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Ich bin im Blauen Kreuz weil...

Mecklenburg-Vorpommern

Befreit Leben lernen...

An dieser Stelle sollt / könnt ihr zu Wort kommen. In regelmäßigem Abstand möchten wir Blaukreuzler/innen aus unserem Landesverband vorstellen.

Zeugnis von Ingrid Käding

zum Regionaltreffen in Loitz, am 10. September 2016

2013 stand ich bereits schon mal hier und habe einen kurzen Abriss aus meinem Leben gegeben. Seitdem hat sich viel verändert. Kurios war damals, dass 2 Menschen, die damals bereits schon miteinander gelebt haben, beide Zeugnis gaben – erst ich, dann Jürgen und dann kam der HEIRATSANTRAG. Damit hatte ich nicht gerechnet. Im Oktober haben wir dann geheiratet.

Wenn Jürgen und ich zurückblicken, haben wir beide eigene Erfahrungen mit Alkohol gemacht – Jürgen als Betroffener und ich als Co-Abhängige. Mit Hilfe der Begegnungsgruppe und der Hilfe Gottes hat Jürgen es geschafft, vom Alkohol frei zu werden. Und wir glauben, dass unsere Ehe Gottes Willen war, denn sonst hätten wir uns durch 250 km Entfernung sicher nicht kennengelernt. Auch wenn Gottes Wirken nicht immer sofort zu spüren ist, so ist er doch da, fängt uns auf und nimmt an unserem Leben teil. Trotzdem gibt es bei uns Probleme im Alltag, die wir gemeinsam meistern, indem wir miteinander reden und dem anderen zuhören. Wir entdecken auch immer wieder Neues an dem anderen, haben unsere Macken und Ticks, jeder geht seinen Interessen nach, aber gemeinsame Unternehmungen kommen dabei nicht zu kurz. Wir pflegen Kontakte zu unseren Kindern – vorher war jeder von uns allein, jetzt sind wir eine große Familie. Unser Leben hat sich für uns beide zum Positiven gewendet.

Wenn ich so zurückdenke, kann ich immer noch nicht richtig begreifen, welch großes Wunder an mir und uns geschehen ist. Ich habe mich verändert, Merkmale an mir entdeckt, die in mir verborgen waren, habe angefangen, mich wieder selbst zu lieben, zu mir selbst zu stehen, Vertrauen zu mir selbst zu finden. Ich bin der Meinung, wer Selbstzweifel hat, sich nicht annimmt, wie Gott ihn geschaffen hat, mit all den Schwächen und Stärken, steht seinem eigenen Glück im Weg. Die Selbsthilfegruppe ist ein fester Bestandteil für uns – ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Halt, und Gespräche, Gedankenaustausch und Singen, bringen mir die Nähe und das Vertrauen auf Gott immer ein Stück näher.

Zeugnis von Maren Kowitz

Mein Name ist Maren Kowitz und ich bin kein Alkoholiker - Daher war ich auch reichlich überrascht, als Matthias Kohlstedt mich darauf ansprach, ob ich nicht  im Rahmen meiner Aufnahme in das Blaue Kreuz ein kurzes Zeugnis geben könne.

Ich dachte, was soll das bringen, da meine Gründe hier für die meisten sicher nicht sehr von großem Interesse sein können. Aber wer weiß und letztlich muss das am Ende jeder für sich entscheiden.

Im Grunde fing alles an, als ich 3 Jahre alt war ... 
Mein Vater, damals noch stark vom Alkohol abhängig, stand an meinem Geburtstag mit einem großen Teddy im Arm vor unserer Wohnungstür.

Zu diesem Zeitpunkt kannte ich ihn nicht, da meine Eltern sich getrennt hatten, als ich 1 Jahr alt war und in der Folge kein Kontakt bestand. Glücklicherweise habe ich dadurch und dank meiner recht resoluten Mutter, die meinen Vater immer wieder vor die Tür setzte, wenn es zu schlimm wurde, kaum Erinnerungen an einen betrunkenen Vater.

Die einzige resultiert aus einem Urlaub in Stolberg im Frühsommer 1980. Mein Vater hatte versucht, die Tür zu dem Zimmer einzutreten, in das meine Mutter uns eingeschlossen hatte.

Ich bin froh, dass mein Vater kurz darauf eine Langzeittherapie in Elbingerode machte und ich dadurch eine solche Situation voll Aggressivität nicht noch einmal erleben musste.

Nach einem kurzen Rückfall und einer ca. 1-wöchigen Auffrischungstherapie war und ist mein Vater trocken - seit nunmehr fast 33 Jahren.

In den Folgejahren machten wir regelmässig Kurzurlaub in Elbi im Rahmen der Ehemaligentreffen. Gelegentlich ging ich auch mit zu den AGAS-Gruppentreffen. So kommt es, dass mich einige hier schon seit meiner Kindheit kennen.

Durch die Begegnungen in der Gruppe, vor allem aber durch zahlreiche Besuche von - nennen wir es mal nett - noch nicht ganz trockenen - in unserer Wohnung wurde mir schon sehr früh klar, was der Alkohol aus einem Menschen machen kann, wenn man ihm verfällt.

In unserem Haushalt gab es keinen Alkohol, da meine Mutter seit der Therapie meines Vaters ebenfalls abstinent lebte, um ihn so zu unterstützen. Trotzdem wurde mir durch meine Eltern nicht verboten zu trinken - aber im Gegensatz zu meinen Mitschülern wusste ich, dass man auch ohne Alkohol fröhlich sein und tolle Feste feiern kann - und das beste ist, man ist meist der einzige, der sich nach jeder Feier an alles erinnern kann.

Dass man als junger Mensch “nichts trinkt” führt zwangsläufig dazu, dass man sich deswegen immer wieder erklären muss. Da wir als Familie aber immer offen mit dem Thema umgegangen sind, habe auch ich kein Problem damit gehabt, denjenigen, die es hinterfragten von der Alkoholerkrankung meines Vaters zu erzählen. 

Im Allgemeinen sorgte und sorgt diese Offenheit beim Gegenüber für einige Irritationen. Nicht so bei meinem Mann.

Als wir uns vor nun 17Jahren kennerlernten, hat er meine alkoholfreie Lebensweise von Anfang an akzeptiert.

Die Vorteile liegen ja auch auf der Hand - es gibt immer einen, der einen nach der Feier nach Hause fährt.

Letztlich wollte ich euch aber mitteilen, warum ich mich bei der letzten Weihnachtsfeier des Rostocker Ortsvereins dazu entschieden habe, Mitglied im Blauen Kreuz zu werden.

Ich könnte nun kurz sagen, dass es im Grunde ja nur eine logische Weiterführung war bei der Familiengeschichte und Alkohol trinke ich ja sowieso nicht. 

Es ist aber vor allem eine Art Danke zu sagen dafür, dass es so viele Menschen ermöglicht haben, dass ich eine glückliche Kindheit und Jugend haben durfte mit meiner Mutter und meinem Vater.

Ich habe inzwischen selbst 2 wundervolle Kinder, für die ich Gott jeden Tag dankbar bin- und damit wird das Vorleben immer wichtiger.

Es geht darum, dass man Dinge, die einem gegeben werden nicht als selbstverständlich hinnehmen, sondern stattdessen etwas zurückgeben sollte, und darum, offen und für alle sichtbar zu den Menschen zu stehen, die das eigene Leben geprägt haben. 

Denjenigen von Euch, die vielleicht noch keine oder noch kleine Kinder haben möchte ich noch sagen, dass sich ein dauerhaft abstinentes Leben lohnt, nicht nur für euch selbst, sondern vor allem für eure Kinder

Zeugnis von Peter Biermann

Mein Name ist Peter Biermann. Meinem Nachnamen habe ich seinerzeit bis zum 01. Juli 2004 viel zu viel Ehre gemacht. Biermann, die Betonung war da mehr auf Bier als auf Mann, denn ich war bis dahin ein krankes Männchen. Geboren 1953 in Rostock, zur Schule gegangen bis zur 10. Klasse in Rostock, Lehre zum Dreher in Rostock, geheiratet und geschieden in Rostock, Vater geworden in Rostock, meist in Rostock gearbeitet.... gestorben in Ros... NEIN, noch nicht, aber fast, hätte ich weitergesoffen. 

Meine Trinkerlaufbahn begann und war im Kern so, wie bei vielen anderen von euch auch: Ganz hinterlistig, s c h l e i c h e n d, das Feierabendbierchen mit den Kumpels und Kollegen... bis zu dem Zustand, wo es der Körper schon forderte, natürlich in immer höheren Mengen. Der ein oder andere kennt diese Verlangen. 

Der Alkohol hat meine Probleme sauber gelöst – meine Familie, Frau und Kinder, haben sich von mir gelöst. Mein Arbeitsverhältnis wurde in beiderseitigen Einvernehmen gelöst. Mein schmales Konto hat sich ganz fix aufgelöst. Und meine Gesundheit, da wäre es die Leber, die sich beinahe aufgelöst hätte.

Als ein körperliches Wrack und eine geistliche Ruine ging ich freiwillig zur Entgiftung. Anschließend in eine Langzeittheraphie. Und die 12 Wochen taten mir wirklich gut. Ich wurde als ein selbstbewusster und mit mir sehr zufriedener Mensch entlassen. Man hat gute Arbeit an mir geleistet. Ich war runderneuert. Doch ein Glas Saft zu Hause „verdünnt“ mit Alkohol, dargereicht von einer angeblich liebenden Hand, machte alles zunichte und rückgängig. Und mich rückfällig! Dieses Mal wurde es noch schlimmer als vorher.

Glück hatte ich, als ich eine ältere Bekannte wiedertraf. Sie wurde von allen „Oma“ Lippa genannt. Sie sagte mir, ich solle es mal wieder mit ihrer Selbsthilfegruppe versuchen, denn dort wäre ich gut aufgehoben und man würde mir helfen. Ich wüsste das doch!

Ich war schon mal ab und an in dieser Gruppe, da hieß sie noch AGAS und das war vor der großen Wende. Widrige Umstände unterbrachen damals meine Besuche zu den Gruppenabenden, weil ich Zwangsurlaub in einer staatlichen Einrichtung bekam. Warum? Ich habe das nötige Kleingeld zum befriedigen meiner Sucht vom sozialistischen Eigentum zu meinem Vorteil umgelagert.

Als ich das erste Mal bei der AGAS reingeschaut hatte, fiel mir die echte Freundlichkeit auf. Ich wurde nicht, wie üblich, eingetaktet, befragt oder sonst was blödes, was ich nicht so recht mag. Nein, ich wurde herzlich eingeladen. Und dann der Clou: es wurde gesungen – von Jesus Christus. Man oh man! Ca. 25 Männer und Frauen zwischen 23 und 50 Jahren sangen, wenn auch nicht schön, aber schön laut, aus voller Kehle christliche Lieder. Die Leute, die genau wie ich vorher nur „Trink, trink, Brüderlein trink“ oder „Heute blau und morgen blau“ kannten, sangen jetzt Hits wie: „Danke für diesen guten Morgen“ oder „Die Gott lieben werden sein wie die Sonne“ Und dann wurde noch gebetet! Oh Backe! Ich verkniff mir damals ganz doll ein dämliches Grinsen. Anschließend gab es noch Schmalzstullen und Tee. Das war damals eine richtige Überraschung für mich. Das habe ich nicht vergessen.

Das letzte Glas Bier, bzw. Alkohol überhaupt, trank ich also am 30. Juni 2004 um 7 Uhr früh, um  mit der Straßenbahn zur Entgiftung fahren zu können. Ohne dieses „Frühstück“ hätte ich keine 10 Meter weit gehen können.

Nach der 14-tägigen Entgiftung folgte ich „Oma“ Lippas Rat und ging zur Blaukreuz-Selbsthilfegruppe Rostock, wo mittlerweile Jonny Gruppenleiter geworden ist. Ich kannte ihn noch von der AGAS-Gruppe. Und ich erkannte nicht nur ihn wieder, der ein oder andere war auch immer noch dabei. Und es wieder waren alle freundlich, es wurden christliche Lieder gesungen und es gab wieder Schmalzstullen und sogar Kaffee. Ich wurde gleich heimisch. Selbst die Lieder gefielen mir nun. So habe ich neue Freunde gefunden und gewonnen. 

Ich arbeite nun in dieser Gruppe mit, so gut ich eben kann, bin Mitglied des Blauen Kreuzes geworden und seit über 9 Jahren trocken!

Nicht nur allein durch diese Gemeinschaft, die ich nie mehr missen möchte, auch durch etwas Entscheidendes: Ich hatte mit dem Glauben an Jesus nicht viel am Hut. Doch in der Selbsthilfegruppe habe ich unseren Herrn und Retter kennen gelernt und es hat sich was geändert. Hier wurde gesagt und eben auch gesungen: „Jesus hilft jedem, der sich von ihm helfen lassen will!“ Ich dachte bei mir: Wenn es diesen Jesus wirklich gibt, wie es die Christen, in diesem Fall die „Blauen“, behaupten, ist das meine Chance. Und ich betete in meinem kleinen Kämmerlein: „Jesus! Wenn das wahr ist, was man über dich sagt, dass du das Leben total verändern kannst, dann mach mich gesund und heile mein verkorkstes, kaputtes Leben und ich gehöre dir!“

Er hat mich gesund gemacht und hat mir ein neues Leben geschenkt. Ich bin nicht mehr armselig und verloren. Und ich bin mit meiner Abstinenz zufrieden. Gott sei es gedankt!

Durch reden mit Gott, erhalte ich Kraft, die ich auch für die Betreuung meines an Demenz erkrankten Vaters brauche. Und ich glaube, dass hat der Herr schon lange vorher gewusst, auch darum hat er mich vom Teufel Alkohol befreit und verändert.

Ich wünsche all denen, die sich auch verändern lassen wollen, von ganzem Herzen den Mut, ebenfalls diesen langen, schwierigen Weg zu gehen. Und denen, die diesen Weg schon beschritten haben, die Kraft zum Weitergehen und dass wir niemals vergessen, welch ein kostbares Geschenk die Abstinenz ist.

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