Denkanstoß

Niedersachsen

Geschichte aus dem Leben ...

Das Erbe

Das Erbe, das meine Eltern mir überlassen haben, trage ich noch heute symbolisch in Form eines Halskettchens mit zwei kleinen Anhängern: ein Kreuz und ein Notenschlüssel.

Das Kreuz - meinen Glauben - haben mir meine Eltern sehr früh nahe gebracht. Obwohl wir sehr arm waren, bekam ich jeden Sonntag einen Groschen für die Kollekte beim Kindergottesdienst. Wir durften unsere Geldstücke in einen Sammelbehälter werfen, auf dem eine Puppe saß, die bei jedem Einwurf dankend mit dem Kopf nickte. Ich versuchte meinen Groschen möglichst in Pfennigen zu bekommen, weil ich das so schön fand, wenn die Figur sich "bedankte". Ich freute mich die ganze Woche auf den Sonntag und besonders auf die spannenden biblischen Geschichten im Kindergottesdienst.

Zu Weihnachten 1953 hörte ich draußen auf der Straße einen Lautenchor musizieren. Sie spielten für ein totkrankes Nachbarmädchen. "Jutta, leise rieselt der Schnee …". Sie sangen und spielten wie Engel. Ich wünschte mir, auch Gitarre spielen zu können. Eine eigene Gitarre war natürlich mein ganz großer Wunsch und meine Eltern deuteten an, dass dieser vielleicht beim nächsten Weihnachtsfest in Erfüllung gehen könnte.

Doch in dem Jahr, ich war gerade 12 Jahre alt, verstarb mein Vater mit nur 48 Jahren. Die Witwenrente meiner Mutter war sehr klein - sie schuftete an mehreren Putzstellen in der Woche, um uns zu ernähren. Es war für mich undenkbar, dass mein Weihnachtswunsch in Erfüllung gehen würde. Wie es meine Mutter dann doch geschafft hat, weiß ich nicht - aber ich bekam sie: meine Gitarre!

Der Pastor unserer Gemeinde vermittelte mir Gitarrenunterricht bei einem Mitglied des Lautenchors. Ich lernte fleißig und sah die Gitarre als meine Begleiterin in allen Lebenslagen. Schnell war ich im Lautenchor dabei und gründete in unserer eigenen Kirchengemeinde zusammen mit der Gemeindeschwester einen Gitarrenchor. Dieser wurde schnell bekannt und war sehr geschätzt, weil wir auch zu älteren Menschen, Kranken und Armen kamen und in Kinder- und Altenheimen sangen und spielten.

Die beiden Kettenanhänger - das Erbe meiner Eltern - der Glaube und das Gitarrenspiel, haben mich mein Leben lang begleitet, durch Freud' und Leid getragen und mich reifen lassen im Vertrauen auf Jesus Christus, meinem Freund und Bruder. Ich bin jetzt 74 Jahre alt und mein Erbe ist mehr wert als alles Gold der Welt - auch heute noch.

Ich wünsche allen eine gesegnete Zeit
Eure Doris

Nur eine kleine Geschichte

Doris aus Cuxhaven hat uns folgende nette Geschichte zukommen lassen

Dafür steht Blaues Kreuz!

Heidi aus Elmshorn hat uns ein bewegendes Gedicht geschrieben:

Bitter war mein Leben, als ich zu Euch kam.

Liebevoll nahmt Ihr mich auf,
  als man mir den Boden unter den Füßen wegnahm!

Alkohol deswegen??!! Nein, vielen Dank! 
  D
enn der machte mich ja einst erst krank!

Unsinn, sagt nur der, der den Kampf mit ihm nicht kennt!

Erfahrungen positiver Art zu machen,
  wenn der Schmerz in einem brennt!


Sonnenschein in ein dunkles Leben zu bringen;

Kellertöne bald nicht mehr erklingen!

Rituale und Regeln gehören zum gemeinsamen Bestand,
Erlebnisse mit Gleichgesinnten zu tragen,
  vereinen uns zu einem festen Band!

Unheil wird zusammen möglichst abgewendet;
Zeichen werden gesetzt, wenn jeder seine Botschaft sendet!

Heidi Meyer, Elmshorn

Die Welt in Ordnung bringen

Doris aus Cuxhaven hat uns wieder eine kleine Geschichte geschrieben:

Jeder kann einen kleinen Beitrag leisten, um die Welt etwas besser und noch lebenswerter zu machen. Das kann gelingen, indem wir bei uns selbst beginnen. Dazu auch die folgende kleine Kurzgeschichte, die mir sehr gefällt:

Ein Kind wollte mit seinem Vater spielen. Da dieser weder Zeit noch Lust zum Spielen hatte, kam ihm eine Idee, um das Kind zu beschäftigen.

In einer Zeitung fand er eine detailreiche Abbildung der Erde. Er riss das Blatt mit der Weltkugel aus der Zeitung und zerschnitt es in viele kleine Einzelteile. Das Kind, das Puzzles liebte, machte sich sofort ans Werk und der Vater zog sich zufrieden zurück. Aber schon nach kurzer Zeit kam das Kind mit dem vollständigen Welt-Bild. Der Vater war verblüfft und wollte wissen, wie es möglich war, in so kurzer Zeit die Einzelteile zu ordnen. 

"Das war ganz einfach!", antwortete das Kind stolz." Auf der Rückseite des Blattes war ein Mensch abgebildet. Damit habe ich begonnen. Als der Mensch in Ordnung war, war es auch die Welt."

(Verfasser unbekannt)

Gut zu wissen – Gelassenheitsspruch

Fast jeder von uns kennt ihn oder hat ihn zumindest schon einmal gehört oder gelesen – der sogenannte Gelassenheitsspruch. Die Wenigsten wissen aber, dass es neben dem weit verbreiteten ersten Vers auch noch einen zweiten gibt.

Übrigens, dieser Spruch entstammt nicht der Bibel. Ganz klären lässt sich die Urheberschaft dieser wunderbaren Zeilen aber nicht. Genannt werden zwei eventuelle Autoren:

Friedrich Christoph Oetinger (1702 – 1782), 
deutscher Theologe und Vertreter des Pietismus 
Reinhold Niebuhr (1892 – 1971), 
amerikanischer Theologe und Philosoph

Weitere Infos gibt es z.B. hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Christoph_Oetinger
https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhold_Niebuhr

Ganz gleich, wer sie geschrieben hat, wir dürfen heute dankbar sein für diese weisen Worte:

Gott gebe mir die Gelassenheit, 
Dinge hinzunehmen, 
die ich nicht ändern kann, 
den Mut, Dinge zu ändern, 
die ich ändern kann und die Weisheit, 
das eine von dem anderen zu unterscheiden.

Gott gebe mir Geduld mit Veränderungen, 
die ihre Zeit brauchen, 
und Wertschätzung für alles, was ich habe, 
Toleranz gegenüber jenen mit anderen Schwierigkeiten und die Kraft,
aufzustehen und es wieder zu versuchen, 
nur für heute
.

Wenn auch Du eine Geschichte auf Lager hast oder den aktuellen Denkanstoß kommentieren möchtest, schreib uns einfach eine  E-Mail.

Alles Liebe und eine gesegnete Zeit wünscht Euch 
Eure Ilo (IAB)

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