Von der Straße zum Bundesverdienstkreuz am Bande (von Manfred Kluth)

 

Worte, die mich begleiten
Ich bin umhergezogen, hab überall gesucht. Bin hin und her geflogen, als wäre ich auf der Flucht. Bin niemals lang geblieben, gehörte nirgends hin. Von Sehnsucht angetrieben, bis ich bei dir gelandet bin.

Vorwort: Wege in die Sucht, Auswege zum Leben
Manchmal, so in stillen Stunden, denke ich vor mich hin und kann es fast nicht glauben, dass ein Mensch so vieles aushalten und durchstehen kann. Aber es ist tatsächlich so geschehen, wie es hier geschrieben steht. Und meine Geschichte hat tatsächlich etwas – und manchmal sogar sehr viel – mit dem Glauben zu tun. Zu guter Letzt war es der Glaube an mich selbst. Ich danke allen Leserinnen und Lesern, die sich für diese Geschichte Zeit nehmen und sie lesen.

Spätsommer im September 1943 und Krieg
In der Kriegszeit im Sommer 1943 weilten meine Familienangehörigen in Freiburg. Meine Mutter war alleinerziehend, und das Leben unter Kriegsbedingungen verhärtete sich zusehends. In der Hoffnung, ihre Lebensverhältnisse könnten sich verbessern, wenn sie einen Mann kennenlernt, ließ sie sich auf einen Soldaten der deutschen Kriegsmarine ein, der zu der Zeit in Freiburg im Urlaub war. Über das Kreisjugendamt erfuhr ich später, dass dieser Soldat – mein Vater – aufgrund seiner Haltung gegen das Hitler-Regime erschossen wurde. Hochschwanger und bereits mit fünf Kindern, stand meine Mutter nun erneut allein da.

Geboren am 02. Mai 1944
Wir schrieben das Jahr 1944, als ich, in den Kriegswirren in Deutschland, in der wunderschönen Stadt Freiburg zur Welt kam. Da meine Mutter eigentlich auf der Flucht war und schon fünf andere Kinder hatte, war der Beginn meines Lebens sehr schwer. Um mir einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen, gab meine Mutter mich direkt nach der Geburt zur Adoption frei. So landete ich im Säuglingsheim Katharinenstift in Freiburg.

Einfaches Leben bei einer bäuerlichen Familie
Dort verbrachte ich die ersten drei Jahre meines Lebens, bis mich Landleute aus dem Heim holten, um mich auf einen kleinen Bauernhof in Rammersweier bei Offenburg mitzunehmen. Doch wir verstanden uns nicht so gut, denn diese Landsleute hatten ganz andere Vorstellungen und Erwartungen, die ich scheinbar nicht erfüllte. Ich sollte Bauer werden, aber irgendwie haben es diese Leute nicht verstanden, mir diesen Umstand schmackhaft zu machen. Stattdessen wurde nur kommandiert und geprügelt. Das waren Bedingungen roher Gewalt und so verschloss ich mich diesen Leuten immer mehr.
Auf dem Hof lebte man streng katholisch und die Menschen gingen oft in die Kirche. Auch ich ging mit und lernte in der Kirche Mutter Maria kennen, und ich sah Jesus am Kreuz hängen. An Weihnachten stand eine große Krippe in der Kirche. Ich träumte, einmal in dieser Landschaft im Heiligen Land leben zu dürfen, da, wo Jesus geboren wurde und lebte. Obwohl ich fast 10 Kilometer laufen musste, ging ich gerne in diese Kirche in Weingarten bei Offenburg. Ich fand dort immer ein bisschen Frieden.
Mit neun Jahren arbeitete ich bereits sehr hart und sehr viel. Es hätte mir vielleicht sogar Spaß gemacht, wenn es nicht so viel gewesen wäre und wenn auch mal ein freundliches Wort oder so etwas wie Liebe im Spiel gewesen wäre. Stattdessen war die zwischenmenschliche Beziehung zwischen mir und meinen Pflegeeltern auf dem Nullstand. Ihre Erziehungsmethoden waren brutal und in der meisten Zeit ungerecht. Eine seelisch-menschliche Entfaltung in dieser Atmosphäre war für mich damals nicht möglich. Ich bekam tagtäglich Stockprügel und wurde angeschrien. Der Umgangston bestand ausschließlich aus Brüllen und Schreien. Der kindliche Wunsch nach Heimat, Schutz und Geborgenheit sowie Liebe konnte in dieser Umgebung nie gedeihen. Mit derartiger Behandlung war ich nicht fähig, irgendetwas zu erlernen, da ich unter diesem Druck keine Lernbereitschaft mehr aufbrachte.
Ebenfalls mit neun Jahren entdeckte ich den Mostkeller unseres Hofes. Ich kannte den Geruch des Kellers gut und liebte ihn. Ich trank gerne Most und Wein. So kam es oft vor, dass ich betrunken auf dem Feld stand und mit Rüben nach den Kühen warf oder vorbeilaufenden Menschen alle möglichen Frechheiten an den Kopf warf.
Unter diesen Umständen zu Hause konnte ich keine guten schulischen Leistungen erbringen, war in einem dauerhaft erschöpften Allgemeinzustand und schlief in der Schule ein. Meine Lehrer wurden daraufhin auf mich aufmerksam und nahmen Kontakt zum zuständigen Jugendamt auf.

Erwartungen nicht erfüllt, Heim für schwer erziehbare Kinder in Baden Baden Lichtental
Die Zustände waren so kritisch, dass man sich entschloss, mich, den schwer erziehbaren Jungen, in ein Heim zu bringen. Das Kreisjugendamt war auch dieser Meinung und auch der Lehrer an der Dorfschule schloss sich dieser Ansicht an. Und so brachte man mich auf Umwegen über Riegel, wo man mich nicht wollte, nach Baden-Baden-Lichtental in ein Waisenhaus der Stulz-Schriever’schen Einrichtungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Das Haus war wohl eine Facheinrichtung für Prügelpädagogik.
Das ständige lieblose Anschreien, Kommandieren und all die Bestrafungen in diesem Heim zerrissen mir meine Seele noch mehr. Voll aufgestauter Wut und Frust, die ich jahrelang in mir ansammelte, beging ich im Alter von 12 Jahren eine schwere, aber für das Heim wegweisende Straftat. Gemeinsam mit einigen anderen jungen, betroffenen Heimkindern verprügelte ich eine mir verhasste Erzieherin. Daraufhin erlebte das Heim eine pädagogische Neuentwicklung vom Feinsten. Die Verhältnisse wurden von Tag zu Tag besser und wir Kinder und Jugendlichen bekamen sogar die Möglichkeit, eine Ausbildung im Heim zu absolvieren.
Manchmal erinnere ich mich an die Zeiten im Waisenhaus und an die dortige Bonifatius Kirche in Baden-Baden-Lichtental. Dort spielte ein Mann wunderschöne Melodien auf der Orgel. Ich fühlte mich in diesen Augenblicken besonders glückselig. Auch nach meiner Waisenhauszeit ging ich bei jeder Gelegenheit in eine Kirche und wartete, bis vielleicht jemand auf der Orgel spielte. Manchmal hatte ich Glück und ein kleines Stück Glückseligkeit kehrte in mich zurück.

Ausbildung in Offenburg
An meinem 14. Lebensjahr schickte mich das Jugendamt nach Offenburg in einen Café- und Konditoreibetrieb, wo ich den Beruf des Konditors erlernen sollte. Meine Schulzeugnisse waren recht gut und ich lernte gerne. Ob mir der Beruf letztendlich passte oder nicht, war nicht wichtig. Das Einzige, was zählte, war, dass ich im Betrieb wohnen konnte und zu Essen bekam, erklärte mir das Jugendamt damals. Bäcker hätte ich auch werden können, das wollte ich allerdings nicht, denn da hätte ich noch früher aufstehen müssen.
Es wurde eine harte Lehre. Viele Tritte in den Hintern sollten mich in Schwung bringen. Der Lehrmeister rauchte zwar, aber er war ein wahrer Konditormeister. Er war ein begnadeter Meister seines Faches und ich lernte sehr viel bei ihm.

Mit 17 Jahren schon vogelfrei und heimatlos
Mit 17 Jahren fing ich dann ebenfalls an zu rauchen. Am Tag meiner Gesellenprüfung wurde gefeiert und ich trank zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder Alkohol. Und das wurde mir zum Verhängnis. Meine Seele war ausgebrannt und ich kannte nichts Zwischenmenschliches. Ich war mit allem allein, ich war einsam, ich war eigentlich mit siebzehn schon fertig mit allem, was lebenswertes Leben sein soll. Aber ich kämpfte mich weiter durch, so gut es eben ging. Nach Feierabend ging ich in die Kneipe und betrank mich regelmäßig. Wo hätte ich schließlich sonst hingehen sollen?

Alkoholsucht die nächste Lebenskatastrophe
Schon mit 25 Jahren wusste ich, dass ich ein Säufer bin. Arbeit hatte ich zwar in Fülle, doch genauso füllig habe ich meine Arbeitsplätze auch wieder verloren. In meinem Beruf hatte ich an jedem Arbeitsplatz Kost und Logis. Ging der Arbeitsplatz mal wieder verloren, stand ich auf der Straße. Ich fand eine Zeit lang schnell wieder eine neue Stelle, aber die ewige Sauferei machte jeden Neuanfang kaputt. Rückhalt in einer Familie kannte ich nicht, ich hatte nie eine Familie und so gesehen auch nie eine Heimat oder ein Zuhause, in dem ich aufgehen konnte oder verwurzelt war. Solche Voraussetzungen machten mir das Leben nicht leichter und den Suff zugänglicher, denn das Wirtshaus wurde zu meinem Wohnzimmer.
Manchmal nahm ich zwei Wochen lang keinen geliebten Rotwein zu mir. Vielleicht auch, weil ich mal wieder pleite war. Aber das waren die Momente, in denen ich immer wieder Gott fragte, ob er mir helfen würde. Es war so ein schönes Gefühl, mal wieder nüchtern zu sein und sich allgemein etwas wohler zu fühlen.
Bis zu meinem 30. Lebensjahr hielt ich dieses verrückte Leben, das nie ein Leben war, noch durch. Dann kamen die gesundheitlichen Einbrüche und die Zeiten der vielen langen Klinikaufenthalte. Mit 30 war ich ein vollendeter Alkoholiker.

Heil- und Pflegeanstalt in Kaufbeuren
Ich bekam eine Anstellung als Konditor in Kaufbeuren im Café Weberhaus. Wie immer trat ich meine Stelle an, in der Hoffnung, Fuß zu fassen und ein geordnetes Leben zu finden. Doch auch in Kaufbeuren wurde mir der Alkohol regelmäßig zum Verhängnis, sodass ich schwere Depressionszustände bekam. Mein damaliger Chef lies mich daraufhin in die Heil- und Pflegeanstalt in Kaufbeuren einweisen. Nach sechs Monaten verließ ich Kaufbeuren und bekam eine Stelle als Konditor in Lindau. Wie so oft ging am Anfang noch alles gut und ich erbrachte gute Arbeitsleistungen. Man war mit meinen beruflichen Leistungen eigentlich sehr zufrieden, aber ich bekam oft den Satz zu hören: „Er ist ein toller Konditor, wenn er nicht so saufen würde.“ Nach und nach ging auch diese Stelle verloren. Nach Ablauf meines Arbeitsvertrags ging ich als Konditor nach München. Auch dort hatte ich eine gute Einführungszeit und erfolgreiche Monate, in denen ich gute Arbeit leisten konnte. Doch auch in München kam wie so oft der große Absturz.
Danach verbrachte ich einige Jahre wohnsitzlos auf der Straße. Schließlich griff man mich halbtot in München an der Isar auf. Mein Schlafsack war den kalten Nächten nicht gewachsen und der rote Fusel gab mir den gesundheitlichen Notstand. Ich bekam Krampfanfälle und stank schlimmer als jeder Hühnerstall oder Hundehaufen. Einmal pinkelte ich einem Wirt am frühen Morgen vor die Kneipentür und einmal wachte ich in einer Küche der mir unbekannten Gaststätte auf und ließ mich dann von der Polizei abführen.
Ich war – wenn auch nur selten – nüchtern und bekam einen Platz auf dem Oktoberfest. Innerhalb von zwei Wochen, das hatte ich tatsächlich durchgehalten, verdiente ich einen satten Lohn. Danach folgte jedoch mein endgültiger Untergang. Nachdem alles versoffen, teilweise auch geklaut oder verloren war, kam ich von der Straße nicht mehr hoch.

Gabersee bei Wasserburg
So kam ich in die Heil- und Pflegeanstalt nach Gabersee bei Wasserburg. Auch dort verbrachte ich sechs Monate, in denen ich versuchte, wieder auf die Beine zu kommen. In meiner Zeit dort entdeckte ich den Kunstraum, der in mir Erinnerungen an meine Zeit im Waisenhaus in Baden-Baden Lichtental weckte. Einer meiner Lehrer brachte mir damals das Malen bei. Ab diesem Zeitpunkt fing ich an zu malen. Dieses Hobby sollte mich bis ins späte Alter begleiten und mir in schweren Zeiten helfen. Heute sage ich: "Malen bedeutet, der Seele eine Stimme zu geben."
In dieser Heil- und Pflegeanstalt malte ich viele Bilder, für die ich bei meiner Entlassung einen Geldbetrag als Startkapital für mein neues Leben bekam. Mit diesem Startkapital und einem Rucksack voller Hoffnung fuhr ich nach Freiburg, in der Hoffnung, endlich eine Heimat finden zu können.
Wie so oft war der Anfang verlockend schön, denn auch dieses Mal bekam ich eine Stelle als Konditor. Ein Jahr lang ging aller gut, selbst den Alkohol verbannte ich aus meinem Leben. Dann kam der Rückfall, denn was ich immer mit mir trug, waren meine Depressionen. So ging ich in die einzige Kneipe, die es in Horben weit und breit gab und aus einem Glas Wein wurden drei Jahre Alkoholtragödie.
Nach drei Jahren und einigen missglückten Versuchen, trocken zu werden, landete ich schließlich mehr tot als lebendig in der Nervenklinik, nachdem ich mit Krampfanfällen auf der Straße aufgefunden wurde. Ich verfiel ins Delir, hatte mit halluzinationsähnlichen Zuständen zu kämpfen und war von Ängsten geplagt. Über einen Zeitraum von circa 12 Wochen bekam ich hochdosierte Medikamente. Nach diesen Wochen war ich erstmals wieder in der Lage, mit dem Krankenhauspersonal zu kommunizieren und auf Fragen zu antworten. Ich war wieder in der Lage, Nahrung zu mir zu nehmen. Körperlich war ich aber trotzdem noch sehr kaputt, ich zitterte und konnte noch eine lange Zeit keine Tasse heben oder Besteck nutzen. So kam es, dass mir eine junge Krankenschwester beim Essen half und mir in diesem Zuge eine Moralpredigt hielt. Ich schämte mich vor ihr, weil ich so verwahrlost war. Sie sprach offen mit mir und stellte alles in Frage, was ich bisher gelebt hatte. Wie recht sie hatte und wie sehr sie mir mit diesen Gesprächen geholfen hatte, wurde mir erst später bewusst. Dieser Krankenschwester versprach ich am 10. Mai 1976 schließlich, nie wieder Alkohol zu trinken, und zwar für den Rest meines Lebens. Ich habe mein Versprechen gehalten, aber die Zeit danach war steinig. Dies war der Beginn einer lebenslangen Alkoholabstinenz.

Beginn eines neuen Lebens ohne Alkohol
Die Jahre nach meinem Entzug und der Beginn meiner Suchtmittelabstinenz waren nicht leicht. Aber ich konnte alles viel besser meistern. In der Zeit nach diesem Aufenthalt in der Nervenklinik in Freiburg stellte ich immer wieder fest, dass Gott mir dort einen Weg gewiesen hatte. Später fand ich in meiner Vergangenheit einige weitere dieser Wegweiser, die ich damals allerdings nicht sah. Auch in meinen schlimmsten Zeiten suchte ich regelmäßig den Kontakt zu Gott und bat ihn, mir aus der Alkoholsucht zu helfen.
Heute bin ich seit 47 Jahren trocken. Es war die wichtigste Entscheidung in meinem Leben. Es war ein langer Weg für meine Seele, endlich Heimat zu finden und nun in Frieden leben zu dürfen.

Der Weg in eine Selbsthilfegruppe
Ich hatte wieder Kraft, Energie und Lebenswillen. Ich hatte den Drang, mit Gott im Dialog zu bleiben und zu Menschen in eine Gruppe zu gehen. Es waren Leidensgenossen, betroffene Menschen, die ähnliche Geschichten erlebten wie ich.
In der Gruppe erlebte ich zwischenmenschliche Beziehungen und Gemeinschaft, in der zusammengehalten wurde. Ich erlebte Gemeinschaft mit Gott, zusammen mit meinen Freunden in der Gruppe des Blauen Kreuzes. Die Menschen in der Gruppe gaben mir unglaublich viel Kraft.
Im Blauen Kreuz sind alle Menschen willkommen, die von Suchtkrankheiten betroffen sind. Sie haben oft eine Sehnsucht nach einem neuen Leben, einem Weg, einer Hoffnung und einer besseren Zukunft. Diese Menschen sind in die Abhängigkeit geraten, weil sie in ihrem Leben persönliche Lebenskatastrophen durchlebt haben oder mit schwierigen Dingen im Leben nicht fertig geworden sind. Doch die Sucht war bei der Lebensbewältigung nur ein Umweg, kein Ausweg! In den Begegnungsgruppen treffen sich Suchtkranke mit oder ohne Angehörige. Viele Betroffene sind zu Beginn sehr skeptisch und zweifeln, ob sie es schaffen können, „clean“ zu werden. Nicht selten scheinen die Probleme für sie zu groß zu sein. Gerade hier machen Menschen Mut, die glaubhaft erzählen, die Sucht überwunden zu haben und den beschwerlichen Weg in ein neues, geordnetes Leben mit allen Schwierigkeiten gefunden zu haben.
Dabei hilft außerdem der Glaube an Jesus, der in der Gruppe bezeugt und einladend vermittelt wird. So erfahren die Hilfesuchenden, dass man nie allein ist und durch Gott Heilung und Kraft erfahren kann. Die Vergangenheit kann dabei nicht mehr rückgängig gemacht werden. In der Gruppe lernen die Betroffenen, den Mut für die Zukunft aufzubringen und die angebotene Hilfe zu nutzen. Unsere Gemeinschaft trägt die Menschen, die Menschen tragen unsere Gemeinschaft. Nicht alle Probleme aus der Vergangenheit können gelöst werden, auch nicht von den professionellen Helfern. Aber in den Gruppen des Blauen Kreuzes lernen die Menschen damit umzugehen.
Gott hat noch nie versprochen, dass er dem Menschen alle Probleme aus dem Weg räumt. Aber er gab uns und mir immer wieder Werkzeug, um Aufgaben und Probleme zu lösen. Er ging meinen Weg immer mit mir, er zeigte mir dabei immer wieder die Richtung, die ich einschlagen sollte. Aber ich war nicht immer gehorsam und habe nicht das gemacht, was Gott mir vorgeschlagen hatte. So musste ich oft die Wege noch einmal gehen und einsehen: Gott hatte Recht, aber ich war mal wieder bockig. Gott fragte mich immer: Ich habe dir genug Verstand mitgegeben und was hast du daraus gemacht?

Gemäldeausstellungen
Bis heute begleitet mich das Malen, sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten. Ich habe das große Bedürfnis, meine Bilder den Menschen in Form von Ausstellungen zu zeigen, und gleichzeitig den Betrachter zu fragen, ob er in den Bildern eine Stimme hört, die ihm etwas zu sagen hat.
Die Liebe zum Malen starb trotz meiner steinigen Lebensjahre nie. Das Malen war für mich seit dem Kindesalter ein Werkzeug, meiner Seele eine Stimme zu geben. Denn die traumatischen Jahre in meiner Kindheit waren mit ein Grund, weshalb mir im jungen Erwachsenenalter jegliches Werkzeug fehlte, um das Leben eigenständig zu meistern. Die seelischen Schäden konnte ich Jahre später in Form von Malen und vielen Gesprächen etwas heilen.

Ehrungen

Die Stadt Freiburg ehrt Manfred Kluth
Im Jahr 2012 war in Freiburg der Tag der Selbsthilfe. Dort wurde ich für meine Arbeit in der Suchtkrankenhilfe in Freiburg mit einer Auszeichnung geehrt.

Das Bundesverdienstkreuz am Bande
Im Februar 2013 übergab mir der damalige Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz am Bande mit der Bemerkung, ich sei ein Brückenbauer und eine Perle unter den Menschen, die mit mir zusammen ihren Weg in die Wahrheit und in den Sinn des Lebens gefunden haben. Für mich war dieser Augenblick der Höhepunkt eines bewegten Lebens, das schon eher einem Orkan gleichkommt. Ich sagte in meiner Schlussrede im großen Gerichtssaal im Freiburger Rathaus: „Ich würde heute nicht hier stehen, wenn meine Frau nicht in all den Jahren dabei gewesen wäre. Meine Inge war auch betroffen und wir gingen unseren Weg gemeinsam. Für all die Hilfe möchte ich unserem Herrn Jesus Christus und allen hilfsbereiten Menschen in den von mir besuchten Selbsthilfegruppen unendlich danken.“

Wertvolle zwischenmenschliche Begegnungen

Ich nennen die Menschen, denen ich besonders dankbar bin: Das waren die Gruppenkameradinnen und Gruppenkameraden im Blauen Kreuz und im Kreuzbund sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Freiburger Stadtmission. Das waren die Menschen im Verein Forum Weingarten 2000 e.V. und die Menschen, die mir im Schachklub Freiburg-West in Weingarten begegnet sind. Ich denke außerdem an meinen persönlichen Freund Anton und seine Familie.

Danke und Verehrung an seine Frau Inge
1978 lernte ich meine Frau Inge kennen – die Wende meines Lebens, denn Inge wurde mir von Gott geschickt. Ich war ich mit dem Kreuzbund Freiburg bei einem Seminar zum Thema Lebenshilfe in der Sucht. Dort lernte ich eine junge Frau kennen, die von der Sucht selbst betroffen war und wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut. Noch im gleichen Jahr wurden wir ein Paar. Ich sehe darin ein Geschenk Gottes, denn wir beide haben uns gegenseitig bis zum heutigen Tage unterstützen können, ein schönes und geordnetes Leben zu führen. Dafür bin ich sehr dankbar. Sie sagte einmal zu mir: „Wir beide sind auf dem Weg geblieben, aber es waren auch über 30 verrückte Jahre.“ Und Gott schickte mir nicht nur das Leben und meine Frau, sondern auch die Gabe, Selbsthilfe weiterzugeben, an die Menschen, die noch dort stehen, wo ich einmal war. Er schenkte mir aber auch die Gabe, schöne Bilder zu malen, die ich in Ausstellungen den Betrachtern zeigen darf. Und ich sage zu meinen Besuchern immer: „Jedes Bild ist ein Stück von mir. Es ist in mir entstanden und wenn ich es hergebe, dann gebe ich Ihnen ein Stück von mir. Behandeln Sie es gut!“

Ein Schlussgedanke
Heute bin ich 79 Jahre alt und schaue auf ein bewegtes und sehr steiniges Leben zurück. Die schönste Zeit meines Lebens war die Zeit, in der ich mit meiner heutigen Frau zusammengekommen bin. Ich glaube an Gott und an die Kraft des Gebetes. Ich wünsche allen Menschen auf dieser Welt Frieden und Gottes Segen und vor allem eine sichere Heimat.

Ihr Manfred Kluth

 

Impuls September 2023

aus dem Leben unseres Kameraden Manfred Kluth

„ Ein Stück Lebensweg aus der Sucht ist meine Freundschaft mit Gott. Ich denke an Jesus, er ist Mensch geworden um uns Menschen besser zu verstehen, ich werde niemals achtlos an ihm vorbei Laufen, ich bleibe stehen , ich möchte mit Gotte reden.  Das ist ein wichtiger Teil meines Lebens , „ die Freiheit mit Gott“

der Link zum Beitrag von Manfred Kluth: 

 

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