kiffen, bis ich mich nicht mehr bewegen konnte. Auch ein späteres Alkoholverbot der Kollegen half nicht. Immer wieder erwachte ich in Situationen, die ich mir nicht erklären konnte.Der einzige, der mich noch besuchen kam, war mein Dealer.  Meine Lebensumstände machten mir mehr und mehr Angst, ich wusste morgens nicht mehr, was ich abends getan hatte. 2006 ging ich zur Entgiftung. Ich konnte keinen zusammenhängenden Satz mehr sprechen.  Als ich nach Hause kam, war alles wie vorher. Ich begann meinen Alkoholkonsum als nicht ganz normal zu erkennen…und stürzte weiter ab. Ende 2006 entschied ich mich für die Aufnahme in einer geschlossenen Entgiftung. Von dort ging es zur Langzeittherapie. Bei der ersten Heimfahrt gab es erst Alkohol und dann auch wieder Joints. Trotz sechsmonatiger Therapie gab es mehrere Rückfälle.  Familiäre Konflikte führten zu dem Entschluss in eine Nachsorgeeinrichtung zu gehen. Dort blieb ich ein halbes Jahr und trank trotzdem wieder häufiger. Das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde, habe ich missbraucht. Der christliche Samen wurde jedoch gelegt. Auch wenn ich den Menschen dort sehr dankbar war, fasste ich den Entschluss wieder zu gehen. Mein Vater bot mir an, immer wieder nach Hause zu kommen, das war mein Untergang. Die alten Dealer waren schnell wieder da, es gab nochmal einen schlimmen Rückfall von ca. drei Monaten. Mein Vater warf mich raus, und ich war obdachlos.  Drei Monate musste ich noch einmal richtig verlieren, nicht nur Freunde, sondern auch gegen den Alkohol. Eines Morgens wachte ich in einer Wohnung auf, ohne Strom, ohne Möbel, auf dem Boden schlafend mit einer Flasche Bier in der Hand und der Erinnerung an die ersten abstinenten Tage in der Therapie. In diesem Moment entstand der Wunsch in mir, mit dem Trinken aufzuhören. Ich wünschte einen Tag, an dem ich nicht mehr anfange, mich auf den nächsten Rausch zu freuen. Ende 2007 ging ich inzwischen zum fünften Mal zur Entgiftung und konnte dort so lange bleiben, bis erneut ein Therapieplatz gefunden war. Ich wollte mir keinen Plan mehr machen, wann ich das nächste Mal wieder saufen kann. Ich erinnerte mich an die Predigt während meines ersten Aufenthaltes in Elbingerode „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber Gottes Liebe nicht“ ... mir war bewusst, dass Gott in meinen Gesundheitsprozess mit hinein musste. Es war Gottes Geschenk, dass ich das zweite Mal innerhalb eines Jahres eine Langzeittherapie beginnen konnte, und diese auch noch eine christliche Einrichtung war. Die Menschen dort nahmen mich an, Menschen, die selber betroffen waren, machten mir Mut. Bibelstunde und Gottesdienste gaben mir Kraft, ich wollte mich mit Menschen umgeben, die es geschafft haben. Die Ruhe und die Abgeschiedenheit gaben mir Halt und ließen mich mein Leben wieder neu ordnen. Bis heute bin ich dankbar … ich habe erlebt, dass Gott meine Gebete erhört.

Ein Sinnfreies leben?Mein Name ist René, ich bin 38 Jahre alt und komme aus Glauchau.  Schon in meiner Kindheit spielten Alkohol und Tabak wesentliche rollen. Meinen Vater traf man nach Feierabend in seiner Stammkneipe und Sonntags war es normal, dass ich meinen Vater aus der Kneipe zum Mittagessen abholte, genauso wie zu jeder Feierlichkeit gesoffen wurde. Nein das Umfeld prägte mich und meine Freunde. Mit 6 Jahren zogen wir das erste Mal an Zigaretten. Dennoch verlief meine Kindheit bis 1990 weitgehen normal. Ich war 12 Jahre alt und Schule langweilte mich. In der chaotischen Zeit bis 1992 interessierte es von offizieller Seite niemanden, dass ich nicht zur Schule ging. Ich stand mit älteren Jungs vor der Schule und wurde zum Maskottchen. Das wer der Einstieg in die rechte Szene.  Hinzu fand ich Anerkennung und fühlte mich verstanden. Das trinken von Bier und Rauchen war für mich als Zwölfjähriger ja nichts Unbekanntes. Aber jetzt trank ich selber und dachte: das ist der Sinn meines Lebens. Saufen, Prügel und absolut keine Regeln. So lebte ich in den Tag hinein und auch Gewalt wurde zur Sucht. 1992 absolvierte ich einen Förde – Lehrgang. Das hätte der Beginn eines ordentlichen Lebens werden können, jedoch flog ich aus der sich anschließenden Lehre nach ein paar Monaten wieder raus und die Sucht und Gewaltinteressen wurden immer extremer. Auch eine neue Lehre änderte daran nichts. Mit 14 Jahren hatte ich die ersten Gerichtsverhandlungen und ich traf immer auf verständnisvolle Richter. Es gab Verwarnungen, Arbeitsstunden und als ich 16 war zum ersten Mal eine Haftstrafe auf Bewährung. Mit 18 Jahren war dann Schluss mit Verständnis und ich kam in Haft. Aber Haft konnte mich nicht erschrecken. Ganz im Gegenteil. Ich erlebte die Jugendhaft als quasi Rechtsfreien Raum. Auch hier spielte Gewalt eine große Rolle und ich wurde immer mehr zu einem Tier!  Bis zu meinem 30stem Lebensjahr hatte ich 9 Jahre Haft hinter mir und war mittlerweile auf Drogen. Drogen waren in Haft immer einfacher zu bekommen als Alkohol und heute kann ich sagen, dass ich Selbstmord auf Raten beging. Ich konnte nicht aufhören und konsumierte alles was verfügbar war. Alkohol spielte aber immer die größte Rolle. Im Jahr 2009, nach einer Woche C und massiven Alkoholkonsum, kam es wieder zu einer Prügelei. Dabei habe ich einem Menschen das Leben genommen. Ich möchte hier aus Respekt für Steffen, nicht auf Details eingehen und bitte um Ihr Verständnis dafür. Ich wurde in Spanien verhaftet und bekam eine Haftstrafe von Elf Jahren, mit der Möglichkeit Therapie im Maßregelvollzug zu machen. Ich war bis Ende 2012 in Haft und habe da weiterhin konsumiert. Ich wusste ich muss meine Leben ändern. Ich konnte mit den Schuldgefühlen nicht leben.  Nun ich habe in den letzten 4 Jahren Therapie gemacht, hart an mir gearbeitet und meine Jacqueline Lebenspartnerin kennen gelernt. Durch sie habe ich Kontakt zum Blauen Kreuz bekommen. Ich hatte die Ehre Roberto Ihle kennen lernen zu dürfen, dessen Leben, dem meinem im sozialen gleicht. Seit ich im Rahmen der Lockerungsstufen an der Mittwochsgruppe teilnehmen darf, habe ich noch keine verpasst! Für Menschen da sein, das gibt meinem Leben einen Sinn und ich bin dankbar, dass ich dies erfahren durfte.

Mein Name ist Patrick, ich bin 23 Jahre alt und verbüßte eine Haftstrafe von 2 Jahren und 8 Monaten in der JSA Regis-Breitingen. Dort lernte ich Dieter und das Blaue Kreuz kennen. Dies soll ein Geschenk für die Menschen sein, die mir in meiner Haft mit meiner Sucht geholfen haben,das mit so viel Freude und Hingabe taten und mich damit faszinierten. Das ist meine Geschichte: Am 18.09.1994 wurde ich in Gardelegen in Sachsen-Anhalt geboren und wohnte mit meiner Mutti, meinem Vater und meiner Schwester in einer kleinen Gemeinde in der Altmark. Ein Jahr später bekamen wir Zuwachs durch meinen Bruder, eine sehr wichtige Person in meinem Leben. Ich hatte eine sehr gute Familie, hier und da ein paar Probleme, aber das kommt in den besten Familien vor. 2001 wurde ich eingeschult wie jedes Kind, besuchte regelmäßig die Grundschule und hatte Spaß mit meinen Freunden. 2003 zogen wir nach Sebnitz in der Sächsischen Schweiz. Auch hier lief jahrelang alles fast reibungslos. Fast!? Mein Vater war, seit ich denken kann, Alkoholiker und trank sich jeden Tag in den Rausch. Destotrotz hatte ich eine behütete Kindheit. Als ich 12 wurde, war ich das erste Mal betrunken, auf einem Dorffest. Das wiederholte sich öfters und mein Bruder fing auch an zu trinken. Irgendwann, nach wiederholtem Male, als ich und mein Bruder betrunken nach Hause kamen, ließen unsere Eltern uns das nicht mehr durchgehen.  Schließlich hatten wir dann einen Termin beim Jugendamt, um über die Trinkerei zu reden. Das half allerdings nicht viel. Das Betrunkensein häufte sich an und der Stress mit der Polizei blieb auch nicht aus. Wieder bekamen wir Besuch vom Jugendamt und die Sache spitzte sich immer weiter zu. Bis eines Tages der Schlag ins Gesicht kam. Man trennte mich und meinen Bruder, er kam in ein Kinderheim und ich blieb bei meinen Eltern zu Hause. Von diesem Tag an verstand ich die Welt nicht mehr. Wie konnten sie uns nur trennen!? Dadurch wurde es nicht besser. Wir trafen uns weiter, weil wir uns nicht trennen wollten - verdammt, wir sind Brüder! Wir tranken zusammen weiter. Bis zu dem Tag, an dem wir jemanden verprügelten und wegen schwerer Körperverletzung angezeigt wurden. Zu diesem Zeitpukt war ich 14 Jahre alt. Damit begann eine kriminelle Laufbahn für mich. Meinen Bruder schickten sie in eine Langzeittherapie nach Thüringen. Ich blieb bei meinen Eltern. Ich wechselte die Schule nach Heidenau. Dort lernte ich sehr schnell neue Freunde kennen. die mich in die Rechte Szene führten. Ich trank jeden Tag Alkohol und prügelte mich durch Dorffeste, Jugendclubs und Kneipen. Ich wurde in der Region schnell durch gewisse Aktionen bekannt und größere Leute wurden auf mich aufmerksam. Schnell war klar, dass das nicht gut geht, aber das habe ich nicht eingesehen. Eines Tages war ich in meinem Lieblings -Jugenclub und traf dort Personen von den jungen Nationalisten an, die Situation eskalierte ziemlich schnell. Ich prügelte mich mit Zwei von ihnen, bis man mich aus der Situation herauszog. Ich sah besser aus als die beiden Anderen.Irgendwann kam ich nach Dresden in die Szene und dort lief es noch mehr aus dem Ruder. Ich lernte Leute aus der Hooligan Szene kennen, aber das war nicht meine Liga, es war mir zu hart. Ich trank allerdings öfter mit Jungs. Irgendwann wurde ich Abends auf dem nach Hause Weg abgefangen und ziemlich brutal verprügelt. Ich sah komplett demoliert aus. Das war der Schlussstrich in der Szene und ich zog mich daraus zurück. Zu diesem Zeitpunkt saß ich zu oft bei der Polizei und vor dem Richter. Auch Drogen wie Cannabis und Crystal waren gefragt bei mir. Daraus machte ich allerdings noch ein Geheimnis. Mit 14 kiffte ich öfter mal und ab und zu zog ich Crystal. Ziemlich schnell wurde die Droge zur Gewohnheit und zur selben Zeit schmiss ich alles hin. In die Schule ging ich nicht mehr, meine Eltern waren getrennt, meine Mutter zog mit ihrem neuen Freund nach Hamburg und mein Vater wurde immer mehr in den Bann des Alkohols gezogen. Und es machte mich kaputt - zu sehen, wie er unter Allem gelitten hatte. Zudem wurde noch mein Bruder inhaftiert - ein Schlag, der mir den Boden unter den Füßen wegriss. Von da an widmete ich mich nur noch dem Drogenkonsum.  Ziemlich schnell steigerten sich die Ausmaße meines Cannabiskonsums auf 300g im Monat und das zog sich dann Monate, Jahre lang. Der Crystalkonsum stieg ins Unermessliche. Jeden Tag die gleiche Kacke: Nächte durchmachen, Feiern, Raub und räuberische Erpressung. Jeden Tag machte ich andere Scheiße. Alles hatte so unglaubliche Ausmaße, die ich nicht mehr kontrollieren kann und nie kontrollieren konnte. Ich habe radikal abgenommen, so, dass es nicht mehr schön aussah. Komplett eingefallenes Gesicht, abgemagert und im Kopf konnte ich nicht mehr klar denken. Alles drehte sich um den nächsten Joint, um die nächste Bahn, um den nächsten Rausch, der nichts brachte, außer mich weiter kaputt zu machen. Ich wurde paranoid, depressiv, verschlossen, agressiv, meine Persönlichkeit wurde komplett gedreht, ich war nicht mehr der Selbe und werde es nicht mehr sein. Bei jeder Krise habe ich mehr Drogen genommen, aber keines meiner Probleme waren gelöst. Unglaublich, was mit mir passiert war, ich war ein reibungsloses Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Meine Depressionen wurden schlimmer und ich fasste den Entschluss, jeden meiner sozialen Kontakte in den Wind zu schießen. Jetzt konnte mir keiner mehr helfen. Ich habe jedem den Rücken gekehrt, was mich noch mehr zerstört hat. Immer weiter verlor ich mich in dem Konsum. Selbst zu meiner Familie hatte ich keinen Kontakt mehr. Ich wusste einfach nicht mehr weiter und wurde so feinselig, so allein mit meinem Leiden, dass ich mir wünschte, dass mein Leben eindlich vorbei sei. Keine Kraft um mich aufzurappeln. Hilfe, die ich bekam, schlug ich in den Wind und von der Welt wollte ich nichts wissen. Ich verletzte mich häufig selbst. Mit meiner Rasierklinge habe ich mir die Arme aufgeschnitten, um irgendwie etwas zu spüren. Um irgendwie an mehr Drogen zu kommen, kamen noch mehr Straftaten dazu. Ich brauchte Geld, egal wie, ich brauchte es und ich kam immer an Geld, um mich weiter zu zerstören. Mal wurde ich erwischt, aber viel zu oft nicht, weil ich wusste, wie ich davon kam, um nicht von der Polizei erwischt zu werden. Und mal wieder war ich vorm Richter. Zum fünften Mal! Ich war 20 Jahre alt und habe mal wieder Bewährung bekommen. Mal wieder davon gekommen! Hatte die Entscheidung zwischen Knast oder Therapie. Ich war ein Wrack - richtig abgefuckt. Also versuchte ich die Therapie in Hof Fleckenbühl. Zwei Wochen und ich war weg, das war nichts für mich. Also hieß es Knast. Bevor es allerdings so weit kam, ging es zurück in das alte Umfeld und alles lief so weiter wie vorher. Depressionen, Drogen, abgeschottet, nur für mich alleine. Was sollte jetzt noch helfen? Ich wusste es einfach nicht. Mein Stellungsbefehl kam und ab da gab es keinen Weg zurück mehr. Gedanken plagten mich, was wohl passieren würde. Wie würde ich die Zeit nur überstehen...Es kam alles anders, als ich dachte. Ich traf Leute von früher wieder, hatte einen geregelten Tagesablauf und Essen. Woche für Woche ging es mir wieder besser, es war unglaublich für mich. Mein Lebenswille kam wieder und ich konnte wieder klarer denken. Mehr Freude kam in mein Leben. Auch im Knast kann man Freude haben. Ich lernte Dieter Kappler und das Blaue Kreuz kennen und war sehr erstaunt darüber, dass es Menschen gibt, die sich um solche Menschen wie mich kümmern. Dieter sagte immer wieder, dass wir etwas Besonderes sind, wie viel harte Arbeit und Kraft wir in das Leben gesteckt haben und wieder versuchen aufzustehen. Sie haben mir geholfen wieder klar zu kommen und viel weiter zu denken, was mal in Zukunft sein wird. Ich habe in meiner Haft viel geschafft, was mich weiter und neu gestärkt hat, weiter an mir zu arbeiten und zu kämpfen und mein Leben wieder in die richtige Richtung zu lenken. Ich habe meine Schule geschafft, Qualifizierter Hauptschulabschluss, Facharbeiter als Fachlagerist und Gabelstapler- Führerschein. Gute Vorraussetzungen für ein geregeltes Leben. Ich bin bereit weiter zu machen, um an mir zu arbeiten und endlich in ein neues Leben zu gehen.

Vielen Dank Blaues Kreuz !

Hallo, ich bin Elke und ich bin 43 Jahre alt. Ich bin alkohol- und medikamentenabhängig. Ich bin in einer Familie groß geworden, in der regelmäßig Alkohol getrunken wurde. Für mich war das normal. Wenn meine Eltern Gäste hatten und der Alkohol zur Neige ging, fand ich es total normal, dass ich dann in die Kaufhalle gegangen bin, um Nachschub zu besorgen. Mit 13 Jahren durfte ich zu Hause auch ab und zu ein Bier trinken. Mit 14 Jahren hatte ich meinen ersten Vollrausch. Ich trank immer mehr Alkohol. Bei meiner ersten Ausbildung bei der Bahn habe ich auch nach der Schule oft Alkohol getrunken, teilweise auch während der Schule. Als ich im Sommer im Ferienlager bei der Bahn in der Küche gearbeitet habe, habe ich schon früh vor dem Aufstehen das erste Bier getrunken. Unsere Lehrmeister haben uns den Alkohol damals gekauft. Einer ist immer ein paar Kilometer mit dem Moped ins nächste Dorf gefahren. Er kam dann mit 1-2 Bierkästen zurück, die er in seinem Hänger transportiert hatte. Nach meiner ersten Ausbildung mit 19 bin ich Zuhause ausgezogen. Ab da habe ich täglich Alkohol konsumiert. Während meiner 2. Ausbildung in der Altenpflege, habe ich pro Tag 1-2 Flaschen Wein getrunken. Ich habe oft auch schon früh vor der Schule oder vor der Arbeit getrunken, was dann auch Probleme in der Schule gab. Ich wurde oft von Dozenten darauf angesprochen, dass ich alkoholabhängig sei – das habe ich damals anders gesehen. Als ich dann in der Pflege gearbeitet habe, habe ich täglich getrunken und mich geschnitten. Ich habe meist noch in der Probezeit, wegen meinem Alkoholkonsum und meinem selbstverletzenden Verhalten die Kündigung bekommen.Ab 2006 war ich sehr oft in der Psychiatrie. 2010 wurde mein Sohn geboren. Während der Schwangerschaft und in der Stillzeit habe ich nicht getrunken. Nach der Trennung habe ich allein mit meinem Sohn gelebt. In dieser Zeit habe ich wieder täglich getrunken. Vom Jugendamt bekam ich die Auflage, eine Entwöhnungstherapie zu machen. 2014 war ich dann zur Langzeittherapie. Danach war ich über zwei Jahre abstinent. 2017 hatte ich einen Rückfall. Eine Freundin von mir kannte jemanden vom Blauen Kreuz, so bin ich in der Klinik in Elbingerode gelandet. 2017 war ich zur Entgiftung in „Elbi“ und zwei Mal zur Stabilisierung. In Elbingerode waren regelmäßige Besinnungen. Sonntag war ich da im Mutterhausgebäude zum Gottesdienst. In diesem Jahr habe ich zum Glauben gefunden.2018 habe ich mich wieder vom Glauben entfernt. In dieser Zeit habe ich wieder gelogen und geklaut, ich hatte wieder ständigen Suchtdruck. Meine Blau-Kreuz-Gruppe hat mir immer wieder gesagt, dass ich auf dem falschen Weg bin. Sie haben meine Launen ertragen, aber sie sind drangeblieben. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Ich war dann im Herbst 2018 in „Elbi“ zur Stabilisierung. Derzeit bin ich dort zur Reha und habe mit einem Christen meine Schuld vor Jesus gebracht. Für mich ist klar, dass ich meinen Weg mit Gottes Hilfe gehen möchte.

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