"Lifeguard" (Lebensbegleiter)

Sucht-Selbsthilfe geht ins Gefängnis

Hinter „Lifeguard“ verbirgt sich ein offenes Angebot für alle Gefangenen der JVA Burg und deren Angehörigen. Die Besonderheit liegt darin, dass ehrenamtlich Mitarbeitende die inhaltliche Verantwortung tragen. Ziel ist es, zufriedene und dauerhafte Abstinenz bei einem straffreien Leben zu erreichen. Durch Einzel- und Gruppengespräche sollen eine Veränderung in der Lebenshaltung und eine adäquate Konfliktbewältigung bewirkt werden. Gemeinsamkeit ist, neben der Suchtproblematik, der Wunsch, das Leben positiv zu verändern und „den eigenen Weg“ aus der Sucht zu finden.

Unser Engagement gilt der Vorbeugung von Abhängigkeitserkrankungen ebenso wie der Hilfe für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, deren Angehörigen und Gefährdeten, mit dem Ziel, eine gesunde und suchtmittelfreie Lebensweise zu erreichen. Wir orientieren unser Handeln an den Bedürfnissen des Einzelnen. Unsere Angebote umfassen unter anderem:

  • Begegnung und Gespräche in alkoholfreier Atmosphäre
  • Information, Beratung, Selbsthilfe
  • Vermittlung in Selbsthilfegruppen im Land Sachsen Anhalt
  • Lebenshilfe und Begleitung in der Haft und nach einer Haftentlassung in Einzelgesprächen und Gruppen
  • Prävention
  • Öffentlichkeitsarbeit und Literatur

 

Nächstenliebe befreit

Für die Mitarbeitenden des Blauen Kreuzes in Burg ist das kein leerer Spruch. Sie glauben daran, dass Gott alle Menschen liebt, auch und gerade die gesellschaftlich Gescheiterten. Wenn ein Mensch erfährt, dass er nicht aufgegeben ist, obwohl er selbst längst schon resigniert hat, kann neues Leben möglich werden – nicht nur ohne neue Straftaten

Das Blaue Kreuz Burg gehört zum Blauen Kreuz in Deutschland und unterstützt als Suchthilfeverband suchtgefährdete und suchtkranke inhaftierte Menschen sowie ihre Angehörigen. Allerdings: Die Schuld von Straftätern soll nicht verharmlost werden. Straftäter müssen die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Aber irgendwann lassen sie das Gefängnis hinter sich zurück und werden wieder unsere Nachbarn und ein Teil unserer Gesellschaft. Wir möchten, dass sie es schaffen, ihr Leben neu auszurichten – ohne neue Straftaten und ohne Suchtmittel. Wo das gelingt, bleibt allen vieles erspart: Der Schaden anderer Menschen, auch Steuergelder für das Leben in Haft. Aber vor allem ersparen wir uns das Leid neuer Opfer, die es dann gar nicht erst gibt. So ist Suchtkrankenhilfe in der Straffälligenhilfe gleichzeitig Opferprävention und Opferschutz.

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat“ (Röm. 15,7) Jesus hat den Menschen angenommen und wertgeschätzt. Durch

 

Ansprechpartner

Daniel Laqua

Annahme möchte das Blaue Kreuz Burg den Besuchern seinerSelbsthilfegruppe Teilhabe ermöglichen, Hoffnung geben, sie mit Menschen in Kooperation bringen und ihre Stärken zu fördern und neue Strategien der Lebensgestaltung zu lernen. Zugleich werden ihre Schwächen anerkannt und sie werden ermutigt, bewusst mit ihnen umzugehen. Der Strafgefangene erhält dadurch die Chance eines Neubeginns.

Hilfsbereitschaft hat in den Gruppen einen hohen Stellenwert. Die Teilnehmer erleben, wie ein Miteinander und Füreinander gelebt werden und gesellschaftliche Verantwortung gestaltet und praktiziert werden kann. Der Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen und den Mitgliedern der Gruppen im Landesverband des Blauen Kreuzes sowie anderen Gruppen, fördert die Blickerweiterung, ermöglicht die Korrektur und das soziale Lernen. Auf diesem Wege möchten die Mitarbeitenden dem Strafgefangenen die Möglichkeit geben, Vertrauen zu entwickeln und das Selbstvertrauen stärken, dass sie einen Weg außerhalb der Straffälligkeit ohne Drogenkonsum und gewaltbetonendem Verhalten, in Würde und Gemeinschaft gestalten können.

Durch diese positive Gruppenarbeit wird der Frustration und der Isolation der Strafgefangenen ein deutliches Zeichen des Lebens entgegengesetzt.