Denkanstoß

Niedersachsen

Engel der Langsamkeit

Über dem Bett meiner Großmutter hing ein Bild, das einen Engel zeigte, der ein Kind über eine Brücke geleitete. Das Schutzengel-Gebet gehörte zu meiner Kindheit wie Essen und Trinken. Nur einmal geriet meine Schutzengel-Kinderwelt ins Wanken. Ein Kind in der Nachbarschaft verstarb sehr plötzlich. Wo war in diesem Moment der Engel? Die Antwort meiner Oma »er war da und hat die kleine Jutta zu Gott gebracht«.

So war der Engel meiner Kindheit – einfach und unkompliziert, auch in schwierigen Situationen. Sicher ist das ein Grund, warum ich mich immer mal wieder mit Engeln beschäftige, gern darüber lese, was anderen dazu ein-  bzw. auffällt. Engel sind gute Gedanken Gottes für uns –  so hat es mal jemand gesagt. Warum eigentlich nicht? Ich habe oft schon Engel geschenkt bekommen und auch öfters Engel verschenkt. Eine Geschichte über den Engel der »Langsamkeit« berührte mich jedoch besonders:

Ein Engel hat immer für dich Zeit,
das ist der Engel der Langsamkeit.
Der Hüter der Hühner, Beschützer der Schnecken
hilft beim Verstehen und beim Entdecken,
schenkt die Geduld und die Achtsamkeit.
Das Warten können, das Lang und das Breit.
Er streichelt die Katzen bis sie schnurren,
reiht Perlen zu Ketten, ohne zu murren.

Und wenn die Leute über dich lachen
und sagen, das musst du doch schneller machen,
dann lächelt der Engel der Langsamkeit und flüstert leise:
Lass dir Zeit.
Die Schnellen kommen nicht schneller ans Ziel.
Lass den doch rennen, der rennen will.
Ein Engel hat immer für dich Zeit,
das ist der Engel der Langsamkeit …

Er sitzt in den Ästen von uralten Bäumen,
lehrt uns, den Wolken nachzuträumen,
erzählt vom Anbeginn der Zeit,
von Sommer, von Winter, von Ewigkeit.

Und sind wir müde und atemlos,
nimmt er unsern Kopf in seinen Schoß.

Er wiegt uns, er redet von Muscheln und Sand,
von Meeren, von Möwen und Land.

Ein Engel hat immer für dich Zeit, das ist der Engel der Langsamkeit.

(Verfasser unbekannt; Motiv Creaticve Commons, Pixabay)

Nun kam er wieder zu mir, der SCHNELLEN, als mich vor einiger Zeit eine Erkältung erwischte, mit der ich länger zu tun hatte. Viele Tage gab es,  an denen ich nichts tun konnte – selbst zum Nachdenken war ich zu müde. Er schenkte mir Geduld und Achtsamkeit, ich spürte genau jetzt ist er wieder mal bei mir, der Engel der Langsamkeit …

Bleibt – oder werdet gesund.

Eure Doris

Zug des Lebens ...

Beitrag von Doris aus Cuxhaven:

Das Leben gleicht einer Zugfahrt – mit all' den Haltestellen, Umwegen und Unglücken.

Wir steigen ein, treffen unsere Eltern und denken, dass sie immer mit uns reisen. Doch an irgend einer Haltestelle, werden sie aussteigen, und wir müssen unsere Reise ohne sie fortsetzen.

Doch es werden viele Passagiere in den Zug einsteigen – unsere Geschwister, unsere Freunde, sogar die Liebe unseres Lebens.

Viele werden aussteigen – und eine große Leere hinterlassen. Bei anderen werden wir gar nicht merken, das sie ausgestiegen sind.

Es ist eine Reise voller Freuden, Leid, Begrüßungen und Abschiede. Der Erfolg besteht darin, zu allem eine gute Beziehung zu haben.

Das größte Rätsel ist: Wir wissen nie, an welcher Haltestelle wir aussteigen müssen. Deshalb müssen wir leben, lieben, verzeihen und uns das Beste geben. Denn wenn der Moment gekommen ist, an dem wir aussteigen müssen und unser Platz leer wird, sollten nur schöne Gedanken an uns bleiben und für immer im Zug des Lebens weiterreisen.

Ich wünsche Euch, dass Eure Reise jeden Tag schöner wird – und dass ihr stets Liebe, Gesundheit, Erfolg und Gottes Segen im Gepäck habt.

Vielen Dank an Euch – Passagiere, im Zug meines Lebens.

Eine behütete Zeit wünscht Euch Eure Doris

Geschichte aus dem Leben ...

Das Erbe

Das Erbe, das meine Eltern mir überlassen haben, trage ich noch heute symbolisch in Form eines Halskettchens mit zwei kleinen Anhängern: ein Kreuz und ein Notenschlüssel.

Das Kreuz - meinen Glauben - haben mir meine Eltern sehr früh nahe gebracht. Obwohl wir sehr arm waren, bekam ich jeden Sonntag einen Groschen für die Kollekte beim Kindergottesdienst. Wir durften unsere Geldstücke in einen Sammelbehälter werfen, auf dem eine Puppe saß, die bei jedem Einwurf dankend mit dem Kopf nickte. Ich versuchte meinen Groschen möglichst in Pfennigen zu bekommen, weil ich das so schön fand, wenn die Figur sich "bedankte". Ich freute mich die ganze Woche auf den Sonntag und besonders auf die spannenden biblischen Geschichten im Kindergottesdienst.

Zu Weihnachten 1953 hörte ich draußen auf der Straße einen Lautenchor musizieren. Sie spielten für ein totkrankes Nachbarmädchen. "Jutta, leise rieselt der Schnee …". Sie sangen und spielten wie Engel. Ich wünschte mir, auch Gitarre spielen zu können. Eine eigene Gitarre war natürlich mein ganz großer Wunsch und meine Eltern deuteten an, dass dieser vielleicht beim nächsten Weihnachtsfest in Erfüllung gehen könnte.

Doch in dem Jahr, ich war gerade 12 Jahre alt, verstarb mein Vater mit nur 48 Jahren. Die Witwenrente meiner Mutter war sehr klein - sie schuftete an mehreren Putzstellen in der Woche, um uns zu ernähren. Es war für mich undenkbar, dass mein Weihnachtswunsch in Erfüllung gehen würde. Wie es meine Mutter dann doch geschafft hat, weiß ich nicht - aber ich bekam sie: meine Gitarre!

Der Pastor unserer Gemeinde vermittelte mir Gitarrenunterricht bei einem Mitglied des Lautenchors. Ich lernte fleißig und sah die Gitarre als meine Begleiterin in allen Lebenslagen. Schnell war ich im Lautenchor dabei und gründete in unserer eigenen Kirchengemeinde zusammen mit der Gemeindeschwester einen Gitarrenchor. Dieser wurde schnell bekannt und war sehr geschätzt, weil wir auch zu älteren Menschen, Kranken und Armen kamen und in Kinder- und Altenheimen sangen und spielten.

Die beiden Kettenanhänger - das Erbe meiner Eltern - der Glaube und das Gitarrenspiel, haben mich mein Leben lang begleitet, durch Freud' und Leid getragen und mich reifen lassen im Vertrauen auf Jesus Christus, meinem Freund und Bruder. Ich bin jetzt 74 Jahre alt und mein Erbe ist mehr wert als alles Gold der Welt - auch heute noch.

Ich wünsche allen eine gesegnete Zeit
Eure Doris

Nur eine kleine Geschichte

Doris aus Cuxhaven hat uns folgende nette Geschichte zukommen lassen

Dafür steht Blaues Kreuz!

Heidi aus Elmshorn hat uns ein bewegendes Gedicht geschrieben:

Bitter war mein Leben, als ich zu Euch kam.

Liebevoll nahmt Ihr mich auf,
  als man mir den Boden unter den Füßen wegnahm!

Alkohol deswegen??!! Nein, vielen Dank! 
  D
enn der machte mich ja einst erst krank!

Unsinn, sagt nur der, der den Kampf mit ihm nicht kennt!

Erfahrungen positiver Art zu machen,
  wenn der Schmerz in einem brennt!


Sonnenschein in ein dunkles Leben zu bringen;

Kellertöne bald nicht mehr erklingen!

Rituale und Regeln gehören zum gemeinsamen Bestand,
Erlebnisse mit Gleichgesinnten zu tragen,
  vereinen uns zu einem festen Band!

Unheil wird zusammen möglichst abgewendet;
Zeichen werden gesetzt, wenn jeder seine Botschaft sendet!

Heidi Meyer, Elmshorn

Die Welt in Ordnung bringen

Doris aus Cuxhaven hat uns wieder eine kleine Geschichte geschrieben:

Jeder kann einen kleinen Beitrag leisten, um die Welt etwas besser und noch lebenswerter zu machen. Das kann gelingen, indem wir bei uns selbst beginnen. Dazu auch die folgende kleine Kurzgeschichte, die mir sehr gefällt:

Ein Kind wollte mit seinem Vater spielen. Da dieser weder Zeit noch Lust zum Spielen hatte, kam ihm eine Idee, um das Kind zu beschäftigen.

In einer Zeitung fand er eine detailreiche Abbildung der Erde. Er riss das Blatt mit der Weltkugel aus der Zeitung und zerschnitt es in viele kleine Einzelteile. Das Kind, das Puzzles liebte, machte sich sofort ans Werk und der Vater zog sich zufrieden zurück. Aber schon nach kurzer Zeit kam das Kind mit dem vollständigen Welt-Bild. Der Vater war verblüfft und wollte wissen, wie es möglich war, in so kurzer Zeit die Einzelteile zu ordnen. 

"Das war ganz einfach!", antwortete das Kind stolz." Auf der Rückseite des Blattes war ein Mensch abgebildet. Damit habe ich begonnen. Als der Mensch in Ordnung war, war es auch die Welt."

(Verfasser unbekannt)

Gut zu wissen – Gelassenheitsspruch

Fast jeder von uns kennt ihn oder hat ihn zumindest schon einmal gehört oder gelesen – der sogenannte Gelassenheitsspruch. Die Wenigsten wissen aber, dass es neben dem weit verbreiteten ersten Vers auch noch einen zweiten gibt.

Übrigens, dieser Spruch entstammt nicht der Bibel. Ganz klären lässt sich die Urheberschaft dieser wunderbaren Zeilen aber nicht. Genannt werden zwei eventuelle Autoren:

Friedrich Christoph Oetinger (1702 – 1782), 
deutscher Theologe und Vertreter des Pietismus 
Reinhold Niebuhr (1892 – 1971), 
amerikanischer Theologe und Philosoph

Weitere Infos gibt es z.B. hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Christoph_Oetinger
https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhold_Niebuhr

Ganz gleich, wer sie geschrieben hat, wir dürfen heute dankbar sein für diese weisen Worte:

Gott gebe mir die Gelassenheit, 
Dinge hinzunehmen, 
die ich nicht ändern kann, 
den Mut, Dinge zu ändern, 
die ich ändern kann und die Weisheit, 
das eine von dem anderen zu unterscheiden.

Gott gebe mir Geduld mit Veränderungen, 
die ihre Zeit brauchen, 
und Wertschätzung für alles, was ich habe, 
Toleranz gegenüber jenen mit anderen Schwierigkeiten und die Kraft,
aufzustehen und es wieder zu versuchen, 
nur für heute
.

Wenn auch Du eine Geschichte auf Lager hast oder den aktuellen Denkanstoß kommentieren möchtest, schreib uns einfach eine  E-Mail.

Alles Liebe und eine gesegnete Zeit wünscht Euch 
Eure Ilo (IAB)

Sie möchten Helfen?
Spenden Online. Schnell und sicher.