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Roth

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben“

Liebe Mitglieder und Freunde,

 

wir stehen am Anfang des Jahres 2020.

Keiner weiß, was auf uns in diesem Jahr zukommt. Ich bin gespannt, was das neue Jahr für mich, aber auch für unseren Verein und jeden von uns mit sich bringt.

Im Blick auf die Entwicklung in unserem Land, Europa oder weltweit sind Gedanken berechtigt, dass wir Menschen es schaffen, diesen Planeten zugrunde zu richten.

Ich denke, gerade auch deshalb ist es wichtig, uns mit Menschen zu umgeben, die uns guttun, die bei sich bleiben und die gemeinsam Pläne für ein fruchtbares Zusammenleben schmieden und so vielen Menschen wieder Hoffnung geben.

Die Jahreslosung 2020 ist gerade dazu auch eine Herausforderung:

         Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

                             Markus 4/24

Angespannt sitze ich im Wartezimmer meines Arztes, und hoffe auf ein gutes Ergebnis der vorangegangenen Untersuchung. Ich habe Angst, fühle mich hilflos. Einige Menschen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis mussten sich schon schweren Diagnosen stellen. Warum sollte ich ausgenommen sein?

Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Genau das spielt sich gerade in mir ab.

Ich glaube, ja ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass ich mich in Gottes Hand sicher fühlen kann, ihm ist nichts unmöglich. Im Gegensatz dazu sind Gedanken wie:

Warum sollte Gott mein kleines Leben kümmern?

Warum bin ich so unruhig und besorgt?

Wo bleibt mein Vertrauen auf Jesus?

Wenn es darauf ankommt, machen sich Zweifel breit.

Dabei habe ich schon so oft Jesu Nähe und Hilfe erlebt. Diese Erfahrung der Gewissheit aber auch des Zweifels haben die Menschen auch schon vor 2000 Jahren gemacht, auch wenn sie direkt mit Jesus unterwegs waren. Sie haben erlebt, wie er Stürme gestillt, Tausende speiste und Kranke heilte.

Und trotzdem machte sich bei der nächsten Herausforderung Hilflosigkeit breit.

Ich denke, wir Menschen sind heute nicht anders als unsere Vorfahren. Wir haben genauso schnell Ängste und Vorbehalte, wenn uns eine Situation überfordert. Es fällt schwer, gerade wenn Krankheiten oder andere Unwägbarkeiten kommen, das Vertrauen in die Richtigkeit des Weges zu behalten.

Gerade bei uns im Blauen Kreuz, in unseren Gruppen, wenn Menschen an ihrem Lebensweg

arbeiten, wird diese Jahreslosung 2020 sichtbar.

Aber auch wenn wir ganz persönlich an unsere Grenzen kommen, wenn Enttäuschungen oder Tod für uns erst einmal nicht verständlich sind, will uns Jesus an der Seite stehen.

Ich wünsche mir und jedem von Euch, dass im Jahr 2020 die Hoffnung und Freude gegenüber den Zweifeln überwiegen. Im Blick auf die gemeinsame Vereinsarbeit freue ich mich.

Herzliche Grüsse

Euer Ernst

Gemeinsam? Echt sein? Geht das?

 

Wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt, stellt man ganz schnell fest:

Gemeinsam ohne Konflikte geht nicht! Das müsste dann schon eine Perle einer Beziehung sein. Das müsste sowas wie eine Beziehung am Wochenende ohne Alltag sein. Gott dachte, so sagt die Bibel, dass es nicht gut sei, wenn der Mensch allein sei. Und so schuf er zum Topf den Deckel. In der Unterschiedlichkeit war das Konfliktpotential schon geboren. Überall eröffnen sich immer wieder in den Beziehungen neue Konfliktfelder. Warum? Weil wir unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse und Vorlieben haben. Und wenn diese sich begegnen, können Konflikte entstehen. Das setzt sich in den unterschiedlichen Lebensbereichen fort: Schule, Ausbildung, erste Liebe, dem Arbeitsleben, Ehe und Familie und Gemeinde. Dort wo mindestens zwei Menschen unterwegs sind, gibt es Konfliktpotential. Ja es gibt eine Art Konfliktfreiheit, aber die erfordert, dass ich immer wieder nachgebe und klein beigebe. Doch das ist keine Beziehung auf Augenhöhe. Durch unsere Unterschiedlichkeit, durch die Originalität jedes Einzelnen wird es immer auch Konflikte geben. Ist das aber problematisch? Nein! So wie die vier Jahreszeiten Teile eines Jahres sind, gehören Konflikte in unserem Alltag dazu. Das ist natürlich und real. Entscheidend für mich ist allerdings, auf welcher Ebene wir unsere unterschiedlichen Welt- und Lebensansichten miteinander austragen. Darum sind Zuhören und Nachdenken oft eine große Hilfe in einer Beziehung.

Manchmal ist es auch klug, in zwischenmenschlichen Beziehungen nachzugeben. Warum? Ich hörte den für mich hilfreichen Satz: Willst du dein Recht einfordern oder willst du Beziehung haben? Gemeinsam ohne Konflikte wird uns das bei aller Anstrengung nie komplett gelingen. Aber ich selbst entscheide, was daraus wird, weil zum Streiten immer zwei Menschen gehören. Wenn ich in meinem Gegenüber einen wertvollen Menschen sehe, bin ich eher bereit auch einmal zurückzustecken. Ein Konflikt, wird er auf einer gemeinsamen Ebene ausgetragen zerstört keine Beziehungen, sondern schafft neue Sichtweisen. Wenn ich spüre und merke, dass mein Gegenüber mich mit seiner Kritik nicht einstampfen, sondern mir helfen will, verliere ich im Konflikt nicht mein Gesicht und meine Würde. Ich höre zu und lerne dazu!

Und: Wieviel „echt sein“ verträgt gemeinsam? Passen gemeinsam und „echt sein“ wirklich zusammen? Oder ist das nicht ein spürbarer Widerspruch - gemeinsam und echt sein? Es ist oft schon schwer, allein zu sich selbst ehrlich und aufrichtig und echt zu sein.

 „Wir tragen viele Masken, und haben kein Gesicht, wir sprechen eine Sprache, verstehn einander nicht...“

Diese Liedzeile macht das schnell deutlich. Manchmal haben wir auch mehrere Maskengesichter: Anpassungsgesicht, wir lächeln mal Gesicht, alles kotzt mich an Gesicht.

Wie aber schaffen wir es beispielsweise in einer Gruppenatmosphäre, dass wir uns so zeigen können wie es uns gerade geht? Dort wo der eine oder andere ein Stück seiner Maske abnehmen und sich zeigen kann,

weil er/sie weiß: Hier verurteilt mich niemand, hier darf ich sein wie ich bin. Die Anderen halten mich in meiner Krise aus. Echt sein, die Lebensmaske abnehmen, sich in bestimmten Alltags-situationen zeigen, setzt also eine vertrauensvolle Atmosphäre voraus. Aber auch Mut, oft auch gepaart mit Leidensdruck. Ich will mich aufmachen, weil Leidensdruck und Perspektive da sind. Wieviel „echt sein“ verträgt gemeinsam?

Ich persönlich glaube:

Ich selbst muss es wollen echt zu sein.

Ich muss einen oder mehrere Menschen finden, die das gleiche wollen. Ich glaube, dass „echt sein“ in einer Gemeinschaft immer ein Prozess ist.

Dieser Prozess geschieht in unterschiedlichem Tempo, je nach aktueller Lebenssituation. Wer erlebt, wie der Lebenshorizont sich dadurch erweitert, wenn er sich zeigt und wenn er positive, anteilnehmende Rückmeldungen bekommt, der zeigt mehr von sich. Wer dieses Gefühl von echt sein dürfen bei sich selbst erlebt, der will mehr davon, denn es ist etwas, was auf der Ebene „befreit leben lernen“ geschieht.

Wollen wir positive, lebenswerte Lebensqualität, dann muss ich mich auf den Weg machen und für mich sorgen. Das ist ähnlich wie bei einem ungeschliffenen Diamanten. Erst nach dem Schleifen entfaltet sich die volle Schönheit. Wenn wir darauf achten, unsere Bedürfnisse und Gefühle zu erkennen, sind wir auf einem guten Weg.

Dies sind Gedanken zum Jahresthema 2019 von Matthias Kohlstedt, BK Referent.  Herzliche Grüße

Euer Ernst

 

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