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Wort in die Woche

Querdenker

In meiner Zeit beim Blauen Kreuz in Düsseldorf führte der Coach einer Supervision aus, dass ein nasser Alkoholiker „verrückt“ sei. Er führte hierzu aus, dass es nahezu unmöglich sei, mit einem Alkoholiker ernsthaft zu diskutieren, nicht nur über sein Trinkverhalten, da dieser eine ganz andere Wahrnehmung als ein Nüchterner habe. Er ist in der Eigensicht seiner Situation, in seiner Sichtweise der Dinge generell, „ver-rückt“ und stellt sich auf die Gegenseite der „Normalen“. Diese Feststellung hat mich mächtig beeindruckt und ist im Gedächtnis hängen geblieben.

Ein nasser Alkoholiker ist also in gewisser Weise ein „Querdenker“.

Gilt dies nur für Alkoholiker? „Querdenker“ ist ein Modewort für Menschen geworden, die sich an den Rand der Mehrheitsdenkens, ja an den Rand der Gesellschaft, des so genannten „Mainstreams“ stellen. Die allgemein gültige, zum Beispiel von der Wissenschaft erforschte Fakten und allgemeingültige Dinge des Lebens bestreiten.

Waren es früher nur vereinzelte Spinner und Sonderlinge, die zum Beispiel behaupteten, die Erde wäre eine Scheibe und an deren Rand würde man herunterfallen und anderes Krude mehr, wurde es im Verlaufe der Corona-Pandemie fast zu einer Massenbewegung.

Was wurde alles Absurdes behauptet. Covid gäbe es gar nicht, dies sei nur ein Vorwand, um der Weltbevölkerung unter dem Vorwand einer Impfung einen Chip einzupflanzen, damit dann Bill Gates. Soros und andere sinistre Gestalten die Menschheit unterjochen und steuerbar machen könnten.

Die Regierungen und Medien wären hierfür bereits willenlose Instrumente.

Nichts war so absurd, dass es nicht noch als vermeintlicher Beweis von finsteren Machenschaften angeführt werden konnte. Vernunft- und faktenbasierte Argumente wurden als Lügen und „Fakes“ abgetan.

Wer meint, es müsse doch irgendwann einmal wieder Vernunft einziehen, der sich im Verlaufe des Angriffs Russland auf die Ukraine enttäuscht. Da werden Kriegsverbrechen der Russen als selbst inszenierte Propaganda der Ukraine dargestellt, um die Russen bei ihrer ehrenvollen Sonderoperation zur Entnazifizierung der Ukraine zu diffamieren. Da finden Autokorsos hier lebender Russlanddeutscher statt, die ihre Diskriminierung aufgrund ihrer Unterstützung für die edlen Absichten des russischen Staatspräsidenten demonstrieren.

Man reibt sich verwundert die Augen und kratz sich den Kopf.

Ja - sind diese Menschen denn „ver-rückt“ geworden?

Die einfache Antwort lautet für mich, ja.

Ich sehe hier keinen Unterschied zwischen einem nassen Alkoholiker und einem dieser Querdenker.

Was bin ich doch froh, dass ich Alkoholiker bin.

Um wieder frei und selbstbestimmt leben zu können, war die einzige Möglichkeit für mich, mit dem Saufen aufzuhören und im wahrsten Wortsinn wieder einen klaren Kopp zu bekommen.

Diesen klaren Kopp wünsche ich auch vielen dieser Querdenker.  

 

 

 

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